Erkrankungen wegen PCB-Belastungen nicht nachweisbar

Zweites Gutachten im Envio-Prozess

Das zweite Gutachten zum Giftmüll-Skandal bei Envio wurde dem Dortmunder Landgericht vorgelegt. Das Ergebnis: Zwar weisen fast alle der mit PCB belasteten Ex-Envio-Arbeiter einzelne Auffälligkeiten oder Krankheitssymptome auf. Ob diese aber tatsächlich eine direkte Folge des Giftes sind, ist nicht nachweisbar.

DORTMUND

05.06.2014, 15:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Laut einem zweiten Gutachten ist kein eindeutiger Zusammenhang zwischen PCB-Belastungen und den Erkrankungen der Ex-Envio-Arbeiter zu erkennen.

Laut einem zweiten Gutachten ist kein eindeutiger Zusammenhang zwischen PCB-Belastungen und den Erkrankungen der Ex-Envio-Arbeiter zu erkennen.

Die Diagnosen hat Prof. Rettenmeier in mehrere Kategorien eingeteilt. Er hat die Augen der Betroffenen ebenso untersucht wie die Haut, die Schilddrüse, die Psyche und beispielsweise auch das Immunsystem und die Sexualhormone. Das Fazit des Gutachtens: Viele der Betroffenen haben etwa einzelne Pusteln oder Aknesymptome. Eine klassische Chlorakne - anerkannte Folge einer zu hohen PCB-Belastung - hat indes keiner ausgebildet. "Deshalb ist es schwierig, hier einen eindeutigen Zusammenhang zu erkennen", sagte der Gutachter. Hautveränderungen, wie sie bei den 29 Untersuchten zu erkennen gewesen seien, seien extrem häufig und würden auch in der übrigen Bevölkerung regelmäßig auftreten.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt Prof. Rettenmeier auch in allen übrigen Bereichen. Zwar sei es auffällig, dass tatsächlich einige der Betroffenen heute psychische Probleme beklagten und depressive Tendenzen zeigten. Der Sachverständige: "Doch da muss man sich die Frage stellen, woher diese kommen. Wurden sie vom PCB im Blut verursacht oder sind sie nachträglich aufgetreten?" Natürlich könnten psychische Probleme auch aus Angst und Sorge über die Zukunft entstehen. Die Verteidiger der drei verbliebenen Angeklagten um Ex-Envio-Chef Dirk Neupert nahmen das Gutachten wenig überrascht zur Kenntnis: "Das haben wir so schon von Anfang an gesagt."

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