Einen solchen Taser setzte die Polizei Dortmund jetzt erstmals ein. © dpa
Polizei-Projekt

Erster Taser-Einsatz: Der „unwahrscheinliche Fall“ ist sofort eingetreten

In Dortmund hat ein Polizist erstmals einen Taser abgeschossen – auf einen Hund. Das Tier hatte sich laut Polizei aggressiv verhalten. Mehrere Dinge fallen an dem Einsatz auf.

Mitte Januar hatte die Polizei den testweisen Einsatz von Distanzelektroimpulsgeräten (DEIG), bekannt als Taser, angekündigt. Seitdem stand die Frage im Raum, wie die neue Waffe erstmals eingesetzt werden würde.

Am Samstagabend (23.1.) wurde diese Frage beantwortet. Beamte wehrten bei einem Einsatz am Irmigweg in Brechten den Angriff eines aggressiven Rottweilers ab. Die Elektroschock-Pistole wurde zweimal abgefeuert, nachdem ein erster Schuss wirkungslos geblieben war.

Taser-Einsatz außerhalb der Nordstadt

Zwei Dinge fallen an dem Einsatz auf. Die Polizisten setzten den Taser in Brechten und damit außerhalb der Nordstadt ein. Die Testphase der neuen leichten Waffe ist eigentlich auf den Einsatzbereich der Wache Nord begrenzt.

Wenn für einen Bezirk zuständige Kräfte einer Wache gebunden sind, übernehmen andere Wachen Einsätze, erklärt Polizeisprecherin Kristina Purschke dazu. Dies war am Samstagabend der Fall.

Der Einsatz eines Tasers könne so auch an einem Ort außerhalb der Nordstadt notwendig werden. Mit den Tasern ausgerüstet seien nur geschulte Beamte der Wache Nord. In der Nordstadt gab es bisher laut den Polizeiberichten einen angedrohten Taser-Einsatz an der Albertstraße.

Dass das Pilotprojekt ausschließlich im Bereich der Wache Nord stattfinden sollte, hatte der Polizei im Vorfeld Kritik eingebracht, unter anderem von der Ratsfraktion der Grünen. Polizeipräsident Gregor Lange hatte daraufhin die Strategie noch einmal öffentlich verteidigt.

Einsatz gegen Tiere war als „unwahrscheinlich“ bezeichnet worden

Die zweite Auffälligkeit in Brechten: Die Taser-Benutzung bei aggressiven Tiere war bei der Vorstellung des Dortmunder Pilotprojekts von der Landespolizeidirektion als „unwahrscheinlich“ bezeichnet worden, weil bewegliche Ziele schwer zu treffen seien.

Nun ist der unwahrscheinliche Fall direkt beim ersten Einsatz eingetreten. „Es ist situationsabhängig“, sagt Kristina Purschke. Im Fall in Brechten habe ein Beamter bereits einen Sprung des Tieres mit dem Knie abgewehrt und dann den Taser abgeschossen.

Hunde-Halter wurde festgenommen

Die Polizei war wegen Streitigkeiten unter mehreren Personen zur Wohnung gerufen worden.

Dort wurde der alkoholisierte und aggressive 36-jährige Halter des Hundes festgenommen. Fünf Streifenwagenteams waren zwischenzeitlich vor Ort.

Laut Polizeisprecherin Kristina Purschke sei der Hund nach der fünfsekündigen Stromzufuhr durch die Elektroden im Rückenbereich zu Boden gefallen. Wegen der kurzzeitigen neuro-muskulären Lähmung habe das Tier gekrampft. Dabei habe er Körperflüssigkeiten verloren.

Wirkung der Elektroschocks ließ nach fünf Sekunden nach

„Nach fünf Sekunden hat die Wirkung nachgelassen. Der Hund ist, davon sichtlich beeindruckt, weggelaufen“, sagt Kristina Purschke.

Die Einsatzweise und die Stromstärke des Tasers unterscheide sich nicht von der bei einem menschlichen Ziel.

„Da wir das Verletzungsbild auf beiden Seiten minimieren konnten, bewerten wir den Einsatz als erfolgreich“, so die Polizeisprecherin.

In sozialen Medien schwanken die Reaktionen zwischen allgemeiner Kritik am neuen Einsatzmittel der Polizei und einer positiven Einschätzung des Einsatzes. Schließlich sei in vielen solcher Fälle sonst eine Schusswaffe gegen den Hund eingesetzt worden, lautet ein häufig genanntes Argument.

Noch keine Erfahrungswerte zur Wirkung

Über den Zustand des Hundes hat die Polizei keine Informationen. „Wir sammeln Erfahrungswerte zur Wirkungsweise bei Menschen und auch Tieren“, sagt die Polizeisprecherin.

Elektroschocks lösen nach Einschätzung von Tierärzten bei Hunden je nach Alter und Gesundheitszustand große Schmerzen und möglicherweise Folgeschäden aus. Die private Nutzung von elektronischem Impulsen für die Hundeerziehung ist nach dem Tierschutzgesetz verboten.

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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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