Der Start in den Distanzunterricht an Schulen ist für viele Schüler nicht reibungslos verlaufen. © Archiv
Schulen im Lockdown

„Es ging gar nichts“: Homeschooling startet in Dortmund mit Problemen

Beim Start in den Digitalunterricht an Dortmunder Schulen gibt es Probleme. In ganz Deutschland waren die Server einer großen Lernplattform überlastet. Die Probleme dauern an.

Die Mehrheit der rund 80.000 Schüler in Dortmund lernt bis mindestens Ende Januar von zuhause aus. Zum Start am Montag (11. Januar) war das aber vielen nicht möglich.

Die Server mehrerer Plattformen waren am Morgen überlastet, weil zu viele Schüler und Schulen gleichzeitig zugriffen. In sozialen Netzwerken berichteten Lehrer und Eltern etwa von Problemen mit den Anbietern Moodle und IServ.

Technische Probleme, weil alle gleichzeitig auf Server zugreifen

Kerstin Borghoff, Leiterin der Winfried-Grundschule an der Ruhrallee, sagt: „Als alle versucht haben, etwas hoch- oder runterzuladen, ging gar nichts.“ Von anderen Dortmunder Schulen gibt es ähnliche Berichte.

Als Problem stellte sich vor allem die Videochat-Funktion heraus. Teilweise fielen geplante Unterrichtsstunden aus. Für Schulen gibt das Unternehmen IServ deshalb die Empfehlung, den Beginn des Distanzunterrichts über die Klassen zu verteilen, damit nicht alle gleichzeitig auf den Server zugreifen.

Eine Dortmunder Lehrerin berichtet von einer geplanten Videokonferenz im Kollegium, die wegen der Technik-Probleme abgesagt werden musste.

Stadtsprecherin Katrin Pinetzki teilt auf Anfrage dieser Redaktion mit, dass am Montagmorgen 8 von 88 Schulen, die IServ nutzen, Probleme meldeten, die schnell behoben worden seien.

Acht Schulen entsprechen einer Zahl von rund 1000 Schülerinnen und Schülern.

Einige Schulen berichten auch von einem erfolgreichen Start

Gleichzeitig gibt es aber auch Schulleiter, die von einem erfolgreichen Wiederbeginn berichten. „Wir hatten schon frühzeitig mit den Schülern und Eltern Entscheidungen getroffen und waren deshalb gut vorbereitet“, sagt Jörg Skubinn, Leiter der Marie-Reinders-Realschule im Stadtteil Hörde.

Seine Schule nutze Microsoft Teams für die Kommunikation, hier lief alles zum Start problemlos. Schüler und Lehrer seien zudem noch vor den Ferien mit Leihgeräten ausgestattet worden.

Es gibt außerdem mehrere positive Stimmen von Eltern. Eine Erkenntnis des ersten von mindestens 15 Distanz-Schultagen: Die Stabilität hing offenbar auch davon ab, welches System die Schulen nutzen.

Martin Heiming, Leiter des Anna-Zillken-Berufskollegs, spricht von Problemen beim Anbieter Nextcloud, die sich den ganzen Vormittag über nicht stabilisiert hätten. „Teilweise haben Studierende Lösungen zurückgemeldet, andere konnten nicht zugreifen. Es liegt laut unseren IT-Spezialisten an der Infrastruktur gesamt in Deutschland, wenn alle Homeoffice machen und zuhause Distanzunterricht.“

Technische Ausstattung ist nach wie vor an einigen Schulen nicht ausreichend

Ein Problem ist nach wie vor die technische Ausstattung von Schülern und Lehrern. Kerstin Borghoff sagt für die Winfried-Grundschule in der Innenstadt: „Wir haben alles angemeldet, aber es sind noch nicht alle Lehrer und bedürftigen Schüler mit mobilen Geräten ausgestattet.“

Teilweise müssten Aufgaben deshalb immer noch per Post in die Familien gebracht werden.

Schule im Lockdown-Modus führt deshalb auch zu ungewöhnlichen Arbeitssituationen. So fahren Lehrer für den Distanzunterricht in die Schulen, weil der Partner zuhause die Internet-Kapazität im Homeoffice braucht. Eltern wiederum können nicht wie gewohnt von zuhause arbeiten, weil die Teenager das W-Lan beanspruchen.

Ein Teil der Schüler ist in der Notbetreuung in den Schulen

Für einen Teil der Dortmunder Schüler hat das neue Jahr ohnehin in den Klassenräumen begonnen. Für die Klassen 1 bis 6 gibt es an allen Schulen eine Notbetreuung. An der Winfried-Grundschule nutzten diese Möglichkeit am Montag rund 45 der 197 Schüler. An der Marie-Reinders-Realschule waren sieben Personen aus zwei Jahrgängen in der Notbetreuung.

Die Schulen gestalten den Unterricht unterschiedlich. Manche arbeiten nach Stundenplan, andere nur in Hauptfächern. Die Betreuung vor Ort übernimmt zum Teil das Personal aus der Ganztagsbetreuung, zum Teil Lehrer.

Schulleiterin rechnet mit steigendem Bedarf nach Notbetreuung

Die Kinder lernen in festen Gruppen von maximal 15 Personen. In manchen Schulen werden die für den Distanzunterricht vorbereiteten Aufgaben erledigt, in anderen nicht. Eine verlässliche Zahl, wie viele Kinder in der Notbetreuung liegt der Stadt Dortmund laut Sprecherin Katrin Pinetzki nicht vor.

Kerstin Borghoff rechnet mit einem „steigenden Bedarf“. Viele Eltern würden alles versuchen, um eine Betreuung hinzubekommen. „Aber es ist manchen einfach nicht möglich. Wir müssen auch sehen, welche Kinder bei uns besser aufgehoben sind, etwa, weil es zuhause mehrere Geschwister gibt, die auch im Distanzlernen sind“, sagt die Schulleiterin.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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