Fäuste statt Fußball: Spielabbruch in Eichlinghofen

Fußball-Kreisliga

Erst wurde beleidigt, dann flogen die Fäuste. Im Dortmunder Amateur-Fußball ist am Sonntag die Gewalt eskaliert. Das Kreisliga-B-Spiel zwischen der Reserve des TuS Eichlinghofen und den Gästen Birligi Hörde wurde kurz vor Schluss abgebrochen.

DORTMUND

10.10.2011, 12:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fäuste statt Fußball: Spielabbruch in Eichlinghofen

Eine Klasse tiefer kam es unmittelbar nach dem Abpfiff zu heftigen Handgreiflichkeiten zwischen Spielern und Betreuern der Vereine FC Weinand 2009 und TSC Eintracht II. Sonntagnachmittag, es läuft die 92. Minute. Die zweite Mannschaft des TuS Eichlinghofen führt mit 1:0 gegen Birligi, als Referee Günther Kramer die Partie abbricht.Außer Kontrolle Eine Minute vor Ablauf der angekündigten Nachspielzeit. Mehrere Birligi-Spieler verlieren die Kontrolle. Sie verfolgen einen TuS-Spieler, der kurz zuvor einen vom Unparteiischen nicht gepfiffenen Fausthieb ausgeteilt haben soll. So die Darstellung von Gäste-Coach Adnan Dilsiz. „Was in diesem Moment passiert ist, verurteile ich total. Die Ausraster meiner Spieler sind nicht zu rechtfertigen,“ sagt Dilsiz. Er betont aber, dass er selbst – wie in einigen Medien berichtet – nicht an dem Handgemenge beteiligt war.Unterschiedliche Ansichten Und auch wenn er das Benehmen seiner Spieler gar nicht verteidigen will, so versucht er sich doch an einer Erklärung. „Der Schiedsrichter hat meine Mannschaft mit vielen Pfiffen und seinem autoritären Verhalten provoziert. Aber natürlich musst du als Spieler in solchen Fällen zurückstecken.“ Verschärft worden sei die Situation durch Beleidigungen von angetrunkenen Ordnern. „Ich betone, dass es sich nur um einige Ordner handelte, Spieler und Trainer des TuS haben sich absolut fair verhalten“, so Dilsiz weiter. Beim TuS Eichlinghofen bewerten die Vereins-Verantwortlichen den Vorfall ganz anders. Auslöser der Eskalation war nach Ansicht von Vereinsmanager Thomas Janßen der tätliche Angriff eines von Hörde gestellten Linienrichters auf einen Zuschauer.TuS-Trainer lobt Spieler Ein schlichtend eingreifender Ordner und ein zu Hilfe geeilter TuS-Spieler seien ebenfalls attackiert worden. Der Spieler sei „mit letzter Kraft, in Lebensangst über den nahe gelegenen Friedhof entkommen“, heißt in einer Stellungnahme des TuS. Außerdem sollen Hörder einen massiven Aschenbecher geworfen und einen schweren Tisch umgekippt haben. Dass sich seine Spieler vorbildlich verhalten haben, betont TuS-Trainer Dennis Grunendahl. „Sie haben sich in keiner Weise an den Ausschreitungen beteiligt. Die Deeskalationsversuche unseres Spielers Ridvan Araz, seine Landsleute zu beruhigen, schlugen bis zum Eintreffen der Polizei fehl.“Ausschreitungen in der Kreisliga C In der Kreisliga C kam es zu heftigen Handgreiflichkeiten zwischen Spielern und Betreuern des gastgebenden FC Weinand und der TSC-Reserve. Laut Polizeibericht soll ein 19-jähriger TSC-Spieler aus Guinea während der Partie von seinen Gegenspielern fortlaufend fremdenfeindlich beleidigt worden sein. Unmittelbar nach dem Abpfiff sei der Spieler dann mit Fäusten und Tritten attackiert worden, heißt es in der Meldung der Polizei. In der Folge kam es zu einem Handgemenge mit mehreren Beteiligten. In einer offiziellen Stellungnahme distanzierte sich der FC Weinand von den Rassismus-Vorwürfen. „Ein Spieler von uns wurde von dem Farbigen jedes Mal beschimpft, wenn er in seine Nähe kam. Es fielen Worte wie Nazi.“ Dass in dem Verein etwa 70 Prozent Mitglieder ausländischer Abstammung seien, mache den Vorwurf zusätzlich absurd, heißt es in der Mitteilung. Nach dem Spiel sei es dann der TSC-Spieler gewesen, der zuerst zuschlug.Eintracht-Trainer unter Schock Bei der Eintracht steht Trainer Thomas Plümer auch einen Tag nach den Geschehnissen vom Sonntag noch unter Schock. „So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt.“ Für ihn ist der 19-Jährige das klare Opfer. Er sei, wie im Polizeibericht erwähnt, stets beleidigt worden. Ob sein junger Schützling als Erster zugeschlagen hat, hat Plümer nicht gesehen. „Es gibt aber Zeugen, die bestätigen können, dass er nicht der Erste war.“ Bei den anschließenden Auseinandersetzungen hat der Trainer nach eigener Aussage von einem Betreuer einen Schlag ins Gesicht bekommen. „Ich habe Anzeige erstattet.“ Beide Vorfälle werden nun vor der Fußball-Spruchkammer verhandelt.

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