Evingerin pflegt seit 30 Jahren eine Brieffreundschaft mit einer Frau aus Zwickau

mlzDeutsche Einheit

Der Mauerfall ist etwas länger als 30 Jahre her, die Deutsche Einheit wird nächstes Jahr 30. Und genauso lange besteht die Brieffreundschaft zwischen einer Evingerin und einer Frau aus Zwickau.

Eving

, 14.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist jetzt ziemlich genau 30 Jahre her, als die Stadt Dortmund kurz nach dem Mauerfall einen Aufruf an alle Dortmunder richtete: Sie sollten bitte Übernachtungsmöglichkeiten für Menschen aus der Partnerstadt Zwickau zur Verfügung stellen, die nun in den Westen reisen durften und vielleicht auch einmal einen Abstecher nach Dortmund machen wollten.

Die Evingerin Waltraud van Heek meldete sich. Letztlich kam es dann aber zu keiner Übernachtung, der Bedarf dafür war offenbar kleiner, als die Stadt damals erwartet hatte.

Schon nach wenigen Briefen auf einer Wellenlänge

Dafür gelang etwas anderes: Die Stadtverwaltung vermittelte der heute 71-jährigen Evingerin eine Brieffreundin, zu der der Kontakt noch immer besteht: seit 30 Jahren.

Steffi Richter heißt die Dame aus Zwickau (heute 67), mit der sich Waltraud van Heek schon nach wenigen Briefen bestens verstand. „Wir sind einfach auf einer Wellenlänge“, sagt sie, „zum Beispiel haben wir beide ein Faible für das Soziale“.

Steffi Richter arbeitete damals im Nachtdienst in einer Art Kinderpflegeheim, Waltraud van Heek in der Werkstatt über den Teichen. Auch für das Hospiz am Ostpark war sie unter anderem schon tätig. „Ich weiß noch, dass ich sie in der Anfangszeit unserer Freundschaft telefonisch nur auf der Arbeit erreichen konnte“, sagt Waltraud van Heek, „weil sie privat noch kein Telefon hatte – aber erst nach 22Uhr abends, wenn die Kinder in ihrem Heim schliefen.“

Evingerin pflegt seit 30 Jahren eine Brieffreundschaft mit einer Frau aus Zwickau

Die beiden Freundinnen aus Eving und Zwickau beim Essen im Garten – ein Foto von 1995. © van Heek

Schnell kam es zu einem ersten Besuch. Schon Ende Februar 1990 kam Steffi Richter mit Sohn Holger zu Waltraud van Heeks Geburtstag. „Sie waren damals begeistert über das Warenangebot hier im Westen, die U-Bahn oder den Fernsehturm“, erinnert sich die Dortmunderin. Das Kontrastprogramm folgte im April beim Gegenbesuch in Zwickau zum Geburtstag Steffi Richters.

Sie habe sich damals an ihre allerersten Kindheitseindrücke im nach dem Krieg noch teilweise zerstörten Dortmund Anfang der 50er-Jahre erinnert gefühlt, sagt Waltraud van Heek. Zwickau habe damals einen sehr maroden Eindruck gemacht - das hatte sich zehn Jahre später schon grundlegend geändert. Auch den Tag der Deutschen Einheit, den 3. Oktober 1990, verbrachten sie in Wernigerode im Harz zusammen. „Das war sehr bewegend“, sagt die Dortmunderin.

Evingerin pflegt seit 30 Jahren eine Brieffreundschaft mit einer Frau aus Zwickau

Steffi Richter mit Trabbi – ein Bild von 1995. © van Heek

In den Folgejahren unternahmen die van Heeks und die Richters viel gemeinsam. Und auch wenn die Freundinnen den guten alten Brief heute durch E-Mail und den Messenger-Dienst WhatsApp ersetzt haben, hat der Kontakt bis heute Bestand. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. Schon jetzt ist ein gemeinsamer Urlaub 2020 an der Nordsee geplant. Steffi Richters Mann Christian sei schließlich noch nie dort gewesen.

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