Axel Wolff bringt zweimal in der Woche Menschen, die in Quarantäne sind, ihren Einkauf vorbei. © M. Schmitz/Nachbarschaftshilfe
Corona-Pandemie

Einkaufen, Arztbesuche und Botengänge: Vom Alltag eines Quarantäne-Helfers

Immer mehr Menschen müssen in diesen Tagen in die Quarantäne und dürfen die eigenen vier Wände nicht verlassen. Wie gut, dass es Quarantäne-Helfer gibt, die diese Dinge dann übernehmen.

Wer in Quarantäne ist, darf seine eigenen vier Wände nicht verlassen. An einen Einkauf oder einen Gang zur Post ist nicht zu denken. Aber wie nun an Lebensmittel kommen und wichtige Briefe verschicken?

Das übernehmen dann Menschen wie Axel Wolff. Der Martener ist Quarantäne-Helfer und Initiator der Nachbarschaftshilfe „Martin Aktiv“. Er bringt den Einkauf vor die Tür, holt Rezepte vom Arzt ab, löst die dann bei der Apotheke ein und übergibt sie dann den Betroffenen. „Mir ist der gute Zusammenhalt von Menschen wichtig und ich wollte unbedingt helfen“, sagt der Rentner.

„Wir wollten einen hygienisch sicheren Weg finden“

Er investiert in der Woche etwa sechs bis sieben Stunden allein dafür, dass die Einkäufe bei den Betroffenen ankommen. Doch wie regelt es Wolff eigentlich, dass er auch immer das genaue Produkt oder die richtige Marke besorgt? „Die Menschen, die in Quarantäne sind, rufen direkt beim Rewe Nolte an und geben genauestens ihre Bestellung an. Sonst könnte man schnell mal Ärger bekommen, wenn man Rama statt Lätta mitbringt“, scherzt er.

Ein weiterer guter Aspekt: Dadurch, dass der Einkaufszettel direkt an Rewe geht, kann ein Mitarbeiter umgehend überprüfen, ob die jeweiligen Lebensmittel vorhanden sind oder nicht.

Axel Wolff holt dann den Einkauf beim Rewe ab und gibt ihn vor der Haustür ab. Dann bekommt er den entsprechenden Betrag in die Hand, den er dann wiederum direkt bei Rewe abliefert. „Wir wollten einen hygienisch sicheren Weg finden. Zudem ist es so, dass die Frage entsteht: ‚Wenn ich jemanden mit einer Einkaufsliste und einem Geldbetrag losschicke, weiß ich nicht ganz genau, ob er überhaupt zurückkommt.‘ Dem wird durch unsere Methode vorgebeugt.“

Mittlerweile 30 Mitglieder im Verein

Zweimal die Woche – immer montags und donnerstags – haben Menschen, die in Quarantäne sind, die Möglichkeit die Hilfe von Rewe und der Nachbarschaftshilfe Marten Aktiv in Anspruch zu nehmen. Dazu ruft man an den jeweiligen Tagen zwischen 8 und 10 Uhr unter 0231 / 96 121 36 an und gibt seine Bestellung durch. Ein Hinweis: Man sollte nicht vergessen eine Rückrufnummer anzugeben.

Rentner Wolff geht in der Tätigkeit des Quarantäne-Helfer voll auf. Ganz nebenbei gründete er im März noch die Bürgerinitiative „Marten Aktiv“, die seit Juni mittlerweile auch ein Verein ist. Aktuell hat der Verein 30 Mitglieder, von denen 26 direkt bei Einkäufen, Botengänge und weiteren Dingen unterstützen.

„Wir sind bunt durchmischt. Von Anfang 30 bis über 70 Jahre ist bei uns altersmäßig alles dabei. Auch von den Berufen her ist es total verschieden – es gibt Rentner, Verwaltungsangestellte, eine Reiseverkaufsfrau – die Helfer gehen quer durch die Bevölkerung“, erzählt der Vereinsvorsitzende.

Nicht alle Wünsche können erfüllt werden

Dass es so viele ehrenamtliche Helfer braucht, zeigt die stetig wachsende Nachfrage. Allein am Montag (7.12.) gab es für das Team beispielsweise 43 Einkäufe auszuliefern. Gerade seit Ende Oktober haben die Anfragen wieder stark zugenommen, berichtet Wolff.

Alle Wünsche kann die Nachbarschaftshilfe jedoch nicht erfüllen: Beim Einkauf können beispielsweise keine Getränkekisten oder mehr als eine 6er PET-Getränkepackung angeliefert werden. Und auch geographisch gibt es Grenzen: „Letztens haben wir eine Anfrage aus Nette bekommen. Das schaffen wir leider nicht. Wir helfen gerne im Großraum Marten“, sagt er.

Und noch eine Sache gehört nicht zum Portfolio: das Gassi gehen mit Hunden von Menschen, die in Quarantäne sind. Da würden zu viele Versicherungsfragen dran hängen, meint Wolff. Das sei seinem Team zu gefährlich – gerade wenn wirklich mal etwas passiere und der Hund jemanden attackiere.

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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