Ein prachtvolles Gebäude war der 1910 eröffnete Dortmunder Hauptbahnhof. © Stadtarchiv
Dortmund historisch

Erinnerungen: So prachtvoll war einst der Dortmunder Hauptbahnhof

Bis 2024 wird der Dortmunder Hauptbahnhof saniert und umgebaut. Doch auch im neuen Zustand ist er weit entfernt vom früheren Prachtbahnhof, der Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut worden war.

Nichts ist so haltbar wie ein Provisorium, heißt es. Das gilt auch für den Dortmunder Hauptbahnhof. Denn dessen Bahnhofshalle sollte eigentlich nur ein Provisorium sein, das den alten prachtvollen Dortmunder Bahnhof, der im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde, ersetzte. Die alte Bahnhofshalle aus den 1950er Jahren steht heute noch und wurde vor gut zehn Jahren noch mit großem Aufwand herausgeputzt.

Vom alten Prachtbahnhof bleiben damit nur noch Erinnerungen in Form von alten Fotos und Ansichtskarten. Das Gebäude war sichtbarer Ausdruck des Wachstums zur Großstadt, das Dortmund um die Wende zum 20. Jahrhundert erlebt hatte.

Den alten Hauptbahnhof mit der Bastion am Königswall zeigt diese colorierte Ansichtskarte.
Den alten Hauptbahnhof mit der Bastion am Königswall zeigt diese colorierte Ansichtskarte. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Die Bahn selbst war schon Auslöser des Wachstums gewesen, das Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen hatte. 1849 wurde Dortmund zum ersten Eisenbahnknotenpunkt des Landes.

Hier trafen sich die zwei Jahre zuvor eröffnete Linie der Cölln-Mindener-Eisenbahn, die von Köln nach Minden verlief, und die Bergisch-Märkischen Eisenbahn, die in Elberfeld begann und in Dortmund endete.

Knotenpunkt war anfangs ein kleines bescheidenes Bahnhofsgebäude in Höhe des heutigen Burgtores.

Wachsende Großstadt

Aber die Bahnlinien sorgten dafür, dass sich immer mehr Industriebetriebe, die auf das moderne Transportmittel angewiesen waren, in Dortmund ansiedelten – allen voran das Eisen- und Stahlwerk Hoesch. Die Stadt, die bis weit in das 19. Jahrhundert hinein noch von der Stadtmauer begrenzt worden war, wuchs über sich hinaus. Die Nordstadt und andere Stadtquartiere entstanden. Dortmund wurde zur Großstadt.

Deshalb wurde auch die Bahn-Infrastruktur kräftig ausgebaut. Um 1910 wurde nicht nur ein Bahndamm mit Brücken wie am Burgtor angelegt, der die Eisenbahn kreuzungsfrei durch die Stadt führte. Es entstand auch ein neuer Hauptbahnhof mit monumentalem Empfangsgebäude und riesigen Bahnhofshallen über den Gleisen.

Schwer zerstört wurde der Hauptbahnhof spätestens bei einem großen Bombenangriff im Oktober 1944.
Schwer zerstört wurde der Hauptbahnhof spätestens bei einem großen Bombenangriff im Oktober 1944. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Die Pracht hielt aber nur gut 33 Jahre. Denn schon bei den ersten großen Bombenangriffen alliierter Flieger ab 1943 wurde das Bahnhofsgebäude schwer getroffen. Endgültig zerstört wurde es bei einem verheerenden Großangriff am 6. Oktober 1944, als der Bahnhof ein Hauptziel war.

Rund 1200 Menschen kamen dabei ums Leben, unter anderem, weil einfahrende Züge getroffen wurden oder weil viele Leute es nicht mehr rechtzeitig in den großen Tiefbunker unter der Innenstadt mit einem großen Eingang direkt vor dem Bahnhof geschafft hatten.

Ab 1950 bekam der Dortmunder Hauptbahnhof sein heutiges Aussehen. Die Glasfenster der Bahnhofshalle stehen inzwischen unter Denkmalschutz.
Ab 1950 bekam der Dortmunder Hauptbahnhof sein heutiges Aussehen. Die Glasfenster der Bahnhofshalle stehen inzwischen unter Denkmalschutz. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Nach dem Krieg wurde der Bahnbetrieb in einem Trümmerbahnhof wieder aufgenommen. Erst Anfang der 1950er Jahre entstand dann ein einfacher Zweckbau als neues Bahnhofsgebäude, der nach und nach erweitert wurde. Bis 1961 bekam Dortmunds neuer Bahnhof weitgehend sein heutiges Aussehen.

Vom Ufo zum „3do“

In den 1990er Jahren wurden dann große Pläne geschmiedet: Der Bahnhof sollte sich in ein Ufo verwandeln. Denn an ein Unbekanntes Flugobjekt erinnerte die von einem Hamburger Architekturbüro konzipierte Bahnhofsüberbauung mit einem riesigen Einkaufszentrum, die über den Gleisen entstehen sollte.

Wie ein riesiges Ufo wirkte die geplante Bahnhofsüberbauung, über die Ende der 1990er Jahre heiß diskutiert wurde.
Wie ein riesiges Ufo wirkte die geplante Bahnhofsüberbauung, über die Ende der 1990er Jahre heiß diskutiert wurde. © BRT © BRT

Einige Jahre später verwandelte sich das Ufo unter der Regie eines portugiesischen Investors in einen unförmigen Baukörper unter dem Titel „3do“. Doch auch dieses Projekt scheiterte – nicht zuletzt am Widerstand der Bahn AG. Zum Glück, wie heute viele Menschen sagen.

Auch das Ufo-Nachfolge-Projekt unter dem Titel „3do“ scheiterte.
Auch das Ufo-Nachfolge-Projekt unter dem Titel „3do“ scheiterte. © Sonae Sierra © Sonae Sierra

Die Kehrseite der Medaille: Es blieb der alte über die Jahre unansehnlich gewordene Bahnhof, für den Dortmunds Alt-Oberbürgermeister Günter Samtlebe die spöttische Bezeichnung „Pommesbude mit Gleisanschluss“ prägte. Mit Fördermitteln für die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 wurde zumindest das Bahnhofsgebäude aufpoliert.

2018 begann dann auch die Sanierung der Bahnstation. Sie soll bis 2024 barrierefrei umgebaut werden und moderne Bahnsteige bekommen. Vom alten Prachtbahnhof von 1910 ist aber auch das weit entfernt.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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