Vonovia-Mieter an der Straße Fine Frau warten seit mehr als zwei Jahren auf das Ende der Modernisierung ihrer Häuser. Zusätzlicher Stressfaktor: Inzwischen ist mehr kaputt als zuvor.

Dorstfeld

, 13.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Juli 2017 startete das Wohnungsunternehmen Vonovia die Modernisierung mehrerer Mehrfamilienhäuser an den Straßen Fine Frau, Anweihstraße und Am Rode. Nachdem sich bereits der Beginn der Arbeiten verzögerte, wurde auch das Ende von November 2017 zunächst auf Januar 2018 verschoben, später dann auf November 2018.

Jetzt, im September 2019, leben die Mieter eines Hauses an der Straße Fine Frau noch immer auf einer Baustelle. Die Wände der Hausflure sind nur teilweise verputzt, Löcher klaffen rund um neu eingebaute Türen und Fenster, überall stehen Baumaterialien herum. „Das hat mit ‚bequemer und schöner Wohnen‘, wie es die Vonovia-Chefs verbreiten, nichts zu tun“, sagt Mieterin Anja Heitmann.

Die Kellertür wurde zugemauert

Seit knapp 24 Jahren lebt sie in dem Haus an der Straße Fine Frau, inzwischen seit gut zwei Jahren auf einer Baustelle. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihr die zugemauerte Kellertür. „Ein Nachbar aus dem Erdgeschoss wollte seinen Balkon an der Stelle haben, an der die Kellertür war“, erklärt Anja Heitmann. Die Tür wurde geschlossen, der Balkon nie gebaut. „Der Nachbar ist inzwischen weggezogen.“

Eingemauert und vertröstet: Vonovia-Mieter sind wütend – und fordern eine Lösung

So sieht der Zugang zum Keller beim Nachbarhaus aus - und so soll er auch am Haus der Nikodems und Heitmanns wieder aussehen. © Carolin West

Trotzdem bleibt die Kellertür geschlossen. Seit Mai 2018 müssen die Mieter um das gesamte Haus herumlaufen, wenn sie auf der Wiese dahinter Wäsche trocknen oder sich dorthin setzen möchten. „Wir hatten drei verschiedene Bauleiter hier“, erzählt Anja Heitmann. „Einer hat gesagt, unter seiner Leitung wäre das nicht passiert. Aber wieder geöffnet hat die Tür niemand.“

Jetzt lesen

In die Waschküche regnet es rein

Ein weiteres Ärgernis im Keller: die feuchten Wände in der Waschküche. An der Außenwand klafft ein mehr als ein Meter langer Riss, der Putz bröckelt. Bei Regen dringt Wasser ein. „Und zwar so viel, dass sich hier kleine Bachläufe bilden“, sagt Anja Heitmann. Auf dem Handy zeigt sie ein Video, das sie während eines Regengusses aufgenommen hat. Beinahe der gesamte Boden des Waschkellers ist nass.

Eingemauert und vertröstet: Vonovia-Mieter sind wütend – und fordern eine Lösung

Durch diesen Riss an der Wand im Waschkeller tritt bei Regen so viel Wasser ein, dass kleine Bäche über den Fußboden fließen. © Carolin West

Auch andere Wände weisen Risse auf. Zudem wurden die Kellerfenster nicht wie angekündigt erneuert. Die, die zuvor einen Sprung hatten, haben ihn auch behalten. Lediglich die Fensterrahmen wirken frisch gestrichen. „Und die Instandsetzung der Fenster soll laut einem Schreiben von Vonovia mehr als 10.000 Euro gekostet haben – davon sehen wir nichts“, sagt Mieterin Anita Nikodem.

Eingemauert und vertröstet: Vonovia-Mieter sind wütend – und fordern eine Lösung

An der Wand im Waschkeller sind Tiefe Risse entstanden. © Carolin West

Die neuen Balkone sind jetzt schon rostig

Neu sind seit Mai dieses Jahres immerhin die Balkone. Allerdings weisen die an ihren Trägern schon jetzt erste Rostflecken auf. „Da ist ein Spalt zwischen Bodenplatte und Träger“, erklärt Anita Nikodem und deutet auf die Lücke. Vom obersten bis zum untersten Balkon des dreistöckigen Hauses fließe dort das Wasser durch. „Ein Bauleiter hat mich einmal gefragt, warum die Lücke nicht mit einem Blech verschlossen ist.“

Eingemauert und vertröstet: Vonovia-Mieter sind wütend – und fordern eine Lösung

An den neuen Balkonen sind bereits Rostflecken zu sehen. © Carolin West

Zudem haben die Mieter des Hauses aus den 50er-Jahren eigenmächtig Plexiglas-Absperrungen vor ihren Balkontüren entfernt, um überhaupt darauf sitzen zu können. Erklären können sie sich all das nicht. Von verschiedenen Ansprechpartnern auf der Baustelle und bei ihrem Vermieter Vonovia erhalten wiedersprüchliche Informationen. „Und dann sollen wir ab November 100 Euro Mieterhöhung bezahlen, obwohl hier nichts fertig ist“, sagt Anja Heitmann und schüttelt den Kopf. „Ich bin ja bereit, mehr zu zahlen, aber auch nur, wenn etwas gemacht wurde.“

Die Vonovia möchte eine Entschädigung zahlen

Zumindest für die verlängerte Bauzeit habe die Vonovia bereits vor einigen Monaten eine Entschädigung von 250 Euro pro Haushalt angekündigt. Wichtiger sei den Mietern jedoch, endlich wieder Baustellen-frei wohnen zu können, so Heitmann und Nikodem. „Allein schon beim Reinkommen fühlt man sich ja hier unwohl“, sagt Anita Nikodem.

Eingemauert und vertröstet: Vonovia-Mieter sind wütend – und fordern eine Lösung

Nach dem Einsetzen der neuen Wohnungstür von Anita Nikodem haben die Handwerker ein Loch hinterlassen. © Carolin West

Schließlich seien die Wände des Hausflurs nicht ordentlich verputzt, neben ihrer Wohnungstür klafft ein Loch. Eine dicke Staubschicht liegt auf dem Boden in den oberen Etagen. „Ich putze hier nicht mehr, das hat keinen Zweck“, sagt Anita Nikodem. Die Mieter haben genug und fordern nun endlich eine Lösung von der Vonovia.

Das sagt die Vonovia

„Erst einmal können wir uns nur entschuldigen, dass die Mieter immer noch Schwierigkeiten haben“, sagt Vonvia-Pressesprecherin Bettina Benner auf Anfrage. „Es wird eine technische Sprechstunde geben. Wir werden den Mietern in Kürze mitteilen, wann und wo das sein wird.“ So sollen nun ab sofort nach und nach alle Mängel behoben werden, die die Mieter auflisten. Vonovia-Mitarbeiter seien bereits vor Ort gewesen.

Das Ergebnis: Die Treppenhäuser werden noch einmal komplett neu gestaltet und die Mängel im Bereich der Wohnungstüren, Briefkästen und Dachfenster behoben. Zudem werde die Kellertür wieder geöffnet. „Wir gehen davon aus, dass hier auch der Grund für den feuchten Kellerbereich zu finden ist“, erklärt Bettina Benner. „Dies werden wir in diesem Zuge mit untersuchen und beheben.“

Die Mieterhöhung wird verschoben

Die Mieterhöhung werde auf den Dezember verschoben. Zudem erhalten die Mieter zeitnah eine Entschädigungszahlung über 350 statt 250 Euro. Erst einmal können die Mieter, die durchgehalten haben also offenbar aufatmen.

Aber sind auch Mieter wegen der langen Bauzeit ausgezogen? „Aufgrund der kleinen Wohnungen und der Nähe zu der TU Dortmund gibt es einige arbeitsbedingte Kündigungen“, sagt Bettina Benner. „Eine konkrete Anzahl von Kündigungen aufgrund der langen Bauzeit können wir nicht nennen.“

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Gastronomie im Dortmunder Westen

Kay Fräder und die Telefonzelle – wir zeigen erste Fotos aus „Friedchens Bahnhof“