Eine Stadt in der Stadt: Warum Linda Friese (22) so gerne an der Hermannstraße lebt

mlzHermannstraße Hörde

Die Hermannstraße führt einmal quer durch Hörde. Sie ist Baustelle, Einkaufspassage, Fußgängerzone und zeigt den Stadtteil so wie er war und wie er sein wird. Linda Friese nimmt uns mit.

Hörde

, 08.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Hermannstraße ist nicht gleich Hermannstraße. Es gibt zu viel Unterschiedliches zu sehen, zu hören, zu riechen entlang dieser 1,6 Kilometer. Auf beiden Seiten setzt ein Kreisverkehr den Schlusspunkt der Straße. Ganz unweit des Kreisverkehres im Osten wohnt Linda Friese. Die 22-jährige Studentin und Journalistin lebt seit etwas mehr als drei Jahren in Dortmund. Und die hat sie allesamt in Hörde verbracht. Aus mehreren guten Gründen.

Es hat ein bisschen Zeit gebraucht, bis Hörde das Zuhause wurde

„Ich war vorher noch nie in Dortmund“, sagt sie. Für das Studium musste es damals aber irgendwie von Leverkusen ins Ruhrgebiet gehen. Das erste Mal war sie dann zur Wohnungsbesichtigung in Dortmund, weil die Wohnung ihr gefiel, ohne zu wissen, was es mit Hörde so auf sich hat. Sie zog ein und fand unweit des Hörder Neumarktes für eineinhalb Jahre ein neues Zuhause. Wobei: „Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um mich an alles zu gewöhnen. Es hat gedauert, bis ich Hörde mein Zuhause nennen konnte.“

Der Ruhrpottler an sich ist nun mal ein bisschen anders als der Rheinländer. Und er spricht manchmal auch komisch. Den Begriff „herbe“ kannt Linda Friese zuvor nicht. Mittlerweile hören ihre Eltern beim Besuch in der Heimat schon heraus, wo ihre Tochter so wohnt - wenn sie mal nicht „das“ oder „was“ sagt, sondern „dat“ und „wat“. „Aber sowohl im Rheinland als auch im Ruhrgebiet sind die Menschen frei Schnauze, das gefällt mir.“

Es gefiel ihr hier nach ihrem Einzug aber so gut, dass sie in Hörde bleiben wollte. Als es darum ging, mit einer Freundin eine WG-taugliche Wohnung zu finden, musste sie sich nicht weit umschauen. Sie wollte auch gar nicht weg und wohnt jetzt an der Hermannstraße, die den Charakter des Stadtteils so gut widerspiegelt.

„Ich habe hier alles vor Ort, was ich brauche. Ich kann einkaufen und essen gehen, es ist wie eine kleine Stadt, aber ohne den Trubel und die kritische Parkplatzsituation wie in der Großstadt. Und trotzdem ist man nah an der City“, sagt sie.

20 Minuten reichen, um die Hermannstraße komplett zu erleben

Um die Hermannstraße einmal komplett entlangzulaufen, reichen einem 20 Minuten - sofern man keinen Zwischenstopp einlegt. Gründe gäbe es ausreichend, mal nach links und rechts zu gucken. Da wäre das Haus mit der Nummer 93. Schöner Altbau, historische Fassade, tolle Lage. Aber auch verbarrikadiertes Untergeschoss, keine Gardinen im Fenster, die auf Bewohner hindeuten könnten. Es riecht nach Teer, die Hermannstraße bekommt einen neuen Belag. Früher hatte dieses Haus Nummer 93 das Stahlwerk im Rücken, heute einen Sensor-Hersteller und den Phoenix-See.

Der war für Linda Friese übrigens kein Grund, um nach Hörde zu ziehen. Jetzt nutzt sie ihn gerne zum Spazieren und zum Sonnen. „Ich muss ja nur einmal über die Straße“, sagt sie. Der See ist es, der Hörde ein neues Gesicht verliehen hat. „Man geht zwischen neuen Häusern auf der einen und manchmal verwahrlosten auf der anderen entlang. Diese zwei Gesichter merkt man, aber nicht dahingehend, dass es gut oder schlecht ist, sondern vielmehr spannend“, sagt Linda Friese.

Drei Tipps einer Hörderin für alle anderen Dortmunder

Auf dem Weg zum anderen Ende der Hermannstraße geht man einmal nach rechts, einmal nach links, dann kommt man vorbei am Cabaret Queue, geht bergauf, überquert die so viel diskutierte und laute Faßstraße, hat links die Stiftskirche und steht in der Fußgängerzone - einer Stadt in der Stadt. Mit der Alfred-Trappen-Straße, der Hörder Semerteichstraße, der Hörder Rathausstraße, dem Platz an der Schlanken Mathilde und dem Hörder Bahnhof gibt es hier so ziemlich alles, was man braucht. „Der einzige Unterschied zur Dortmunder Innenstadt ist, dass die Geschäfte hier etwas früher schließen.“

Die Öffnungszeiten sind für Linda Friese das eine, die Baustelle an der Hermannstraße das andere. „Die mag ich nicht“, sagt sie. Dafür verrät sie ihre drei Lieblingsorte in der Hörder Innenstadt.

Eine Stadt in der Stadt: Warum Linda Friese (22) so gerne an der Hermannstraße lebt

Linda Friese vor der Buchhandlung Transfer. Eine Freundin hat ihr den Tipp gegeben, hier mal vorbeizuschauen. © Michael Nickel

Buchhandlung Transfer: „Ich mag diesen Laden sehr gerne“, sagt Linda Friese über die Buchhandlung an der Schlanken Mathilde. Seit Juli 2011 führt Birgit Lange-Grieving das Geschäft, es gibt Bücher, Lesungen, Workshops, Literaturkreise und auch historische Touren durch Hörde. „Die Beratung ist sehr gut und sehr persönlich“, sagt Linda Friese. Dass Transfer zu keiner großen Buchhandel-Kette gehört sorge auch für eine „ruhige Atmosphäre. Ich bin sehr gerne hier“.

Eine Stadt in der Stadt: Warum Linda Friese (22) so gerne an der Hermannstraße lebt

Kaum zu glauben, aber der Hörder Bahnhof hat von oben betrachtet mehr zu bieten. © Michael Nickel

Hörder Brücke: Kaum zu glauben, aber die Hörder Brücke kann auch schön sein. Vor allem dann, wenn die Sonne scheint und es warm ist. „Ich bin früher öfter hier lang gelaufen, als ich von meiner alten Wohnung zum Einkaufen in die Hörder Innenstadt unterwegs war“, sagt Linda Friese. Sitzt man auf der Bank und schaut mit ein paar Metern Abstand auf die Gleise darunter, hat sogar der ansonsten unansehnliche Bahnhof seinen Reiz. Der Florianturm und der Gasometer bilden beim Sonnenuntergang nicht die schlechteste Kulisse. „Das ist ein netter Ort - auch, um einfach zu gucken.“

Eine Stadt in der Stadt: Warum Linda Friese (22) so gerne an der Hermannstraße lebt

Linda Friese kann den Friseur Querschnitt empfehlen: einmal ausprobiert und seitdem immer hier. © Michael Nickel

Querschnitt: Knapp hinter dem Kreisverkehr, der das Ende der Hermannstraße zum Westen hin markiert, liegt der Friseursalon Querschnitt mit der Anschrift Hörder Bahnhofstraße 33. Kurz vor Weihnachten 2016 war Linda Friese das erste Mal hier - auf gut Glück. „Ich wollte damals eine komplette Veränderung, von langen blonden zu kurzen braunen Haaren“, sagt sie. Und es muss gut geklappt haben. „Seitdem bin ich glückliche Kundin.“ Vor allem das nette und kompetente Personal überzeuge sie regelmäßig.

Namensgeber Hermann Piepenstock

Schon immer die Hauptstraße Hördes

  • Die Bedeutung der Hermannstraße für Hörde lässt sich schon historisch begründen. „Sie war schon immer die Hauptverkehrsstraße“, sagt Willi Garth, Vorsitzender des Hörder Heimatvereins. Dort, wo heute die Fußgängerzone ist, sind Autos und Straßenbahnen gefahren. Heute kaum vorstellbar. „An der Ecke zur Rathausstraße gab es sogar eine Ampel.“
  • Schon 1342 sei das, was heute die Hermannstraße ist, erstmals urkundlich erwähnt worden - damals als „Schwerter Hellweg“. 1792 wurde ein Abschnitt der Straße Teil der Köln-Berliner-Heerstraße. Lange hieß die Hermannstraße Chausseestraße. Vermutlich im Zuge der Eingemeindung Hördes nach Dortmund 1928 kam der heutige Name.
  • Benannt ist die Straße nach Hermann Piepenstock, der 1841/42 für die Errichtung des ersten großen Stahlwerks im Raum Dortmund verantwortlich war - die Hermannshütte auf dem Gelände der Hörder Burg. Piepenstock ist ein paar Meter weiter übrigens noch zwei weitere Male gewürdigt: mit der Piepenstockstraße und dem Piepenstockplatz auf der anderen Seite der Hörder Brücke.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt