Experte zum Absturz: „Der Berg heißt auch Todesfelsen“

mlzHohensyburg

Am Wochenende musste die Dortmunder Feuerwehr mit Höhenrettern in Syburg anrücken. Zwei Frauen sind 60 Meter in die Tiefe gestürzt und saßen fest. Das sagen Kletter-Experten zu der Stelle.

von Alexandra Wachelau

Syburg

, 15.07.2020, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wanderer und Spaziergänger gehen gerne neue Wege. Am Wochenende hat so eine Wanderung allerdings mit einer aufwendigen Feuerwehrrettung geendet. Zwei Frauen sind am Denkmal der Hohensyburg abgestürzt und konnten sich nicht mehr von allein befreien. Das sagen erfahrene Wanderer zum Dortmunder Steilfelsen.

Schieferboden fördert Erosionen und Steinschlag

Dr. Jürgen Domjahn, erster Vorsitzender des Dortmunder Alpenvereins, ist vor rund 20 Jahren noch am Felsen geklettert. „Damals war das noch erlaubt“, erinnert er sich. Gerne würde er wieder an der Hohensyburg klettern.

Dr. Jürgen Domjahn ist erster Vorsitzender des Dortmunder Alpenvereins. Er unternimmt öfter Ausflüge in bergige Regionen, doch auch Dortmund hat seiner Meinung nach einiges zu bieten.

Dr. Jürgen Domjahn ist erster Vorsitzender des Dortmunder Alpenvereins. Er unternimmt öfter Ausflüge in bergige Regionen, doch auch Dortmund hat seiner Meinung nach einiges zu bieten. © Jürgen Domjahn

Doch die Gründe, die dagegen sprechen, klingen wenig verlockend: „Die Stelle ist wirklich steil. An den unbefestigten Stellen kann man leicht einen Steinschlag auslösen und abrutschen“, sagt Jürgen Domjahn.

Auf dem befestigten Serpentinenweg sei diese Gefahr zwar gering. Sobald aber der Weg verlassen wird, wird es gefährlich.

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„Abschneider“ nennt Jürgen Domjahn die Trampelpfade, mit denen Wanderer die Serpentinenwege am Berg abkürzen. Das ist nicht nur schlecht für Pflanzen und Tiere, sondern in manchen Bereichen regelrecht lebensgefährlich: „Das Gestein am Berg besteht aus Schieferplatten. Da lösen sich leicht die oberen Schichten ab“, sagt Domjahn.

Ein Schild des LWL rät unter anderem davon ab, die Wege zu verlassen – ein Rat, den auch erfahrene Wanderer nur ausdrücklich wiederholen können.

Ein Schild des LWL rät unter anderem davon ab, die Wege zu verlassen – ein Rat, den auch erfahrene Wanderer nur ausdrücklich wiederholen können. © Jörg Bauerfeld

Solche Erosionen betreffen nicht nur den Wanderer auf Abwegen, sondern auch die Personen, die sich weiter unten aufhalten und vom abrutschenden Gestein getroffen werden können.

Markierte Wege nicht verlassen

Laut der Dortmunder Feuerwehr kommt es am Hang immer wieder zu Einsätzen. „Der Berg wird auch Todesfelsen genannt“, bemerkt Jürgen Domjahn und verweist auf die Bezeichnung auf Google Maps.

Auch Karl-Heinz van Haut, Fachwart beim Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) Aplerbeck, rät davon ab, den Weg zu verlassen: „Es verlangt schon Konzentration, auf den steilen Pfad zu wandern.“ Er selbst erlaubt sich dabei keine Unachtsamkeiten: „Ein geübter Wanderer bekommt das gut hin.“ Blieben ungeübte Spaziergänger jedoch nicht auf dem Weg, wird es gefährlich. „Dafür werden die Wege von uns ja auch markiert“, sagt der Fachwart vom SGV.

Der Einsatz am Wochenende war selbst für die Feuerwehr außergewöhnlich.

Der Einsatz am Wochenende war selbst für die Feuerwehr außergewöhnlich. © Feuerwehr

Warum sich die Frauen am Sonntag (12. 7.) so weit von diesen gekennzeichnetem Weg entfernt haben, kann Karl-Heinz van Haut nicht nachvollziehen: „Der Weg ist zwar schmal, aber wenn man dicht zusammenbleibt, darf eigentlich nichts passieren“, sagt er.

Erste Hilfe, passendes Schuhwerk, nichts überschätzen

Jürgen Domjahn unternimmt seit Jahren Wanderungen und Klettertouren in den Alpen. „Das Unfallrisiko Nummer eins ist Herz-Kreislauf-Versagen“, sagt er.

Das läge in manchen Fällen auch daran, dass sich unerfahrene Wanderer und Bergsteiger gerne überschätzen. Laut Domjahn kann es gut sein, dass das auch an der Hohensyburg der Fall war: „Vor allem beim Abstieg sieht es nicht so steil aus, wie es wirklich ist“, sagt er.

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Doch haben Wanderer einmal den Weg verlassen, kann es schnell zu brenzligen Situationen kommen. An der Hohensyburg wird davor auch gewarnt.

Domjahn empfiehlt außerdem, ein Erste-Hilfe-Set mitzunehmen, wenn man wandern geht: „Selbst wenn es nur eine kleine Wunde ist, sollte man ausgerüstet sein“, sagt er.

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Dr. Jürgen Domjahn und Karl-Heinz van Haut sind sich einig: Der Ausblick am Berg ist fantastisch. In ganz Dortmund gibt es keine vergleichbaren alpinen Verhältnisse – und keine so steilen Wanderwege. „Man muss wirklich froh sein, dass nichts Schlimmes passiert ist und so schnell Hilfe da war“, sagt van Haut. Dem stimmt auch Jürgen Domjahn zu.

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