Enge statt Abstand: Großer Ärger über geänderten S-Bahn-Fahrplan in Dortmund

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Wegen der Corona-Krise fahren die S-Bahnen in Dortmund nur noch stündlich. Und das sorgt für Enge. Krankenhaus-Mitarbeiter machen jetzt ihrem Ärger Luft.

Dortmund

, 30.03.2020, 04:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Bus- und Bahn-Betreiber DSW21 hat man sich noch eines Besseres besonnen. Nachdem man in der vergangenen Woche erst drastische Fahrplan-Einschränkungen verkündet hatte, fahren Busse und U-Bahnen innerstädtisch weitgehend im gewohnten Takt.

Ganz anders sieht es im S-Bahn- und Regionalverkehr aus. Seit dem 21. März gilt im gesamten Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) ein Sonderfahrplan. Er soll zunächst bis zum 19. April gelten.

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Und die Kürzungen sind deutlich spürbar: „Der neue Fahrplan führt zu einer deutlichen Reduzierung des Angebots auf den meisten Linien. Insgesamt werden die Leistungen etwa um die Hälfte reduziert“, teilte der VRR mit.

Einschränkungen im Regionalverkehr

Für den Regionalverkehr in Dortmund heißt das konkret, dass die Regionalexpress-Züge auf der Linie RE4 Dortmund-Aachen ganz ausfallen, der RE1 fährt nur im 60-Minuten-Takt. Bei den Regionalbahnen fällt die Linie RB43 von Dortmund nach Dorsten komplett aus und wird durch Busse ersetzt.

Die Linie RB51 von Dortmund nach Enschede fährt nur noch alle zwei Stunden, die Linien RB53 von und nach Iserlohn und RB59 von und nach Soest stündlich.

Ein Stundentakt gilt auch für alle S-Bahn-Linien in Dortmund, die sonst im 15- oder 30-Minuten-Takt fahren - also S1, S2, S4 und S5.

Man will die Infektionsgefahr gering halten

Zugleich wird versprochen, „dass ausreichend Fahrzeuge zum Einsatz kommen, um die Infektionsgefahr für die Fahrgäste möglichst gering zu halten“. Wörtlich heißt es im „Newsticker“ von mobil.nrw: „In S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpress-Zügen in NRW sollen maximal nur noch 50 Prozent der Sitzplätze besetzt sein, damit die Infektionsgefahr so gering wie möglich bleibt.“

In der Realität sieht das oft aber ganz anders aus. „Die Bahnen sind brechend voll, man sitzt oft mit drei bis vier Leuten in einem Vierer-Abteil“, berichtet Sabrina Schäfer. Sie hat gemeinsam mit mehreren Kolleginnen und Kollegen aus dem Knappschaftskrankenhaus in Lütgendortmund am Freitag (27.3.) ein Protestschreiben an den VRR geschickt.

Das Problem bildet sich aus dem späteren Betriebsbeginn und der Verringerung des Taktes bei der S-Bahn-Linie S4, mit der viele Krankenhaus-Beschäftigte zur Arbeit kommen, auf eine Stunde.

Weil die erste S-Bahn morgens erst um 7.04 Uhr in Lütgendortmund ankommt, können Mitarbeiter aus der Frühschicht mit der S4 nicht pünktlich zum Dienst kommen, berichtet Dave Varghese, der das Protestschreiben mit initiiert hat.

Ein Kollege sei für den Weg quer durch die Stadt auf U-Bahnen und Busse umgestiegen, bräuchte so aber eineinhalb statt eine halbe Stunde Fahrzeit zur Arbeit. Umgekehrt gebe es nach Feierabend lange Wartezeiten bis zur Abfahrt der nächsten S-Bahn.

Ständig werde die Lage überprüft, heißt es

Wie stark der Rückgang der Fahrgäste ist und ob es in den Zügen eng wird, kann VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik nicht einschätzen. Die Auslastung werde aber von den Betreibern der Linien beobachtet. Und es gebe darüber einen regelmäßigen Austausch zwischen Verkehrsunternehmen und den Verbünden als Auftraggeber.

Der Eindruck sei, dass der aktuelle Grundfahrplan den Bedarf durchaus abdecke, „Das wird aber regelmäßig überprüft und gegebenenfalls auch nachgesteuert“, sagt Tkatzik.

Betrieben wird die S4 von der DB Regio. „Seitens DB Regio NRW läuft der Sonderfahrplan weitgehend stabil“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Man überprüfe kontinuierlich, ob und wo gegebenenfalls nachgesteuert werden müsse. „Aktuell erfolgt dies auch bei der S4.“ Auf das Ergebnis der Überprüfung werden nicht nur die protestierenden Krankenhaus-Mitarbeiter sehr gespannt sein.

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