Erst Ledigenheim, dann Seniorenheim: Evinger kehrt an seinen alten Wohnort zurück

mlzDortmund historisch

In den 50ern im Wohnheim für Ledige, Jahrzehnte später im Seniorenheim: Ulrich Kneisel wohnte (und wohnt) viele Jahre am Süggelweg. An einen Bewohner hat er besonders gute Erinnerungen.

von Tobias Weskamp

Eving

, 06.01.2020, 08:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man könnte sagen, dass sich der Kreis schließt: In jungen Jahren wohnte Ulrich Kneisel in einem Wohnheim für Ledige in Eving. Jetzt steht an derselben Stelle das Awo-Seniorenheim Süggelweg, in dem Kneisel heute lebt.

Jahrzehnte lang war Kneisel auf der Zeche

Gearbeitet hat Kneisel als Bergmann auf Zeche Minister Stein. „Seit meinem 17. Lebensjahr war ich auf Zeche“, erinnert sich der gebürtige Dortmunder. Im Krieg wurde die Familie in ein kleines Dorf bei Soest evakuiert. Nachdem er eine Lehre zum Elektriker absolviert hatte, ging es an die Zeche.

Dass Kneisel Bergmann wurde, war die Schuld seines Vater, wie er erzählt. „Ich war in meiner Jugend etwas faul und mein Vater sagte: ‚Wenn das so bleibt, kommst du an die Schüppe.‘ So ist es dann auch gekommen“, erinnert er sich schmunzelnd.

Im Bergbau hat sich Kneisel aber schnell Mühe gegeben und kam voran. Später wurde er Reviersteiger.

Sehr einfache Einrichtung

Gewohnt hat Kneisel in der Anfangszeit, als er noch zur Bergbauschule ging - etwa ab 1953 -, in einem Wohnheim für Ledige. Dieses wurde an der Stelle errichtet, an der heute das Seniorenheim Süggelweg steht.

Die Zimmer waren sehr spartanisch eingerichtet, erinnert sich Kneisel. „Sie waren sparsam möbliert. Neben einem Bett gab es einen Tisch und zwei Stühle.“

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Besonders unpraktisch war die karge Möblierung beim Lernen. „Für meine Schularbeiten musste ich immer alles von meinem Tisch runterräumen und auf das Bett legen.“ Besonders schlimm war es bei Zeichnungen. „Oft hatte ich dann Margarineflecken darauf“, ärgert er sich noch heute.

Immer gutes Verhältnis untereinander

Was Kneisel dagegen besonders gut in Erinnerung hat, war die gute Kameradschaft unter den Bewohnern. „Wir haben uns alle gut verstanden und es gab kaum Reibereien“, erzählt er von der Zeit. Generell hatte er damals sehr gute Freunde. „Viele haben aber in der Umgebung gewohnt.“

Ein großer Teil von Kneisels Freunden waren Bergarbeitersöhne. „Einige von ihnen hatten schon Autos und nahmen mich des Öfteren mit“, erinnert er sich. Trotz der einfachen Einrichtung hat sich Kneisel im Wohnheim aber immer wohlgefühlt.

Das Essen war spartanisch

Das Essen im Wohnheim hat Kneisel dagegen in weniger guter Erinnerung. Es gab nur eine offizielle Mahlzeit: den Mittagstisch. In der Kantine stellte sich jeder mit seinem Teller an und bekam dann Suppe, Fleisch oder was es gab aus einem großen Kessel. Danach setzte sich jeder an einen freien Platz und aß.

Die große Kantine war gleichzeitig der Aufenthaltsraum. In einer Ecke stand ein Fernseher. „Um den saßen viele Bewohner am Abend zusammen.“

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Der Kontakt hielt immer

Einen Bewohner des Wohnheims hat Kneisel aber in ganz besonders guter Erinnerung: seinen Zimmergenossen. „Er hieß Heinz Hartung. Er war ein einfacher Mann und hatte ein Herz für alle“, erinnert sich Kneisel mit Tränen in den Augen. „Er hat jedem geholfen, der ihn um Hilfe bat. Besonders oft hat er Geld verliehen. Er war unheimlich bescheiden.“

Später zog Kneisel in eine eigene Wohnung und heiratete auch. Der Kontakt zum Wohnheim riss aber nie ab. Einige seiner Freunde wohnten noch dort. Nach etwa 20 Jahren wurden in dem Haus Wohnungen für Bergleute eingerichtet, zu denen Kneisel ebenfalls Kontakt hatte. „Nebenbei“ war er auch noch Vorsitzender des Evinger Geschichtsvereins und im Ring Deutscher Bergingenieure aktiv.

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Zurück an den alten Wohnort

Nachdem Kneisels Frau gestorben und er selbst krank geworden war, kam er erst in verschiedene Wohnheime im Sauerland. „Ich wollte aber das Hin und Her nicht und entschied mich schließlich bewusst dafür, in das Seniornheim am Süggelweg zu ziehen.“

Kneisel gefällt es hier. „Das Heim ist viel komfortabler, als es das Wohnheim war“, lobt er. „Außerdem bin ich ein Mensch, der immer gerne mit anderen zusammenlebt.“

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