Expertin warnt: So krank macht unser Essen

Zusatzstoffe in Lebensmitteln

Die Supermarkt-Regale sind randvoll mit Fertigprodukten. Wer frisch kochen möchte, findet die Zutaten dafür eigentlich nur noch an der Obst- und Gemüsetheke oder am Ladentisch für Fleisch. Aber was steckt alles in Fertiggerichten und was können die gesundheitlichen Folgen sein? Expertin Saskia Turrek klärt auf, wie krank unser Essen macht.

DORTMUND

, 14.07.2015, 02:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wer im Supermarkt nicht einem Etikettenschwindel erliegen will, sollte nicht immer seinen Augen trauen. Hilfestellung gab der Europäische Gerichtshof. Er entschied am 4.6. 2015, dass keine Fotos von Vanille und Himbeeren auf einer Früchteteepackung abgebildet sein dürfen, wenn weder diese Zutaten noch deren Aromen im Tee enthalten sind. Foto: Uwe Anspach/dpa

Wer im Supermarkt nicht einem Etikettenschwindel erliegen will, sollte nicht immer seinen Augen trauen. Hilfestellung gab der Europäische Gerichtshof. Er entschied am 4.6. 2015, dass keine Fotos von Vanille und Himbeeren auf einer Früchteteepackung abgebildet sein dürfen, wenn weder diese Zutaten noch deren Aromen im Tee enthalten sind. Foto: Uwe Anspach/dpa

Wieso macht unser Essen krank - und vor allem was genau?

Bei Lebensmittelzusätzen sieht Saskia Turrek rot. Die 31-jährige leitet die Abteilung Ernährungsmanagement am Klinikum Westfalen. Sie selbst berät Patienten im Knappschaftskrankenhaus Brackel, dem größten Haus im Klinikverbund. Über Arbeitsmangel kann sie sich nicht beklagen: Je mehr industriell gefertigte und vorbehandelte Lebensmittel in den Regalen der Supermärkte landen, desto höher die Rate diverser Unverträglichkeiten. Die können zu Bauchschmerzen, Durchfällen oder schlimmeren Symptomen führen.

Kinder lieben Wassereis und Joghurt. Doch was bewirken die darin enthaltenen Farbstoffe im Körper?

Aktuell wird geforscht, ob diese Farbstoffe ADHS auslösen können, also das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, unter dem heute sehr viele Kinder leiden - aber nicht nur Kinder.

Ein anderer Zusatzstoff sind Aluminiumsalze. Was bewirken diese?

Sie stehen unter Verdacht, Demenz zu begünstigen - durch dauerhafte Ablagerungen im Gehirn. Diese Salze finden sich nicht nur in Deodorants, wobei viele Hersteller schon reagiert haben und Deos ohne Aluminiumsalze anbieten, sondern auch in Schokolade und Gewürzen. Oder sie geraten über bestimmte Verpackungen von Fertiggerichten und Süßigkeiten in den menschlichen Körper.

Droht auch Gefahr durch Geschmacksverstärker wie Glutamat?

Einige Menschen bekommen davon Kreislaufprobleme. Im Restaurant sollte man deshalb unbedingt auf die gesetzlich vorgeschriebene Zutaten-Kennzeichnung der Speisen achten und im Geschäft weder zu Produkten greifen, in denen Glutamat steckt noch Hefeextrakt. Das ist nämlich das gleiche.

Wie viele Zusatzstoffe in Lebensmitteln sind gesetzlich überhaupt erlaubt?

316. Und bei Bioprodukten immerhin noch 44. Dabei können drei Viertel der Konsumenten nichts anfangen mit den aufgedruckten Zutaten-Listen. Die Begriffe sind ihnen ein Buch mit sieben Siegeln - und die langen Listen lesen sich allzu oft wie die Bestandteile eines Chemiebaukastens.

Woran erkennt man die Stoffe, die Allergien auslösen können?

Sie müssen auf der Verpackung dicker gedruckt sein als die anderen Zutaten.

Verpackte Lebensmittel im Handel müssen immer gekennzeichnet werden. Und unverpackte?

Dort müssen folgende Zusatzstoffe angegeben werden: Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Nitritpökelsalz, Nitrat, Antioxidationsmittel, Phosphat und Säuerungsmittel. Außerdem sind die Kennzeichnungen „enthält eine Phenylalaninquelle“ (bezieht sich auf den Süßstoff Aspartam), „geschwefelt“, „geschwärzt“ (zum Beispiel Oliven) und „gewachst“ vorgeschrieben.

Kann man in jedem Alter eine Lebensmittelallergie entwickeln?

Ja. Eine über 80-jährige Patientin von Saskia Turrek war plötzlich von einer Lactose-Unverträglichkeit betroffen. Sie litt an Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Ihr ging es erst besser, als sie Milchprodukte wegließ. Sie musste dauerhaft ihre Ernährung umstellen.

Sind viele Menschen gleich doppelt oder gar dreifach belastet mit Unverträglichkeiten?

Es kann passieren, dass sich auf eine Lactose-Unverträglichkeit eine Fructose-Intoleranz aufbaut und schließlich noch eine Gluten-Unverträglichkeit hinzukommt. Gluten ist der Eiweißkleber im Weizen, er kann Zöliakie auslösen, eine chronische Erkrankung des Dünndarms.

Wie kann man möglichst viele Zusatzstoffe vermeiden?

Wann immer es geht, frisch und selber kochen. Ein selbst angerührtes Salatdressing ist kein Hexenwerk. Es geht einfach und schnell.

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