Susanne Lategahn ist Trauerbegleiterin und Trauerrednerin. An der Hochofenstraße betreibt das Familienunternehmen Lategahn einen ganz besonderen Urnenfriedhof. © Lydia Heuser
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Einlass nur mit Chipkarte: Einblick in einen außergewöhnlichen Friedhof

In Dortmund gibt es mitten in einem unscheinbaren Haus eine ganz besondere Ruhestätte. Mit einem üblichen Friedhof hat sich nicht viel gemein.

Mit einer Chipkarte erhalten Besucher Zugang zu einer ganz besonderen Ruhestätte, der sich in einem Haus an der Hochofenstraße verbirgt.

Letzte Ruhestätte hinter Milchglasscheiben

Vor Wind und Wetter geschützt, finden im hinteren Teil des Bestattungshauses Lategahn Verstorbene ihre letzte Ruhestätte. Hinter Milchglasscheiben stehen Urnen in quadratischen Nischen. Ganze Wände bestehen aus dieser Holz-Glas-Konstruktion.

Kolumbarium nennt sich dieser Urnen-Friedhof. Den meisten Menschen ist eher die Variante aus Stein bekannt, die unter freiem Himmel oder in Kirchen steht. Aber in einem gewöhnlichen Haus? Das ist wohl einzigartig in Dortmunds Umgebung.

Das Bestattungshaus Lategahn betreibt dieses Kolumbarium seit 2015. Bereits 2010 eröffnete der Familienbetrieb in Schwerte ein sogenanntes „Kolumbarium“. Damals sei vielen Menschen der Begriff noch gar nicht geläufig gewesen, erinnert sich die Bestatterin Susanne Lategahn.

Träger ist die altkatholische Kirche Deutschland. „Die Geschichte ist von Dauer“, sagt Susanne Lategahn, „wir haben den Bereich grundbuchlich abgetreten.“

So sieht das Kolumbarium von innen aus

Besonders schätzen die Besucher des Kolumbariums, dass sie hier vor Wind und Wetter geschützt sind, erzählt Susanne Lategahn.

Im Gang stehen bequeme Sessel mit Rollen, die sich die Trauernden an den gewünschten Platz schieben können. Die belegten Fächer sind individuell gestaltet. Ihr Ehemann, Bernd Lategahn, hat als Schreinermeister den besonderen Urnenraum entworfen. Für jedes Fach hat er eine kleine ausziehbare Stellfläche konzipiert. Blumen, gerahmte Fotos und batteriebetriebene Kerzen zieren die schmalen Simse.

Im Kolumbarium im Bestattungshaus Lategahn können sich Besucher die Sessel vor die Wand schieben, wo die Urne des geliebten Menschen eingelassen ist.
Im Kolumbarium im Bestattungshaus Lategahn können sich Besucher die Sessel vor die Wand schieben, wo die Urne des geliebten Menschen eingelassen ist. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Im Eingangsfoyer des Kolumbariums liegt ein Gästebuch aus, in das Besucher ihre Gedanken schreiben können. Die Trauerbegleiterin Susanne Lategahn glaubt, dass sich die Trauernden so auch untereinander helfen, indem sie die Gedanken und Erinnerungen der anderen Besucher lesen können.

Während der Corona-Zeit hat der Familienbetrieb das Bestattungshaus in Hörde komplett umgebaut. Der Grund: Das Kolumbarium sollte mehr Raum bekommen. 500 Urnen finden hier nun Platz.

Dafür musste ein neuer Fahrstuhl eingebaut werden, damit Kühl- und Versorgungsraum weiterhin erreichbar sind. Denn die Räumlichkeiten, die Besucher des Bestattungshauses in der Regel nicht zu Gesicht bekommen, mussten für die Kolumbariums-Erweiterung umziehen.

Der Trend geht zur Feuerbestattung

Kolumbarien gelten als pflegeleicht, gibt es doch kein Grab, auf dem Blumen gepflanzt und Herbstlaub zusammengekehrt werden muss.

Die Begräbnis- und Bestattungsformen haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Längst werden über die Hälfte der Verstorbenen in NRW in einer Urne beigesetzt. Im Sarg werden immer weniger Menschen beerdigt.

Laut einer Umfrage der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen e. V. wurden 2013 in NRW noch 45 Prozent der Verstorbenen im Sarg beerdigt. 2017 waren es nur noch 37 Prozent. Deutschlandweit zeichnet sich der Trend zur Urnenbestattung noch deutlicher ab: 2017 wurden 70 Prozent in Urnen und nur 30 Prozent im Sarg bestattet.

Der Bestatterverband nimmt an, dass nicht allein finanzielle Gründe zu dieser Steigerung führen. Die Zunahme von Feuerbestattungen sei vor allem ein Ausdruck der Bandbreite der „individuellen Ausdrucksformen über den Tod hinaus“, schreiben sie in ihrer Verbandszeitschrift. Ähnlich argumentiert auch Susanne Lategahn: „Der individuelle Abschied ist den Menschen total wichtig.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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