Ein Corona-Test wird nicht in allen Verdachtsfällen automatisch durchgeführt. © picture alliance/dpa
Corona-Pandemie

Einjähriger in Corona-Quarantäne – aber Gesundheitsamt will nicht testen

Laura Esser aus Dortmund ist entsetzt, weil ihr einjähriger Sohn in Corona-Quarantäne muss, aber nicht getestet wird. Wie sind da die Regeln?

„So wird man dieses schlimme Virus nie unter Kontrolle bekommen“, sagt die 23-jährige Dortmunderin Laura Esser. Sie sei „entsetzt“, fühle sich „nicht ausreichend betreut und beraten“. Der Grund für Essers Wut: Ihr einjähriger Sohn hatte Kontakt zu einer mit Corona infizierten Kita-Mitarbeiterin und muss in Quarantäne – wird aber nicht getestet. Und mehr: Das Gesundheitsamt verzichtet auch bei den Eltern auf einen Corona-Test. Warum?

Die ganze Geschichte: Bis zum 27. November (Freitag) habe Essers Sohn ganz normal die Kindertagesstätte besucht, erklärt die junge Mutter unserer Redaktion. Einen Tag später habe sich eine Mitarbeiterin der Kita bei ihr gemeldet. Sie habe sich mit dem Coronavirus infiziert, sagt sie Laura Esser am Telefon.

Sohn habe „intensiven Kontakt“ zu infizierter Mitarbeiterin gehabt

„Mein Sohn hatte intensiven Kontakt zu der Mitarbeiterin, weil er jeden Tag acht Stunden in der KiTa war“, meint Esser. Deswegen habe sie Angst, dass ihr Sohn infiziert sein könnte.

Am Montagmorgen (1.12.) habe sie sofort beim Gesundheitsamt angerufen und gefragt, was nun zu tun sei. „Die sagten, mein Sohn, mein Lebensgefährte und ich werden getestet und ich solle auf den Rückruf des Gesundheitsamts warten“, so Esser. Der Rückruf könnte einige Tage dauern. Bis dahin solle sich die Familie „normal verhalten“, habe die Anweisung gelautet.

Bis Freitag (4.12.) habe sich niemand bei ihr gemeldet. Deshalb habe sie erneut das Gesundheitsamt angerufen. Wieder habe das Amt auf den Rückruf verwiesen. Und noch am selben Tag rief ein Mitarbeiter dann auch zurück.

Das Ergebnis: „Weder mein Sohn noch wir als Elternteile werden getestet. Mein Sohn muss in Quarantäne, wir aber nicht“, erklärt Esser. Sie und ihr Partner bleiben nun trotzdem zuhause, weil sie „nicht ausschließen können, dass unser Sohn doch infiziert ist.“

Esser kann es nicht nachvollziehen, dass nicht wenigstens sie und ihr Partner getestet werden, wenn ihr Sohn schon nicht getestet wird. Außerdem ärgert sie sich darüber, dass sich das Gesundheitsamt erst nach knapp einer Woche bei ihr gemeldet hat. „Wenn das immer so lange dauert, werden die Infektionsketten doch nie unterbrochen“, sagt die 23-Jährige.

Corona-Tests werden als Einzelfälle entschieden

Stadtsprecherin Katrin Pinetzki sagt, das Gesundheitsamt entscheide im Einzelfall, ob ein Corona-Test erforderlich sei. „Vorrangig ist, dass für alle Personen, die infiziert sind oder ansteckungsverdächtig sind, möglichst schnell eine Quarantäne angeordnet werden kann“, erklärt sie.

Würden jedoch alle derartigen Fälle wie jener Laura Essers getestet werden – zusätzlich zum standardmäßig überprüften Pflegepersonal –, „hätten wir bereits dauerhaft Rückstände bei den Testergebnissen von mehreren Wochen – und das würde das Testen sinnlos machen“, erklärt Pinetzki. Babys und Kleinkinder seien allen bisherigen Erkenntnissen nach weniger ansteckend als Erwachsene und würden seltener schwerwiegend erkranken.

Das heißt nicht, dass Kleinkinder nie getestet werden. Ein Test sei aber erst dann angebracht, wenn das Kind Corona-Symptome zeige. Weil das beim Sohn Essers nicht der Fall ist, würden in diesem Fall weder das Kind noch die Eltern getestet werden.

Ämter „jenseits der Belastungsgrenze“

Essers Kritik, sie sei vom Gesundheitsamt unzureichend betreut worden, entgegnet Pinetzki: „Das Gesundheitsamt setzt bereits alles verfügbare Personal ausschließlich im Infektionsschutz ein.“ Wegen der hohen Infektionszahlen sei es aber nicht möglich, „jeden Indexfall oder die Sorgeberechtigten eingehend zu beraten und zu betreuen, auch wenn dies wünschenswert wäre“.

Die Mitarbeiter müssten in der Spitze täglich 2.000 Personen anrufen und entscheiden, welche Maßnahmen zu treffen sind. Pinetzki sagt: „Solange die Ansteckungszahlen nicht deutlich sinken, sind nicht nur wir in Dortmund, sondern alle Gesundheitsämter in einer vergleichbaren Situation jenseits der Belastungsgrenze.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers

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