Der Angeklagte legte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis ab. © Martin von Braunschweig
Landgericht

„Falscher Polizist“ soll Senioren ausgenommen haben: „Ich schäme mich“

Ein „falscher Polizist“ soll Senioren belogen und ihnen Geld und Gold abgenommen haben. Vor dem Dortmunder Landgericht erzählte der Angeklagte auch, was ihn in die Bande geführt habe.

Die Masche der Ganoven ist stets dieselbe. Doch in den vergangenen Monaten haben die verschiedenen Banden, die derzeit in der Region ihr Unwesen treiben, ihr Vorgehen offenbar noch einmal verfeinert.

Laut Anklage meldeten sich die Kriminellen am Telefon gezielt bei Senioren und verwickelten sie in ein Gespräch. Im Hintergrund ertönte derweil ab und zu ein Martinshorn. Auch vermeintliche Funksprüche sollen zu hören gewesen sein.

Angeblich Telefonate von Einbrechern abgehört

Einem 88-jährigen Mann aus Iserlohn gaben die „falschen Polizisten“ im Mai 2020 vor, dass sie die Telefone von Einbrechern abgehört hätten. Diese würden planen, den alten Mann zu überfallen, zu fesseln und so zur Herausgabe seines Geldes zu zwingen.

Um Nachdruck zu verleihen, wurde dem Rentner der angebliche Mitschnitt sogar am Telefon vorgespielt. „Den Typen fesseln und knebeln wir und dann sagt er uns schon, wo die Kohle ist“, war darauf zu hören. Und: „Jetzt geht es los.“

Der 88-Jährige zögerte danach nicht lange und erklärte sich bereit, den angeblichen Polizisten seine zu Hause aufbewahrten 40.000 Euro zur Aufbewahrung zu überlassen. Das Geld wurde nur Minuten später abgeholt.

Alter Bekannter habe ihn in die Bande eingeführt

Ganz ähnlich erging es in den Wochen darauf Rentnern in Menden, Aplerbeck, Kirchhörde und Köln. Der Angeklagte soll dabei im Wesentlichen als Fahrer fungiert haben, der die Beute vor Ort einsammelte und zum Sammelpunkt nach Herne brachte.

Zu Prozessbeginn erklärte der 27-jährige Familienvater sein Handeln mit finanziellen Problemen. „Nach der Geburt meiner zweiten Tochter hat das Geld eigentlich nie gereicht“, sagte er den Richtern. „Meine Eltern haben uns unterstützt, aber das wollte ich nicht lange hinnehmen.“ Einen Job habe er aber nicht bekommen können, angeblich weil beim Jobcenter vermerkt war, dass er früher einmal unter Depressionen gelitten hatte.

Als ihm dann schließlich ein alter Bekannter wieder über den Weg gelaufen sei, hätten sich die Dinge schließlich so richtig zum Negativen entwickelt. Der Bekannte erzählte ihm von dem Verdienstmöglichkeiten als Kurierfahrer der Bande – und schließlich willigte der 27-Jährige ein.

Urteil wohl Anfang März

„Ich bedauere das sehr, ich hätte es nicht tun sollen“, sagte er den Richtern. „Aber das sind richtig böse Menschen. Wenn die schon in der Lage sind, alte Menschen am Telefon zu manipulieren, was für ein leichtes Opfer werde ich dann erst gewesen sein.“

Für den Prozess hat die 36. Strafkammer des Landgerichts zunächst noch drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Anfang März gesprochen werden.

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