Autofahrer wenden in der Rettungsgasse – Feuerwehrmann platzt der Kragen

mlzGeisterfahrer-Unfall

Nach einem schweren Unfall auf der Brackeler Straße wendeten mehrere Autofahrer und fuhren durch die Rettungsgasse zurück. Das macht nicht nur einen Feuerwehrmann richtig sauer.

von Rebekka Antonia Wölky

Dortmund

, 09.08.2019, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das kann‘s doch jetzt nicht sein“, war Feuerwehrsprecher Andreas Pisarskis erster Gedanke, als er am Donnerstagnachmittag (8.8.) wegen eines schweren Unfalls auf der Brackeler Straße im Stau stand und beobachtete, wie ein Autofahrer vor ihm in der Autoschlange wendete und in entgegengesetzter Richtung durch die Rettungsgasse fuhr, zurück in Richtung Borsigplatz.

„Das ist leider Gottes nicht das erste Mal, dass so etwas passiert“, sagt Pisarski wütend. „Und obwohl die Polizei Vorfälle wie diesen entsprechend ahndet, gibt es offensichtlich noch immer Leute, die nicht schlau werden.“

Pisarski fotografierte den Falschfahrer und meldete der Polizei den Vorfall. Auf dem Foto ist das Kennzeichen des Audis deutlich erkennbar. Außerdem der junge Mann mit Sonnenbrille am Steuer.

Autofahrer wenden in der Rettungsgasse – Feuerwehrmann platzt der Kragen

Dieser ungeduldige Autofahrer wendete in der Rettungsgasse - und blockierte diese damit für eventuell nachträglich eintreffende Einsatzkräfte. © Feuerwehr Dortmund

Mehrere Falschfahrer in der Rettungsgasse

Von anderen Autofahrern im Stau erntete der ungeduldige junge Mann im weißen Audi Kopfschütteln und Hupen. „Im näheren Umfeld meines Wagens herrschte überwiegend Unverständnis“, so Pisarkski. Und im Internet hagelt es für dieses Verhalten auch im Nachhinein noch Missbilligung: „Entzug der Fahrerlaubnis auf Lebenszeit“, fordert ein Nutzer in einem Kommentar auf unserer Facebook-Seite „Ruhr Nachrichten Dortmund“. „Und Tschüss Führerschein“ schreibt ein anderer. Weitere berichten, ähnliches Verhalten selbst schon beobachtet zu haben.

So auch Marie Kerkhoff. Auch sie fotografierte einen Falschfahrer in der Rettungsgasse und erstattete Anzeige bei der Polizei. „Ich hatte bewusst einen großen Abstand zu meinem Vordermann gelassen. Im Nachhinein war ich sehr froh darüber. Denn kurz nach dieser Aufnahme folgten weitere Einsatzfahrzeuge und dieser Geisterfahrer wich in die von mir gelassene Lücke aus“, berichtet sie. Sie sei schockiert über dieses Verhalten. „An der Unfallstelle wird um Menschenleben gekämpft und manch ein Autofahrer reagiert so gefährlich und behindert die Rettungskräfte“, so Kerkhoff.

Unfall mit Schwerverletzten

„Wer im Stau wendet und die Rettungsgasse blockiert, gefährdet sich selbst und Andere“, sagt Pisarski. „Man kann nie sicher sein, dass nicht nachträglich noch Rettungsfahrzeuge oder die Polizei zum Unfallort durchkommen müssen. Wenn dann jemand die Rettungsgasse blockiert, ist die dicht und der nötige Einsatz verzögert sich.“

Der schwere Unfall, dessentwegen es sich staute, war durch Fahren im Gegenverkehr verursacht worden. Eine 69-jährige Falschfahrerin stieß frontal mit dem Wagen einer 56-Jährigen zusammen. Ein weiteres Auto konnte nicht mehr bremsen und fuhr auf. Die 69-Jährige erlag ihren Verletzungen noch am Abend im Krankenhaus.

Höhe der Strafe noch unklar

Für die ungeduldigen Falschfahrer auf der Brackeler Straße dürfte es nun teuer werden. Die Polizei ermittelt Fahrer und Halter der fotografierten Fahrzeuge. Welche Strafe sie genau erwartet, ist aber noch nicht klar. „Das kommt auf die Begleitumstände an und ist davon abhängig, ob sie durch ihr Verhalten andere Menschen gefährdet haben, ob es als Straftat gewertet wird und ob es ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr war“, erklärt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt.

Bereits ohne Anweisung eine Rettungsgasse zu nutzen, gilt allerdings als Ordnungswidrigkeit. Entgegen der Fahrtrichtung zu fahren wird außerdem mit einem Bußgeld von 100 Euro, zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot bestraft. Bringt man dabei zusätzlich andere Menschen in Gefahr, so erhöht sich das Bußgeld auf 240 Euro.

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