„Boden unter den Füßen weggerissen“ – Angst um die Zukunft des Kreuzviertels

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Seit Montag haben weite Teile des Einzelhandels wieder geöffnet. Für kleine Betriebe ist das beinahe die letzte Überlebenschance. So auch für Karin Götz und ihr Modegeschäft.

Dortmund

, 21.04.2020, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einigen Wochen ziert eine stabile Schutzwand aus Plexiglas den Verkaufstresen im Modegeschäft von Karin Götz in der Schillingstraße. An den Anblick solcher Schutzmaßnahmen hat man sich mittlerweile beinahe gewöhnt.

An diesem Dienstag hängt Inhaberin Götz den Kassenbereich zusätzlich mit einer großen, durchsichtigen Plane ab. „Ich habe am ersten Tag der Wiedereröffnung gemerkt, dass es vielleicht besser ist, wenn ich doch noch weitere Vorkehrungen treffe“, erklärt die 50-Jährige, die in ihrem Geschäft selbst angefertigte Kindermode verkauft.

„Wir leben vom normalen Kundenverkehr“

So wie viele Einzelhändler darf Götz seit Montag (20.4) wieder die Türen ihres Geschäftes öffnen. Da ihr Mann als Handwerker ebenfalls selbständig tätig ist und derzeit auch erhebliche Einbußen habe, sei für sie die Wiederöffnung ihres Ladens unwahrscheinlich wichtig. „Ich habe natürlich auch versucht, das Geschäft trotz der Einschränkungen am Laufen zu erhalten. Aber für solche kleinen Betriebe ist es einfach enorm schwierig.“

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Zwar verfüge sie über einen Online-Shop, „aber da gab es in den vergangenen Wochen lediglich eine Bestellung. Wir leben vom normalen Kundenverkehr. Ich muss in meinem Laden präsent sein.“

Unvergessen bleibt derweil der Tag, an dem die offizielle Aufforderung zur Ladenschließung kam. „Mir wurde der Boden unter den Füßen weggerissen. Und dann sieht man, dass die Menschen weiterhin an der Möllerbrücke in Gruppen zusammensitzen und Partys feiern. Das war dann wirklich zu viel.“

Preise für Mundschutze könnten weiter steigen

Auch in der Familie hat die andauernde Ungewissheit ihre Spuren hinterlassen, verdeutlicht die zweifache Mutter. „Erklären Sie mal ihren Kindern, dass es heute kein Eis gibt, oder das Taschengeld erst einmal ausfallen muss. So etwas ist wirklich schlimm.“

Auch aus diesem Grund sei sie froh, dass sie ihr Geschäft wieder öffnen dürfe. Zwar habe sie am ersten Tag nach den Lockerungen kein einziges Kleidungsstück verkauft, dafür ging aber ein anderer Artikel verhältnismäßig häufig über die Ladentheke: der selbstgenähte Mundschutz.

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Davon habe sie am Montag einige verkauft, so Götz, aber auch hier gebe es schon neue Schwierigkeiten. „So langsam wird das Material wirklich knapp und vor allem auch teuer. Ich muss die Preise dann ja auch irgendwie an die Kunden weitergeben. Deshalb kostet ein Mundschutz mittlerweile zehn Euro. Und dabei wird es vermutlich leider nicht bleiben.“

„Angst, dass es das Kreuzviertel so bald nicht mehr gibt“

Auch Ina Strasburger konnte ihr Modegeschäft im Kreuzviertel am Montag erstmals wieder öffnen. Doch schon am Eingang weist ein Schild auf eine Besonderheit hin: Anders als in weiten Teilen des Einzelhandels darf ihr Geschäft nur betreten, wer auch einen Mundschutz trägt. „Wir arbeiten normalerweise eng am Kunden, von daher ist es eine reine Vorsichtsmaßnahme für beide Seiten.“

Unterdessen bereiten Strasburger vor allem die geschlossene Gastronomie und die fehlenden Feierlichkeiten große Sorge. „Wir sind ein Geschäft, das überwiegend Braut- und Abendkleider verkauft und sind somit unter anderem auf Hochzeiten und Abibälle angewiesen. Weil dies alles ausfällt, ist es auch für uns sehr schwer.“ Wie sich die Situation weiterentwickelt, könne man derzeit ohnehin nur schwer abschätzen.

So bleibt vielen Selbständigen aktuell nur die Hoffnung auf Normalität. Götz betont deshalb: „Sollten die Lockerungen doch wieder einkassiert werden, weil sich die Menschen nicht an die Vorgaben halten, besteht bei mir und vielen Kunden die Angst, dass es das Kreuzviertel in der alten Form bald nicht mehr gibt.“

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