Evinger wollen Schlangenkunst-Schrott auf Grünem Platz loswerden - dürfen aber nicht

mlzPosse um Kunstskulptur

Es war wohl mal Kunst, das, was jetzt auf dem Grünen Platz in Eving nur noch Schrott ist. Viele würden den gerne weg haben, sogar selbst wegräumen. Aber so einfach ist das nicht.

Eving

, 27.02.2019, 18:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Mai 2018 haben die Bezirksvertreter beschlossen, mit der Verwaltung Tacheles zu reden. Der Schrott, der mal Kunst war, ist aber immer noch am Grünen Platz. Dabei würden einige gerne anpacken.

Bezirksbürgermeister Oliver Stens wäre bereit: „Das mach‘ ich zu einem Event,“ sagt der Mann. Man glaubt ihm jedes Wort. Für Bier werde er sorgen: „Das zahl‘ ich,“ sagt er. Es gebe sicher genug Evinger, die mit anpacken würden, davon ist er überzeugt.

Er ist bereit dafür zu sorgen, dass die steinerne Schlange, die irgendwann vor vielen Jahren mal ein Kunstwerk war, aber längst einfach nur noch Schrott ist, endlich vom Grünen Platz im Ortskern verschwindet. Es sieht aus wie eine Ansammlung schiefer Gesteinsbrocken, mit viel Moos, Kaugummi und Taubenkot.

Der Künstler ist nicht mehr auffindbar

Vor knapp einem Jahr, im Mai vergangenen Jahres, beschäftigten sich die Evinger Bezirksvertreter mit dem einstmals vierteiligen Kunstwerk, das angeschafft worden war, um den Grünen Platz zu verschönern. 2018 war man sich einig: Das arg in Mitleidenschaft gezogene Kunstwerk muss weg.

Was einfach klingt, ist kompliziert: Es ist Kunst, also gibt es einen Künstler, und es wurde mit öffentlichen Geldern gefördert, was eigentlich immer an Bedingungen geknüpft ist.

Eine Mitarbeiterin der städtischen Verwaltungsabteilung „Kunst im öffentlichen Raum“ habe viel Energie darauf verwendet, nach dem Künstler oder der Künstlerin zu suchen, teilt die Stadt auf eine entsprechende Anfrage mit, „aber letztlich ohne Erfolg“.

Inzwischen ist die Suche ganz offiziell eingestellt: In der Datenbank zur „Kunst im öffentlichen Raum“ taucht die steinerne Schlange auch gar nicht mehr auf, teilt die Stadt mit. Die Arbeit sei offenbar heillos zerstört, heißt es in einer Antwort der Stadt zum Thema.

Die entscheidende Frage: Darf das weg oder muss das bleiben?

Der Anblick der Steinsbrocken lässt auch keinerlei andere Interpretation zu: Die Segmente des ehemals vierteiligen Werks sind schon länger dem Verfall preisgegeben, die einst darauf befindlichen Mosaike schon lange kaputt. Genau dieser Zustand ist es, der bei den Bezirksvertretern den Beschluss hat reifen lassen, dass etwas geschehen muss.

Die Frage ist: was? Und bei dieser Frage herrscht offenbar eine gewisse Ratlosigkeit, denn solange es seitens der Stadt kein grünes Licht für einen Abbau gibt, geht gar nichts.

Das Kunstwerk ist vor Jahrzehnten im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA) entstanden. Das war ein auf zehn Jahre angelegtes Zukunftsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen; Start war 1989. Im Rahmen des Programms gab es damals Fördermittel für die Neugestaltung des Grünen Platzes, die steinerne Schlange gehörte dazu.

Vielleicht darf der steinerne Schrott noch zehn Jahre nicht abgebaut werden

Die große Frage ist nun, wie lange seinerzeit an die Förderung die Bedingung geknüpft wurde, dass am Status quo nichts verändert werden darf. Selbst wenn man das wüsste, würde es nicht zwingend weiterhelfen.

Bezirksbürgermeister Oliver Stens: „Die Frist zum Ablauf der Fördermittel beginnt mit der Bezahlung der letzten Rechnung.“ Stens spricht in dem Zusammenhang von 2029. Das würde bedeuten, dass der steinerne Schrott noch zehn Jahre so liegen bleiben müsste, wenn nicht noch jemand eine andere Idee hat.

Der Bergmann wird den Platz bald verlassen

In Kürze wird aller Voraussicht nach die Bergmann-Statue den Platz verlassen. Auch schon seit fünf Jahren planen die Bezirksvertreter den Umzug des Denkmals. Der Zwei-Meter-Mann steht ebenfalls seit Jahren da. Sein Schicksal ist nicht ganz so erbärmlich wie das der Schlange.

Das Denkmal, das an das Schicksal der verunglückten Bergleute auf der ehemaligen Zeche Minister Stein erinnern soll, ist zwar auch massiv beschädigt, aber der Bergmann aus Bronze ist hart im Nehmen. Sein Umzug vom Grünen Platz hin zum südlichen Rand der Kreuzung Evinger Straße / Deutsche Straße ist beschlossene Sache, eine Restaurierung soll bis Sommer möglich sein.

Einen Termin konnte aber von den Verantwortlichen bisher niemand nennen.

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