Enthusiasmus am Altar

09.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Stimmen, die Gänsehaut verursachen, sangen am Dienstag in der Nicolaikirche. Bock/newspic.de</p>

<p>Stimmen, die Gänsehaut verursachen, sangen am Dienstag in der Nicolaikirche. Bock/newspic.de</p>

Beim Beatles-Medley zwischen "Let it be" und einer Soulversion von "Hey Jude" (mit dem ansteckenden Naanaanaa-Nananana) gehen die ersten Feuerzeuge an. Mitsingen, Applaus und Johlen. Danach schunkeln die Leute stehend in den Kirchenbänken von St. Nicolai.

"Schuld" ist eine Gospeltruppe aus den USA, die "The Very Best Of Black Gospel" am Dienstag nach Dortmund brachte. Botschafter des Herrn und Stimmungskanonen, vor denen man einfach kapituliert. "Gospelmusic is Viel-Spaß-Musik", hatte Gregory M. Kelly angekündigt, musikalischer Leiter des Chores. Der Enthusiasmus in der ausverkauften Nicolaikirche gibt ihm recht.

Über zwei Stunden hatten acht Sänger, zwei Keyboarder, ein Trommler die Stimmung hochgeschaukelt. Zuerst noch per Animation. Bitte mit den Händen den Erdkreis formen! Und der Chor singt "He's Got The Whole World In His Hands". Klatschen wird eingefordert oder Fingerschnippen. Später geht das Publikum von selbst mit. Bei der Friedenshymne "We Shall Overcome" ist Gesang aus hunderten Kehlen zu hören. Nicht zittrig, nicht unsicher, sondern imponierend kraftvoll. Wirklich rührend.

Die Akteure vorm Altar beweisen Stimmgewalt, die auch ohne Mikrofon auskommt. Wenn sie unverstärkt und a-cappella singen, muss man sich vergewissern, dass es nur acht Vokalisten sind, die diese saalfüllenden Harmonien produzieren. Stücke wie "Soon I Will Be Done" oder "Amazing Grace" bestechen durch fein arrangierte Balance zwischen Solo- und Ensemblepartien. Uptempo-Nummern steigern sich in aufgekratzte Ekstase. Heiser geröhrtes "Yeahyeah!" - da hört man, wo der Rock'n'Roll seine Wurzeln hat. Kai

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