Elf Stunden sind kein Tag

26.09.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Feierabend um 18.30 Uhr. Nach mehr als elf Stunden im Job. Und dies ist ein besonders verantwortlicher, weil er mit Menschen zu tun hat, mit Kranken. Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Gierse beschwert sich nicht. Er wurde Arzt, weil er die Menschen liebt und ihnen helfen will. Er beklagt sich nur, wie viele seiner niedergelassenen Kollegen, über die schlechte Honorierung und die Ungerechtigkeiten im System.

Im Durchschnitt behandelt ein Allgemeinmediziner im Bezirk Westfalen-Lippe 960 Patienten pro Quartal. Pech für ihn, wenn er äußerst beliebt ist und die Kranken nur so in seine Praxis strömen. Sind es nämlich mehr als 1500 Patienten, wird der Mediziner mit hohen Abschlägen in seinem Gesamtbudget "abgestraft". Er erfährt aber erst zeitversetzt, ein halbes Jahr später, wie viel Geld noch in seinem Topf ist, was er verdient hat und ab wann er drauf zahlen muss.

Elf Stunden täglich, nicht eingerechnet ein bis zwei Beratungen am Telefon, abends von Zuhause, und die regelmäßige Nachtbereitschaft montags, dienstags und donnerstags (nur der Notdienst entlastet mittwochs und an Wochenenden) - wie lange kann man dieses Pensum aushalten? Dr. Gierse, 63, verrät nicht, wann er sich zur Ruhe setzen will. Er liebt seine Berufung. bö

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