Eine freie Fahrt auf der Emscherallee ist frühestens 2020 wieder möglich

mlzTagesbruch Emscherallee

Vor fünf Monaten sackte die Emscherallee ab. Mittlerweile liegt das Baugrund-Gutachten vor. Bis Ende 2019 gehen die Sanierungsarbeiten. Wann der Verkehr wieder fließt, ist aber völlig offen.

Huckarde

, 13.03.2019, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wann der Verkehr über die im Oktober abgesackte Trasse der Emscherallee wieder läuft, kann Dr. Christian Falk nicht sagen. Der Technische Leiter der Stadtentwässerung weiß eines aber gewiss: „2019 nicht“, betont er am Mittwoch während eines Pressetermins vor Ort in Huckarde. Gründe dafür sind eine Reihe von Ungewissheiten und Unwägbarkeiten.

Falk blickt zurück auf „vier Monate Arbeiten unter Feuer“. Der Boden ist mittlerweile gefestigt, der Krater, der sich im Oktober metertief auftat, verfüllt. „Die Achillesferse des Kanalnetzes von Huckarde wird umgepumpt“, erklärt der Technische Leiter. Wie berichtet, geschieht das über eine beeindruckende und weithin sichtbare Stahlröhren-Konstruktion, die Vorflut-Umleitung.

Mittlerweile liegt das Baugrund-Gutachten vor – auch das eine Voraussetzung für die anstehende Sanierung. „Der komplexe, schwierige Baugrund hat sich bestätigt“, berichtet Christian Falk über das Ergebnis von Vorbohrungen und unterirdischen Erkundungen.

Planungen für die Sanierung sind abgeschlossen

Die Bodenschichten unter Huckarde sind weich und fließend. Der extrem trockene Sommer führte zu einer Verdichtung dieser Bodenschichten, die Kanalschächte barsten. Dr. Christian Falk weist darauf hin, dass Hauseigentümer auch an ganz anderer Stelle den ausgetrockneten und verdichteten Untergrund zu spüren bekamen. „Sie hatten plötzlich Risse an den Häusern.“

Eine freie Fahrt auf der Emscherallee ist frühestens 2020 wieder möglich

© Uwe von Schirp

Die Planungen für die Sanierung der Kanalschächte sind abgeschlossen. Durch ein so genanntes Rüttel-Stopf-Verfahren wollen die Kanalbauer den Baugrund verbessern. In diesem Verfahren wird über Bohrlöcher Schotter in tiefere Schichten geführt, dort durch Rütteln und Stopfen der weiche Boden verdichtet. Die Erneuerung des zerstörten Abwasserkanals erfolgt in offener Bauweise.

Außergewöhnliches Bauwerk in neun Metern Tiefe

Allein schon aufgrund der Tatsache, dass er in neun Metern Tiefe liegt, handele es sich um „kein gewöhnliches Bauwerk“ betont Falk. Entsprechend groß wird die Baugrube mit einer Tiefe von 15 Metern und einem Durchmesser von 18 Metern. Die Baufirmen errichten auf diese Weise zwei Schachtbauwerke neu.

Diese Arbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 6 Millionen Euro, wobei 800.000 Euro bereits für die Sicherungsmaßnahmen, die Vorflut-Umleitung und für Gutachten ausgegeben wurden.

Zustand der angrenzenden Kanäle ist noch offen

Völlig offen sind noch weitere notwendige Maßnahmen. Erst nach dem Neubau der Kanalschächte hat die Stadtentwässerung Zugang zu den angrenzenden Kanälen. „Wir müssen sie in Augenschein nehmen. Dabei wird sich zeigen, ob sie von innen saniert oder in offener Bauweise erneuert werden müssen“, erklärt Christian Falk.

Dabei handelt es sich um Kanalabschnitte von 100 Metern in west-östlicher Richtung sowie um 20 Meter in Richtung Süden. Erst wenn in diesem Bereich eine Sanierung der Kanäle in offener Bauweise ausgeschlossen oder abgeschlossen ist, kann die alte Fahrbahn der Emscherallee wieder hergerichtet werden.

Bisher nur Verdachtspunkte für Kampfmittel im Boden

Falk weist auf eine weitere Unwägbarkeit hin: etwaige Kampfmittel. „Wir haben schon Verdachtspunkte für Kampfmittel und eine Vielzahl kleiner Bohrungen vorgenommen, bislang aber noch keine gefunden.“ Mario Niggemann, der kaufmännische Leiter der Stadtentwässerung, erklärt: „Wenn wir Kampfmittel finden, hat das Auswirkungen auf den Zeit- und auch den Kostenrahmen.“

Beide Leiter sind mit dem Management dieser ungewöhnlichen Baustelle zufrieden: „Wir sind im Soll.“ Auf den trockensten Sommer seit der Wetteraufzeichnung ist nun einer der elf regenreichsten Winter gefolgt. Dr. Christian Falk blickt auf die Vorflut-Umleitung und die weiträumige Baustelle: „Die Feuertaufe haben wir bestanden.“

Lesen Sie jetzt