Experte macht Mut: „Die Innenstadt wird nicht komplett untergehen“

mlzKarstadt/Galeria-Kaufhof-Schließung

Selbst für Experte Marc Föhrer kam die Schließungsankündigung für Karstadt/Galeria Kaufhof in Dortmund überraschend. Doch er sieht nicht nur schwarz für die City.

Dortmund

, 19.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch wenn Warenhausschließungen Marc Föhrer heutzutage nicht wirklich überraschen, die angekündigte Schließung von Karstadt und Galeria Kaufhof am Standort Dortmund hatte auch er nicht auf der Karte. Der Dortmunder Stadtplaner gehört zur Geschäftsführung des bundesweit tätigen Beratungsunternehmens Stadt + Handel mit Sitz in Dortmund.

Eine Schließung in dieser höchst zentralen Lage auf dem Westenhellweg, mit so hoher Kundenfrequenz und zwei so großen, mehrgeschossigen Baukörpern würde Riesenlöcher in die Einkaufsmeile reißen. Die Verkaufsfläche wieder komplett mit Einzelhandel zu füllen, sei schwer vorstellbar, so sagt Föhrer: „Das wäre eine absolute Herausforderung.“

„Verdammt lange Prozesse“

Karstadt und Galeria Kaufhof zögen mit ihrem Angebotsformat für bestimmte Zielgruppen vor allem älteres Publikum an, das nun wegbreche und für das man nicht so schnell Ersatz finden werde. „Das sind verdammt lange Prozesse.“

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Wie lange eine Nachnutzung dauern könne, habe man am Karstadt-Technikhaus an der Kampstraße/Ecke Brückstraße gesehen. Zunächst habe eine sogenannte Trading-down-Welle eingesetzt mit Schnäppchenmarkt. Jetzt entstehen dort – nach Abriss des Gebäudes – Studentenapartments. Für die Innenstadt ein Gewinn; denn das bringt studentisches Leben in die City.

Corona ist der Brandbeschleuniger

Zu den aktuellen Schließungsankündigungen sagt der Experte: „Das ist ein beschleunigter Strukturwandel, den wir da sehen, und Corona ist der Brandbeschleuniger. Man kann gute Konzepte zur Attraktivität der Innenstadt entwickeln, aber nicht, wenn es so schnell geht.“

Doch Föhrer sieht die Innenstadt noch nicht veröden. Mit seiner stabilen Einzelhandelsstruktur könne Dortmund so eine Schließung „noch fast besser verkraften als andere Städte“. Auch wenn Karstadt und Galeria Kaufhof einen signifikanten Anteil an der Verkaufsfläche in der Innenstadt hätten, „wird die Innenstadt nicht komplett untergehen“.

Mehr als nur Einkaufslage

Denkbar sei, die Verkaufsflächen der beiden Warenhäuser im Erdgeschoss für Kundenfrequenz zu nutzen und die oberen Geschosse für andere Angebote wie zum Beispiel Fitness-Studios zugänglich zu machen, so Föhrer. Dabei werde die Herausforderung sein, die Mietpreisvorstellung von Vermietern und den nachnutzenden Mietern auf einen Nenner zu bekommen.

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Man könne den Schließungen von Karstadt und Galeria Kaufhof, sollten sie wirklich so kommen, zwar kaum Gutes abgewinnen, sagt Föhrer, doch die Dortmunder City mit ihrem großen Einzugsbereich und Gastronomieangebot biete mehr als nur Einkaufslage.

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