In Dortmund leben zahlreiche Wohnungslose (Archivbild). Die Hitze ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. © Stephan Schuetze (A)
Hitzewelle

Extreme Hitze kann für Wohnungslose tödlicher sein als eisige Kälte

Ins Freibad oder in die kühle Wohnung: So sieht es bei den meisten wohl im Sommer aus. Wenn man auf der Straße lebt, kann die Hitze schnell zur Gefahr werden. Dortmund hilft.

Wohnungslose Menschen sind im Sommer häufig der prallen Sonne schutzlos ausgesetzt. Dortmunder Organisationen und Vereine wie das Gast-Haus, die Diakonie und das Straßenmagazin bodo haben sich daher Maßnahmen ausgedacht, um wohnungslose Menschen bei der Hitze zu helfen.

Bastian Pütter vom Straßenmagazin bodo weiß, dass besonders die extreme Hitze wohnungslose Menschen gefährdet. „Tatsächlich kommt es nicht so häufig vor, dass Menschen an Kälte oder Erfrierungen sterben. Häufiger sterben Wohnungslose in Folge von Herz-Kreislauf-Beschwerden durch die Hitze.“

Getränke und Schattenplätze

Darum machen sich etwa Mitarbeiter der Diakonie unter anderem mit dem Lastenfahrrad auf den Weg, um Getränke zu verteilen oder um Betroffene zu motivieren, sich in den Schatten zu bewegen. Auch auf den Kaffeewagen des Straßenmagazins bodo findet sich zurzeit jede Menge Wasser, welches in den Versorgungsrunden verteilt wird. Einmal täglich drehen sie momentan eine Runde.

Neben der Hilfe auf der Straße, gibt es auch verschiedene Anlaufstellen, an denen sich wohnungslose Menschen abkühlen können und Getränke und Sommerkleidung bekommen. An der zentralen Beratungsstelle der Diakonie in Dortmund zum Beispiel oder auch in der Frauenübernachtungsstelle, dem Cafè Berta und dem FZW.

Das Gast-Haus und Team Wärmebus sind gut vorbereitet

Auf dem Gelände des FZW befindet sich seit Frühling die „Corona-Hilfe“ für wohnungslose Menschen. Organisiert wird das Ganze vom „Gast-Haus“ und dem „Team Wärmebus“. Ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass die meist wohnungslosen Besucher des FZW und des Zelts genug zu essen, zu trinken und zumindest etwas Zeit außerhalb der Sonne haben.

Svenja und Anja, die ihre Nachnamen nicht nennen möchten, arbeiten ehrenamtlich fürs Gast-Haus. Zusammen mit anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern versorgen sie zurzeit Nachmittags circa 200 Menschen vor allem mit Essen und Getränken.

Beide wissen, dass vor allem bei Temperaturen über dreißig Grad nicht unterschätzt werden darf, wie wichtig es ist genug zu trinken. Darum gehen die Ehrenamtlichen an diesem Tag auch schon vor Öffnung um 16:30 Uhr mit reichlich Wasser durch die Schlange vor dem FZW.

Vor dem Ausgang des FZW-Geländes geben Svenja und Anja den Besuchern Getränke mit auf den Weg.
Vor dem Ausgang des FZW-Geländes geben Svenja und Anja den Besuchern Getränke mit auf den Weg. © Saskia Rudnik © Saskia Rudnik

Auch wenn die hohen Temperaturen den beiden Sorgen machen, fühlen sie sich gut vorbereitet: „Wir haben reichlich Getränke, Essen und auch Tierfutter hier. Trotzdem freuen wir uns natürlich immer über Spenden.“

Die Besucher wissen das Angebot und das Engagement der Ehrenamtlichen sehr zu schätzen. „Ich bekomme hier viel und die Mitarbeiter sind top. Da helfe ich auch mal mit und fege den Müll weg“, erzählt ein Gast am Getränkestand.

Augen offen halten und Hilfe rufen

Trotzdem gibt es auch Menschen, die bei der Hitze nicht diese Anlaufstellen aufsuchen. Darum betonen Svenja B. und Anja K. , dass man in der Stadt Menschen von den Angeboten erzählen oder auch mal ein kühles Getränk vorbeibringen kann, um zu helfen.

Helfen können in diesen Tagen alle Dortmunder – ohne großen Aufwand: Tim Cocu der Diakonie sagt, es sei am wichtigsten, mit offenen Augen durch die Stadt zu laufen und Hilfe zu rufen, wenn Menschen durch die Sonne geschwächt sind. „Wir sind immer dankbar, wenn Menschen in der Beratungsstelle anrufen und sagen: Kommt mal vorbei. Oder sonst auch den Krankenwagen rufen. Das macht nicht viel Arbeit und kostet auch nichts, kann aber viel helfen.“

Auch Sommerkleidung spenden hilft. Die Diakonie führt in der zentralen Beratungsstelle eine Kleiderkammer, in der sich wohnungslose Menschen mit luftiger Kleidung einkleiden können. Das funktioniert aber nur, wenn genug gespendet wird.

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