Neuer Schutzstreifen für Radfahrer macht Gemeindemitgliedern den Kirchgang unmöglich

mlzFuß- und Radweg

Ein kombinierter Rad- und Fußweg vor einer Dortmunder Kirche wurde in Gehweg und Fahrrad-Schutzstreifen getrennt. Auf der Straße zu parken ist seitdem unmöglich – Alternativen gibt es nicht.

Deusen

, 27.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahrzehntelang teilten sich Radfahrer und Fußgänger den Bürgersteig vor der Kirche. Als die Stadt Dortmund vor circa drei Jahren ankündigte, das Radwege-Netz ausbauen und mehr Wege anlegen zu wollen, habe es ein Versprechen gegeben: Der kombinierte Rad- und Fußweg vor der Kirche sollte bleiben.

„Aber offenbar hat der Mann aus der Verwaltung vergessen, die Information weiterzugeben“, sagt die Huckarder CDU-Bezirksvertreterin Claudia Brückel jetzt. Denn kurze Zeit später sei ein Fahrrad-Schutzstreifen vor der St.-Stephanus-Kirche in Deusen angelegt worden.

Das Problem: Konnten Gemeindemitglieder ihre Autos zuvor vor dem kombinierten Weg abstellen, war das Parken auf dem Schutzstreifen nun verboten. „Viele der Gemeindemitglieder sind allerdings älter und auf das Auto angewiesen“, erklärt Claudia Brückel. „Es gibt weit und breit keine andere Parkmöglichkeit.“

Schutzstreifen kann nicht rückgängig gemacht werden

Die Folge: Das Gemeindeleben leidet unter der neuen Situation. Ältere kommen kaum noch zur Kirche. Zudem sei ein Schutzstreifen vor der Stephanus-Kirche nicht notwendig gewesen, so Brückel. Fußgänger und Radfahrer hätten den kombinierten Weg immer gemeinsam und ohne Zwischenfälle genutzt.

Den Schutzstreifen wieder zu entfernen, sei jedoch nicht möglich gewesen, da die Stadt Dortmund grundsätzlich keine neuen kombinierten Rad- und Fußwege mehr anlege.

Für Radfahrer gibt es nun einen Schutzstreifen vor dem Gehweg, der nicht beparkt werden darf.

Für Radfahrer gibt es nun einen Schutzstreifen vor dem Gehweg, der nicht beparkt werden darf. © Joel Kunz

„Ich habe allerdings erfahren, dass der hier bestehende Weg unter den Bestandsschutz gefallen wäre – wenn das Versprechen weitergegeben worden wäre“, sagt Claudia Brückel. So seien auch andere kombinierte Wege wie beispielsweise an der Lindberghstraße erhalten geblieben.

Die Huckarder Bezirksvertreter versuchten, eine Lösung zu finden, ohne den Geh- und Radweg wieder zusammenzuführen. Sie erarbeiteten zwei Varianten für neue Parkmöglichkeiten vor der St.-Stephanus-Kirche und stellten dafür sogar 15.000 Euro bereit.

Antrag kann wegen Coronavirus nicht gestellt werden

Eine Möglichkeit sei, dem Landwirt, dem das gegenüberliegende Land gehört, den Rand abzukaufen, um dort einen Parkstreifen einzurichten. Die zweite Möglichkeit sei, hinter dem Gehweg Parkbuchten anzulegen.

„Die zweite Möglichkeit wurde zunächst abgelehnt, weil Autos über den Schutzstreifen und den Gehweg fahren müssten“, sagt Claudia Brückel. Bei einem Ortstermin Ende November 2019 sei die Möglichkeit jedoch zurück in den Fokus geraten.

„Sie sollte erneut geprüft werden – bisher ohne Ergebnis“, so Claudia Brückel. Deshalb habe die CDU-Fraktion noch einmal einen Antrag stellen wollen. Doch derzeit sei das wegen des Sitzungsausfalls durch das Coronavirus nicht möglich.

Jetzt lesen

Auf Anfrage der Redaktion bestätigt Stadt-Pressesprecher Christian Schön den Ortstermin vom 28. November 2019. „Die Stellplatz-Situation ist gemeinsam mit Bezirksvertretern vor Ort besprochen worden.“

Nach Abstimmung mit der Straßenplanung im Tiefbauamt sei es jedoch nicht möglich, hinter dem Gehweg vor der Kirche alternative Parkflächen zu schaffen. „Innerhalb der Böschung befinden sich neun Großbäume, hier sind somit unter anderem die Regelungen der Baumschutzsatzung zu beachten.“

Es gibt noch kombinierte Rad- und Fußwege

Abgrabungen zur Gehweg-Verbreiterung seien unzulässig, so Christian Schön. Auch eine Rückkehr zum ursprünglich kombinierten Rad- und Fußweg sei aufgrund der Gehweg-Breite von circa 1,6 Metern nicht möglich.

„Der Weg kann nach heutiger Gesetzeslage nicht mehr eingerichtet werden“, sagt Christian Schön. Denn nach der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung können gemeinsame Rad- und Fußwege nur noch auf Wegen angelegt werden, die eine Mindestbreite von 2,5 Metern haben.

Lesen Sie jetzt