„Elektra“ als personifizierte Selbstsucht wird eine „grausig-schöne Theaterwelt“

mlzTheater im Depot

Als personifizierte Selbstsucht inszeniert Remo Philipp die „Elektra“ im Theater im Depot: Obwohl sie angeblich Gerechtigkeit will, reißt ihr Hass alle anderen mit in den Abgrund.

Dortmund

, 19.03.2019, 12:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit zehn pinken Schnüren wird Elektra angebunden sein, die ganzen rund 90 Minuten lang. Eine eindrucksvolle Regie-Idee: Das Publikum wird Elektras Angekettet-Sein fast körperlich nachvollziehen können. Darüber hinaus seien die pinken Schnüre ein Bild dafür, dass „Elektra auch an ihr Klischee gebunden ist“, sagt Regisseur Remo Philipp.

Elektra will nur eins: töten, töten, töten

Inhaltlich bleibt der Folkwang-Absolvent nah an der klassischen Geschichte. Elektras Vater, König Agamemnon von Mykonos, wird getötet, und zwar von seiner Frau Klytämnestra und deren Geliebten Ägisth. Auch Elektras Schwester Iphigenie stirbt einen gewaltsamen Tod.

Daraufhin verschreibt Elektra ihr Leben dem Hass und dem Wunsch nach Vergeltung: Klytämnestra und Ägisth sollen sterben, Elektras Bruder Orest soll die Tat ausführen.

Selbstsüchtig sind wir doch alle

Unterm Strich, sagt Regisseur Remo Philipp, gehe es um Egoismus. Um die selbstsüchtige, blinde Rachsucht Elektras. Selbst ihre Schwester Chrysothemis, die sich nach einem friedlichen Leben mit Mann und Kindern sehnt, wird von ihr rücksichtslos manipuliert und instrumentalisiert.

„Ich hoffe“, sagt Philipp beim Pressegespräch, „dass die Zuschauer nachher einen anderen Blickwinkel auch auf ihren eigenen Egoismus haben. Denn Egoismus steckt doch in jedem von uns.“ Davon abgesehen erwarte das Publikum „eine 90-minütige, grausig-schöne Theaterwelt“.

Düster, blutig und pathetisch

Philipp kündigt an, es werde relativ viel Blut geben in seiner Interpretation dieses berühmten Stücks von Hugo von Hoffmansthal. Außerdem werde es wenig Licht geben, großes Pathos und viel Musik. Nicht die von Richard Strauss, der die Geschichte ursprünglich als Oper vertont hat. Sondern von Max Richter und Arvo Pärt, dazu elektronische Sounds.

Elektra wird von Franziska Roth verkörpert, Rudolf Klein spielt alle anderen Rollen, vier insgesamt. Mit Philipp habe er bereits öfter zusammengearbeitet, sagt Klein: „Was ich an seiner Arbeit sehr mag, ist, dass er es schafft, mit sehr wenig Bühnenbild und Requisiten große Bilder zu schaffen und eine große Geschichte zu erzählen.“

Warum der Hund im Kinderwagen sitzt

„Es geht für mich um Menschen“, sagt Philipp, „die ihre Probleme zuspitzen.“ Die zum Beispiel ihr ganzes Sein auf ein niederträchtiges Bedürfnis ausrichten. „Den Aspekt des Tieres im Menschen finde ich interessant.“

Damit hänge auch das Plakatmotiv zusammen, das er sich ausgedacht hat: ein Hund im Kinderwagen. Der Hund, eine französische Bulldogge, ist Philipps eigener Hund. Philipp hat ihn „Hamlet“ getauft.

Termine:

  • 22. März 2019, 20 Uhr (Freitag, Premiere)
  • 23. März 2019, 20 Uhr (Samstag)
  • 11. Mai 2019, 20 Uhr (Samstag)
  • 12. Mai 2019, 18 Uhr (Sonntag)
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