Das Diagramm in der Bildmitte zeigt nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Faktenlage. Es endet Mitte September - obwohl der Flyer Anfang Dezember verteilt wurde. © Kevin Kindel
Coronavirus

Fakten-Check: Flyer von Corona-Leugnern in Dortmunder Briefkästen

In Dortmund sind wieder Flugblätter mit irreführenden Behauptungen in Briefkästen geworfen worden. Offenbar erstellt von Menschen, die die Gefahr der Corona-Pandemie abstreiten. Was ist dran?

Positiv ist nicht krank.“ Diese Überschrift steht auf einem Flyer, der in dieser Woche in Briefkästen in Dortmund geworfen wurde. Die Aussage aus der Überschrift ist korrekt – es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Infizierten und Erkrankten. Und es gibt auch fälschlicherweise positiv getestete Personen. Andere Informationen in dem Flugblatt stimmen aber nicht.

Woher die beidseitig bedruckten Zettel stammen, ist nicht ersichtlich. Etwa zwei Wochen zuvor sind aber ganz ähnliche Flyer in der Stadt verteilt worden, damals versehen mit dem Logo der „Bürgerinitiative Eltern stehen auf“. Verantwortlich sei eine Frau aus Nieder-Olm bei Mainz, war darauf zu lesen.

Angeblicher Beleg führt zur Meinung einer Politikerin

Die erste Auflage stand unter der Überschrift „Stoppt den Testwahn“. Auf dem Flyer stand, dass ein Corona-PCR-Test „eine mitunter unangenehme bis schmerzhafte Prozedur“ sei, „die gerade bei Kindern psychische Auswirkungen haben“ könne.

Als angeblicher Beleg war die Internetadresse eines Medienberichts aus Österreich erwähnt, der eine Lokalpolitikerin der rechtspopulistischen Partei FPÖ mit ihrer Meinung zitiert, die Abstriche seien für Kinder zu schmerzhaft. Psychische Folgen werden in dem Text aber nicht erwähnt.

Zur Maskenpflicht in Schulen war auf dem Flyer die Rede von „sinnlosen und krankmachenden Maßnahmen“, weil es Kindern damit schlecht gehe. Tatsächlich sind in Dortmund bislang 1005 Kinder unter 15 Jahren positiv getestet worden (Stand 7.12.). Jeder zehnte Corona-Fall der Stadt liegt damit in dieser Altersgruppe. Zur Frage wie ansteckend Kinder und Jugendliche sind, gibt es weltweit widersprüchliche Studien.

Diagramme enden vor der großen „zweiten Welle“

Nun gibt es also einen neuen Flyer in ähnlicher Aufmachung. Groß abgebildet ist darauf das Verhältnis der Anzahl von Corona-Tests zu positiven Testergebnissen. Die Grafik soll zeigen, dass immer mehr getestet wurde, es aber relativ wenige positive Ergebnisse gab – von einer „Panik-Kurve“ ist die Rede.

Nur endet das Diagramm Mitte September, bevor die Fallzahlen im Oktober rasant angestiegen sind. Die Datumsangaben sind sehr klein gedruckt – wer nicht genau hinguckt, bekommt ein absolut veraltetes Bild mitgeteilt. Auch dass zwei ganz verschiedene Größenordnungen im selben Diagramm gezeigt werden, kann irreführend sein: Der Balken für mehr als eine Million Tests reicht zur selben Höhe wie 35.000 positive Ergebnisse.

Tatsächlich ist die Kurve der positiven Testergebnisse seit dem Oktober drastisch nach oben geschnellt. „Der Anstieg der positiven Fälle entsteht nur, weil zu viel getestet wird“, behauptet der Flyer. Dass mehr getestet wird, stimmt auch. Allerdings werden dabei auch pro Test mehr Infizierte gefunden.

Im September war weniger als einer von 100 Getesteten Corona-positiv, aktuell sind es mehr als neun. Diese sogenannte Positivquote liegt mit über 9 Prozent aktuell auf ihrem Höchstwert seit Beginn der Pandemie.

Außerdem heißt es auf dem Flyer: „Die zweite Welle verläuft weltweit ohne erkennbaren Anstieg der Toten“. Dabei enden auch die flachen Kurven zu diesem Thema Mitte September. Da war die „zweite Welle“ noch nicht mal ein Plätschern.

Tatsächlich zeigen die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, dass es seit dem 25. November bereits neun Tage gab, an denen Deutschland mehr Corona-Tote zu beklagen hatte als zum Höhepunkt der „ersten Welle“ im Frühjahr.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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