Erntehelfer arbeiten unter strengen Quarantäne-Regeln bei Dortmunder Obstbauer

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44 Saisonarbeiter aus Südosteuropa sind inzwischen auf einem Dortmunder Hof angekommen. Corona verlangt ihnen alles ab. In den ersten zwei Wochen dürfen sie praktisch nur aufs Feld.

Scharnhorst

, 17.04.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende März herrschte auf dem Hof Mertin noch völlige Unklarheit darüber, ob und wie die Saison überhaupt zu stemmen sei. Denn aufgrund der Corona-Krise durften keine Saisonarbeiter aus Rumänien einreisen – und die benötigt Obstbauer Friedrich Mertin dringend, um zunächst Erdbeeren, später dann Himbeeren, Pflaumen und Äpfel zu ernten.

Zumindest ein Teil der Anspannung hat sich inzwischen gelöst: 44 Erntehelfer haben bereits den Weg nach Grevel gefunden, weitere sollen folgen.

Anfangs nur fünf Helfer

Nachdem sich das Landwirtschafts- und das Innenministerium des Bundes Anfang April trotz eigentlich geschlossener Grenzen doch auf eine zumindest begrenzte Einreise der Saisonarbeiter geeinigt hatten, trafen in der zweiten Aprilwoche auf Hof Mertin die ersten Helfer ein – wenn zunächst auch in überschaubarer Anzahl.

Susanne Westhoff ist für die Finanzbuchhaltung auf Hof Mertin verantwortlich. Momentan hat sie – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise – alle Hände voll zu tun.

Susanne Westhoff ist für die Finanzbuchhaltung auf Hof Mertin verantwortlich. Momentan hat sie – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise – alle Hände voll zu tun. © Michael Schuh

„Anfangs waren es nur fünf“, erzählt Susanne Westhoff, die auf dem Grevelner Hof für die Finanzbuchhaltung verantwortlich ist. „Sie sind in Eindhoven gelandet, wo wir sie mit dem Auto abholen mussten. Aber fünf Arbeitskräfte sind besser als keine.“

Am Sonntag (12. April) wurde es dann voller auf dem Gehöft: 39 weitere Erntehelfer, vornehmlich aus Rumänien, kamen nach Grevel. „Sie sind mit einem Charterflug, der von Landwirten bezahlt wurde, in Düsseldorf gelandet und mussten alle einen Mundschutz tragen“, beschreibt Westhoff die noch vor wenigen Wochen nicht erwartete Ankunft.

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Untergebracht sind die Arbeiterinnen und Arbeiter derzeit in einem Haus nahe des Bauernhofs, in dem es mehrere Wohnungen gibt. Und dort müssen die Südosteuropäer zwei Wochen lang unter sich bleiben, dürfen nur auf die Felder, nicht aber einkaufen – die strengen Quarantäne-Regeln schreiben es so vor.

Haben sie die Quarantänezeit hinter sich gebracht, ziehen die Rumänen in eigens angeschaffte Wohncontainer, sodass ihre bisherige Unterkunft für Neuankömmlinge frei wird. Denn Ende April erwarten die Mertins 20 weitere, Anfang Mai dann noch einmal 30 Erntehelfer – wenn alles läuft wie geplant. Eine stattliche Anzahl, die trotzdem nicht ganz reichen wird, weiß Westhoff: „Eigentlich benötigen wir in der Spitzenzeit 125 Helfer.“

Ein großer Teil der Erdbeeren wächst nicht in Hochbeeten, sondern auf dem Boden. Das macht das Ernten nicht einfacher.

Ein großer Teil der Erdbeeren wächst nicht in Hochbeeten, sondern auf dem Boden. Das macht das Ernten nicht einfacher. © Michael Schuh

Da noch vor Kurzem gar nicht abzusehen war, ob überhaupt Saisonarbeiter eintreffen würden, hatten sich die Mertins – wie viele andere Landwirte auch – zudem um deutsche Helfer gekümmert. Mit Erfolg, sagt Westhoff: „Es haben sich mehrere Hundert beworben.“

Allerdings seien längst nicht alle Bewerber für den Job prädestiniert gewesen, fährt die Buchhalterin fort: „Viele waren Kurzarbeiter, die nicht allzu viel dazuverdienen dürfen. Sie eignen sich ebenso wenig wie 450-Euro-Jobber.“ Denn angesichts der neunstündigen Schichten auf dem Feld sei es wenig sinnvoll, die Belegschaft regelmäßig auszutauschen.

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Letztlich brachten einige Bewerber aber doch die nötigen Voraussetzungen mit, einer von ihnen ist Marvin Marlon Homann. Der 30-jährige Dortmunder studierte Soziologie, Politik sowie Philosophie und war zuvor als Sozialarbeiter unter anderem in Berlin-Neukölln tätig.

„Ich habe schon in den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet, mag es aber nicht, unnötige Dinge zu tun“, erzählt der kräftige Mann mit dem Vollbart. „Als ich dann davon hörte, dass es einen Engpass im Lebensmittelbereich gibt, hielt ich diese Arbeit für sinnvoll.“

Abends fällt man ins Bett

Wenn man sich einmal dran gewöhnte habe, sei es in vielen Bereichen eine gute Tätigkeit, sagt der 30-Jährige: „Man ist an der frischen Luft und hat Bewegung.“ Allerdings besitze das Ernten auch seine Schattenseiten: „Es ist ziemlich hart. Abends fällt man nur noch ins Bett.“

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