Pop-Up-Radwege wie in Berlin - eine Option auch für Dortmund?

mlzVerkehrspolitik

Bei zwei Demonstrationen wurde die Umwandlung von Auto- in Radfahr-Spuren in Dortmund gefordert. Auch eine Online-Petition erhielt viel Zuspruch. Jetzt beriet der Rats-Verkehrsausschuss.

Dortmund

, 29.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In vielen Großstädten hat man aus der Not eine Tugend gemacht: Weil der Autoverkehr während der Corona-Krise deutlich geringer war, wurden in Städten wie Berlin und Hamburg Autospuren kurzerhand in Radwege verwandelt.

Das Vorbild sollte bundesweit Schule machen. In vielen Städten gab es in den vergangenen Wochen Aktionen von Umweltverbänden für die sogenannten Pop-up-bike-lanes, also kurzfristig eingerichtete Radfahrstreifen. In Berlin zum Beispiel haben mehrere Stadtbezirke solche Radwege kurzfristig eingerichtetet, oft über viele Kilometer. Auch in Dortmund wurde an der Straße Heiliger Weg und an der Kaiserstraße anschaulich demonstriert, wie der Radverkehr von solchen Maßnahmen profitieren kann.

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Zusätzlichen Druck machte die Grüne Jugend mit einer Online-Petition, die viel Zuspruch fand. In weniger als 36 Stunden unterschrieben mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger, teilten die Grünen mit.

Abfuhr durch Verwaltungsspitze

Die Dortmunder Verwaltungsspitze hatte sich zuvor weniger begeistert von den Forderungen gezeigt. Oberbürgermeister Ullrich Sierau verwies verärgert auf die langfristige Radverkehrsplanung der Stadt, Umweltdezernent Ludger Wilde auf eine Stellungnahme des Städtetages, der auf die Entscheidungsgewalt der Politik aufmerksam macht.

Die hatte unlängst erstmals die Gelegenheit, über das Anliegen zu beraten. Die Grünen hatten die Forderungen der Umweltverbände als Antrag in den Bau- und Verkehrsausschuss eingebracht. Aus ihrer Sicht allerdings nicht mit dem gewünschten Erfolg.

Die Mehrheit mit SPD und CDU lehnte den Grünen-Antrag für eine schnelle Umsetzung der Idee ab. Stattdessen wurde ein Antrag der SPD-Fraktion befürwortet, die Vorschläge durch die Verwaltung zunächst prüfen zu lassen. Dabei gehe es etwa auch um die Frage, ob mit der Einrichtung von Pop-up-bike-lanes die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gegeben ist .

Den Antrag der Grünen für eine sofortige Umsetzung bezeichnete der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Hendrick Berndsen, als „Symbolpolitik“ und „puren Aktionismus“. Die Stadtverwaltung arbeite bereits seit Jahren erfolgreich an der Verbesserung und einer Zunahme des Radverkehrs

Prüfung statt schnelle Umsetzung

Die Grünen stellt das nicht zufrieden. Sie sprechen von Verzögerungstaktik. „Anlass für die Idee temporärer Fahrradspuren ist die veränderte Mobilität in der Corona-Zeit. Wenn man jetzt zunächst mal prüfen will, ob kurzfristige Radstreifen sinnvoll sind und wenn ja, wo, fährt man die Idee bewusst gegen die Wand“, erklärt Matthias Dudde, Grünen-Mitglied im Verkehrsausschuss.

Es gehe darum, auf die aktuell bestehenden Probleme im Nahverkehr zu reagieren: Fußgänger bräuchten jetzt mehr Platz auf den Gehwegen, Radwege auf den Fußwegen erschwerten das Einhalten der Distanzregeln.“

Praxistest in der Sommerzeit

Die Grünen sehen den bevorstehenden Sommer und die Ferien als gute Zeit, um einen Fahrstreifen an den großen Straßen umzunutzen. Ein Regelplan zur zeitlich begrenzten Einrichtung und Erweiterung von Radverkehrsanlagen, wie er in Berlin aufgestellt wurde, hätte nach Ansicht der Grünen auch in Dortmund die Umsetzung von temporären und gleichzeitig sicheren Radfahrstreifen einfach und schnell ermöglicht.

„Die aktuelle Situation, so schwierig sie für uns alle ist, hätte damit zur Chance werden können, mehr Menschen dauerhaft für die Nutzung des Fahrrads zu gewinnen. Gerade in Zusammenhang mit den jetzt geplanten Verbesserungen für den Radverkehr hätten kurzfristig angelegte Radspuren einen guten Praxistest ermöglicht“, meint Dudde.

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