Engpässe wegen Coronavirus: Stadt Dortmund springt bei Obdachlosen-Hilfe ein

mlzEhrenamtler in Not

Die Corona-Krise hat die ehrenamtliche Obdachlosen-Hilfe in Dortmund an den Rand des Kollaps gebracht. Jetzt soll sie von der Stadt gestützt werden. Auch von anderer Stelle kommt Hilfe.

Dortmund

, 23.03.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren schrille Alarmsignale, die diese Woche von Dortmunds ehrenamtlichen Obdachlosen-Hilfsorganisationen kamen: Wegen des Coronavirus brechen den Initiativen die freiwilligen Helfer weg - viele ihrer Ehrenamtler sind älter als 60 Jahre und zählen damit zur Risikogruppe.

Aufgrund der Personalengpässe musste die Kana-Suppenküche in der Nordstadt am vergangenen Montag (16.3.) bereits für einen Tag schließen. Die Dortmunder Tafel hat seit Dienstag nur noch zwei ihrer acht Standorte im Stadtgebiet geöffnet. Und auch bei der Wohnungslosen-Initiative „Gast-Haus“ im Unionviertel gab es am Mittwoch für einen Tag keine Lunchpakete. Gast-Haus-Geschäftsführerin Katrin Lauterborn rief die Stadt um Unterstützung: „Ich weiß nicht, wie lange wir noch Hilfe gewährleisten können.“

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Am Donnerstagnachmittag gab es schließlich das ersehnte Treffen der Obdachlosen-Hilfsorganisationen mit dem Sozialamt - und eine gute Nachricht: Die Stadt erklärte sich bereit, bei der Verpflegung der Obdachlosen einzuspringen.

„Wir machen das so schnell wie möglich“, sagte Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage. Man befinde sich in „intensiven Gesprächen“. Zu Details wollen sich alle Beteiligten erst im Laufe dieser Woche äußern, Lauterborn sagte Ende vergangener Woche nur soviel: „Alles wird gut.“ Fürs Wochenende habe man im Gast-Haus zwei Notteams organisiert, um die dortige Essensausgabe aufrechtzuerhalten.

Diakonie kocht für Kana-Suppenküche

Die geplagte Kana-Suppenküche hat derweil Unterstützung von einem weiteren Akteur im sozialen Netz der Stadt bekommen: Das Diakonische Werk stellt kostenlos Lunchpakete zur Verfügung, die dann von den Kana-Ehrenamtlern in ihrer Suppenküche an die Bedürftigen verteilt werden. Dafür nutzt der evangelische Wohlfahrtsverband die Räume seiner eigenen, derzeit aus Coronavirus-Gründen geschlossenen Suppenküche im Wichernhaus in der Nordstadt.

Darüber hinaus bleibt die größte Anlaufstelle der Diakonie für wohnungslose Menschen weiter geöffnet: die „Zentrale Beratungsstelle“ (ZBS) in der Rolandstraße, deren Hilfs- und Beratungsangebote jährlich über 2000 Menschen nutzen, inklusive der Duschräume.

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Die Kleiderkammer und der Tagesaufenthalt der ZBS hingegen bleiben wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus weiter geschlossen, ebenso wie dieselben Angebote im Gast-Haus. Auch die von der Diakonie betriebene Bahnhofsmission hat aus diesem Grund zu.

Bisher, so Gast-Haus-Geschäftsführerin Lauterborn, habe trotz der Schließungen immer mindestens eine der Essens-Anlaufstellen für Obdachlose in Dortmund geöffnet gehabt: „Es gab keine Lücken.“ Dank der Hilfe von Stadt und Diakonie scheint das auch so zu bleiben.

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