Autos haben jetzt eine Spur weniger, Fahrräder eine mehr – so sieht es aus am Dortmunder Sonnenplatz. © Althoff
Radschnellweg RS1

Erstes Stück Fahrradstraße in der Innenstadt fertig – schon gibt es Kritik

Fahrräder haben Vorfahrt – so wird es sein auf dem Radschnellweg Ruhr (RS1). Die ersten 500 Meter auf Dortmunder Stadtgebiet sind jetzt fertig. Und schon gibt es heftige Kritik.

Die Baustelle ist weitergezogen. Zwei kleine Stücke des Radschnellwegs Ruhr sind freigegeben. Wenn der RS1 irgendwann einmal fertig ist, wird er Duisburg und Hamm verbinden. Während die Strecke andernorts weit weg vom Autoverkehr über eigene Trassen führt, ist das in Dortmund nicht möglich.

Hier verläuft die Strecke durch bebautes Gebiet, durch die südliche Innenstadt. Wer aus Westen kommt, lässt die Schnettkerbrücke hinter sich, umkurvt den Südwestfriedhof, biegt ein in die Große Heimstraße, dann am Ende rechts in die Sonnenstraße und über die Möllerbrücke und zwei neu gebaute Brücken weiter bis zum Stadthaus.

80 Zentimeter mehr, aber viele Parkplätze weniger

Die Möllerbrücke ist das Nadelöhr. Zugleich der einzige Ort, an dem Radfahrer vielleicht noch vor einer roten Ampel warten müssen. Überall sonst haben sie Vorfahrt auf dieser ersten Fahrradstraße im innerstädtischen Bereich in Dortmund.

Die Sonnenstraße zwischen Arneckestraße und Möllerbrücke ist nun etwas breiter. © Stadt Dortmund © Stadt Dortmund

Zwischen Arneckestraße und Möllerbrücke ist die Sonnenstraße nun 5 Meter breit, nicht mehr 4,20 Meter. Der Effekt für Radfahrer: mehr Platz und Sicherheit, wenn ein Auto überholt. Der Effekt für Anwohner: weniger Parkplätze, weil der Bürgersteig enger ist.

Fahrräder bekommen eine eigene Spur

Parallel zum Sonnenplatz bleiben die Parkplätze zwar erhalten. Doch auf der Straße haben die Autos weniger Raum. Gab es vorher eine Links- und eine Rechtsabbiegespur, hat der motorisierte Verkehr nun nur noch eine Spur.

Daneben, rot eingefärbt: die Strecke für Fahrräder, die als einzige Verkehrsteilnehmer auch geradeaus fahren dürfen.

Auch vor die wartenden Autos dürfen sich Fahrräder stellen. „Die flächige farbliche Markierung signalisiert allen Verkehrsteilnehmenden, dass sie hier besonders achtsam sein müssen“, so Sylvia Uehlendahl, die Leiterin des städtischen Tiefbauamtes.

Deutliche Kritik an der Umsetzung

Heftige Kritik an dieser Umsetzung kommt unter anderem von Ratspolitikern, etwa von Sonja Lemke (Fraktion Linke/Piraten) und Olaf Schlösser (Die Partei). Der Tenor: Ein bisschen Farbe reiche nicht aus für solch eine Fahrradstraße. Zudem: „Hauptsache, das Baustellenschild ist 15 Quadratmeter groß.“

Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad hat einen anderen Kritikpunkt – zumal die Umsetzung nun den Plänen entsprechen würden, die ja nun schon lange veröffentlicht seien. Fricke widmet sich eher der Rundkante auf der Kreuzung Sonnenstraße/Große Heimstraße.

Runde Kante eine Stolperfalle?

Damit sofort deutlich ist, wer hier ab sofort Vorfahrt hat, ist die gesamte Fahrbahn rot. Zudem gibt es einen abgesenkten Bordstein, der ist allerdings nicht gerade, sondern rund. Der Bordstein, findet Fricke, sei aber „zu hoch und darum eine Stolperfalle, auf die man auch noch in spitzem Winkel trifft“.

Die Vorbereitungen auf der Große Heimstraße laufen. Etwa vier Wochen werden die Arbeiten zwischen Sonnenstraße und Neuer Graben dauern. © Althoff © Althoff

Direkt daneben gebe es eine weitere „Stör- und Gefahrenquelle: die Querparkplätze am Südrand des Sonnenplatzes“. Es sei eine „Grundsatzfrage, wie viele Parkplätze ein Radschnellweg verträgt“, so Fricke. Auf der Große Heimstraße indes fallen einige Parkmöglichkeiten weg.

Wer auf dem RS1 ist, hat Vorfahrt

Das betrifft zwar nicht die vielen Buchten – und auch die meisten Parkplätze parallel zur Fahrbahn werden erneut eingezeichnet. Doch die Stadt stellt klar: „Parken auf der Fahrbahn ist nicht gestattet.“ Wurde das Abstellen an den Baumscheiben bisher noch geduldet, soll das auf dem RS1 nicht mehr so sein.

Denn nichts soll den Verkehrsfluss auf dem Radschnellweg aufhalten. Deshalb haben alle, die auf dem RS1 unterwegs sind, Vorfahrt. Am Neuen Graben wird die Ampel wegfallen. Rechts vor links gilt dann nirgendwo mehr.

Arbeiten sollen bis Oktober 2021 gehen

Autos müssen sich den Fahrrädern unterordnen, müssen beim Überholen extrem vorsichtig sein, dürfen maximal 30 km/h fahren. Radfahrer dürfen nebeneinander radeln.

In den nächsten vier Wochen ist der Abschnitt zwischen Sonnenstraße und Neuer Graben dran. Bis Oktober 2021 will man die komplette Strecke bis Wittekindstraße in eine Fahrradstraße verwandelt haben. Die Kosten von rund 750.000 Euro übernimmt mehrheitlich das Land NRW.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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