In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

Es war ein Albtraum, aber zumindest kein Heiratsantrag

Viele Menschen werden in Beziehungen zu Romantikern. Unsere Autorin kann das nicht nachvollziehen. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Romantik wird in vielen Beziehungen großgeschrieben. Vielleicht ist genau das der Grund, wieso ich nicht vermittelbar bin. Partnerschaft und Liebe hin oder her, dieser gesamte Romantik-Kram ist für mich ein absolutes No-Go.

Es war ein Albtraum, aber zumindest kein Heiratsantrag

Ein Mann in einem Zimmer voller Kerzen mit einem Strauß Rosen in der Hand, der mir eine Liebeserklärung vorgaukelt – das ist ein absolutes Horrorszenario in meinem Kopf. Und genau diese grausame Vorstellung hat mein Ex-Freund wahr werden lassen.

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Ruhr Nachrichten /Hellweger Anzeiger

Ich kam damals gerade von der Arbeit und ging nichtsahnend in mein Zimmer. Dort stand mein Ex-Freund – nennen wir ihn Maximilian – mit einem großen Strauß Rosen in der Hand. Er strahlte mich an als hätten wir uns seit Jahren nicht mehr gesehen.

Nach dieser Beschreibung denken die Meisten sicherlich, dass er mir einen Heiratsantrag machen wollte. Diese Befürchtung hatte ich im ersten Moment auch, aber das war – Gott sei Dank – nicht der Fall. Manchmal bin ich zwar schwer von Begriff, aber für einen Antrag fehlten damals die Frage aller Fragen und der Ring.

Bitte keine Liebeserklärungen, Rosen und Kerzen

Seine Intention hinter dem ganzen Aufwand war es einzig und alleine, mir zu sagen, dass er mich liebt. Da wir zu diesem Zeitpunkt knapp ein Jahr zusammen waren, war mir diese Tatsache auch schon zuvor bewusst. Dafür hätte er diesen Firlefanz nicht betreiben müssen.

Es war eine Liebeserklärung, die in einem Film von Nicholas Sparks hätte spielen können – viel zu kitschig und Auslöser meines anschließenden Würgereizes.

Zudem war seine herunter gesprochene Rede nicht besonders einfallsreich. Sie hätte tatsächlich für einen Liebesfilm genutzt werden können, weil sie nichtssagend war und rein gar nichts mit unserer Beziehung zu tun hatte.

Die roten Rosen waren auch ein Beweis dafür, wie schlecht er mich eigentlich kannte. Ich weiß zwar, dass sie bereits seit der Antike als Liebespflanze gelten, schön finde ich sie dennoch nicht.

Mit den Kerzen hat er ebenso nicht ins Schwarze getroffen. Ihr einziger „Nutzen” war, dass das ganze Haus nach Vanille stank und sich das Zimmer auf gefühlte 50 Grad erwärmte.

Lieber ein Romantik-Grinch bleiben, als sich verstellen zu müssen

Für viele Menschen werden sich meine Worte fürchterlich gemein anhören. Ich kann aber nichts dafür, dass ich ein absoluter Romantik-Grinch bin.

Ich habe häufig das Gefühl, dass Singles in der Regel nicht romantisch sind. Erst ihre Beziehung macht sie zu Romantikern. Situationen, die in fremden Beziehungen noch als „kitschig” und „übertrieben” abgestempelt wurden, sind in der eigenen plötzlich „super süß” und „ein klares Zeichen für die wahre Liebe”.

Woran das liegt, kann ich mir nicht so ganz erklären. Vielleicht an den Schmetterlingen im Bauch? Oder weil Menschen glauben, sie müssten in Beziehungen die Romantik-Karte spielen?

Jedenfalls hat dieser Wandel bei mir nie stattgefunden. Ich bin auch in meiner ehemaligen Beziehung ein Romantik-Grinch geblieben und fühle mich bis heute ganz wohl in meiner Rolle.

Falls man nämlich einfallslose Liebeserklärungen und langweilige Blumen toll finden muss, um eine Beziehung führen zu können, bleibe ich lieber Single. Ich bin nämlich eine grauenhafte Schauspielerin.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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