Erste Tiny-House-Siedlung NRWs könnte in Dortmund entstehen

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Viele Deutsche wollen sich beim Wohnen verkleinern – „Tiny Houses“ liegen im Trend. Doch bisher fehlen passende Bauflächen. In Dortmund könnte der Traum vom Mini-Eigenheim bald wahr werden.

Dortmund

, 02.04.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Franziska Böhmers Aussicht lässt ziemlich zu wünschen übrig: Durch die Fensterfront ihres nur 40 Quadratmeter kleinen Hauses blickt die Dortmunderin auf einen Parkplatz und die Rückseite eines Parketthandels in Barop. Doch Böhmer kann das verschmerzen, schließlich ist das Haus im Gewerbegebiet an der Rosemeyerstraße nicht ihr Wohnsitz, sondern lediglich ihr Vorzeigeobjekt, auf neudeutsch ihr „Showroom“.

Die Firma der 47 Jahre alten Juristin, „Green Spaces“, bietet so genannte „Tiny Houses“ an. Ihre kleinen Bungalows bieten auf 40 Quadratmetern alles, was man zum Leben braucht: ein Schlafzimmer, ein Wohnbereich mit eigener Küche, ein abgetrenntes Bad. „Wir haben jede Menge Interessenten“, sagt Böhmer. Doch bisher hat sie kein einziges Haus verkauft.

Seit einigen Jahren ist das „Tiny House Movement“ eines der heißen neuen Dinger in der Wohnbranche. Geboren in den USA, propagiert die Bewegung das Leben in Mini-Häusern, nicht nur weil das weniger kostet, sondern auch, weil es Platz spart in zugebauten Städten und ökologisch nachhaltiger ist als große Eigenheime. Es gibt nur ein Problem: „Es fehlen geeignete Baugrundstücke in Deutschland“, sagt Unternehmerin Böhmer.

Tiny-House-Beschluss kam „total überraschend“

Das könnte sich nun ändern - und zwar in Dortmund. Dort hat die Lokalpolitik Mitte März von der Öffentlichkeit unbemerkt ein Pilotprojekt gestartet: Der Wohnausschuss beauftragte am 20. März mit großer Mehrheit die Stadtverwaltung, auf einem geplanten Neubaugebiet in Sölde Flächen für „Tiny Einfamilienhäuser“ zu planen. Damit folgte der Ratsausschuss einer Empfehlung der Bezirksvertretung Aplerbeck vom Vortag.

„Das kam total überraschend“, sagt Gerald Kampert, „ist aber gleichzeitig eine Steilvorlage.“ Der Stadtplaner leitet seit Anfang des Jahres die städtische Tiny-House-Kampagne „Kleine Häuser, großes Leben“. Diese war ursprünglich nur dazu gedacht, die Stadtöffentlichkeit auf den neuen Wohntrend aufmerksam zu machen.

Doch dann griffen die Aplerbecker Grünen das Vorhaben in der Bezirksvertretung auf – und 24 Stunden später gab es ein echtes Neubaugebiet, auf dem das Planungsamt nun eine Tiny-House-Siedlung planen kann.

Das nur 16.000 Quadratmeter große Gebiet grenzt westlich an die Emschertal-Grundschule in Sölde. Auf ihm liegt der seit Jahren aufgegebene Sportplatz der Schule, gegen den einst ein Anwohner erfolgreich geklagt hatte.

Als es nötig wurde, die maroden Turnhallen des Schulkomplexes durch einen modernen Neubau zu ersetzen, sollte dort ursprünglich ein klassisches Wohngebiet mit 16 Doppelhaushälften entstehen – bis zum Richtungswechsel der Politik.

Platz für 20 bis 30 „Tiny Houses“

Kampert schätzt, dass das Neubaugebiet Platz hat für 20 bis 30 „Tiny Houses“. „Ein klassisches freistehendes Einfamilienhaus braucht etwa 400 Quadratmeter“, sagt er. „Für Tiny Houses reichen hingegen etwa 150 Quadratmeter.“

Wie die Siedlung genau aussehen soll, wird der Bebauungsplan vorgeben, den das Planungsamt nun ausarbeitet. Dabei betreten Kampert und seine Kollegen Neuland: „Alles ist denkbar, von einem Gemeinschaftsküchen- bis hin zu einem Gästehaus.“

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2022 könnten die ersten „Tiny Houses“ in Dortmund stehen

Bis der Bebauungsplan steht, werden laut Kampert noch ein, eher zwei Jahre vergehen. Sollte der Rat ihm zustimmen, würde es nochmal etwa ein Jahr dauern, bis die Infrastruktur steht. 2022 könnten also in Sölde die ersten Tiny-Häuser stehen.

Es wäre wohl die erste offizielle Siedlung ihrer Art in NRW, wenn nicht gar in Deutschland. Zwar gibt es auch im münsterländischen Warendorf Bestrebungen, eine Tiny-House-Siedlung aufzubauen, aber: „In Warendorf suchen sie noch nach einem Baugebiet. Wir haben das schon.“

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