Familie Braarvig will Weltreise verfilmen

Goodbye Dortmund

Im Juni 2015 hat die Dortmunder Familie Braarvig ihr Haus in Scharnhorst verkauft, um auf Weltreise zu gehen, um frei zu sein. Elf Monate waren sie unterwegs. Nun leben sie wieder in ihrer Heimat, Norwegen, und planen, ihre Weltreise zu verfilmen. Wir haben mit Thor Braarvig telefoniert.

DORTMUND

, 24.12.2016, 01:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir das letzte Mal über die Braarvigs berichtet. Die Hälfte ihrer Weltreise hatte die Familie da schon hinter sich. Von Dortmund aus flogen sie nach Norwegen und weiter nach Bangkok. Sie haben in Thailand Insekten gegessen und einen Tauchschein gemacht, sie waren in Malaysia, auf Bali und dann in Australien.

Thor Braarvig muss ein paar Minuten nachdenken, um all die Eindrücke, all die Orte, die danach kamen, in die richtige Reihenfolge zu bringen. Es war so viel, was er, Hanne-Marie, Amy, Lydia, Aaron und Filippa in den elf Monaten erlebt haben. Nach zwei Monaten auf Tasmanien seien sie, erzählt er, Anfang 2016 nach Neuseeland aufgebrochen. „Wir hatten keinen richtigen Plan“, sagt er, sein Lachen schallt durch das Telefon. „Und unsere Kasse war recht knapp.“

Keine Menschenseele, aber überall Robben

Also entschieden sie sich, zu campen. „Auf ganz einfachen Plätzen in der Natur“, sagt Thor Braarvig. Die Küste entlang reisten sie auf der Südinsel. Sie kamen an einem Strand vorbei, keine Menschenseele, aber überall Robben, die sich in der Sonne gewärmt haben. Sie haben Delfine gesehen. Und Pinguine. Ihre Kleider haben sie in Flüssen gewachsen. Gekocht haben sie mit einem Gaskocher. „Wir haben versucht, einfach zu leben“, sagt er. Abends, in ihren Schlafsäcken, lagen sie mit etlichen Decken, weil der Sommer zu Ende ging und es abends sehr kalt wurde. „Das hat zum Abenteuergefühl beigetragen.“

Nach sechs Wochen ging’s zurück nach Australien, nach Brisbane und zur Sunshine Coast. Wieder haben sie einen Monat lang gezeltet, mitten im Dschungel, und einmal bei einer Künstlerin im Garten. Ein Angler brachte den Kindern das Angeln bei.

In Dortmund alles verkauft

Das Wenigste hatten sie auch hier geplant. „Dadurch war es schöner, aber auch anstrengender“, sagt Thor Braarvig. Je länger sie unterwegs waren, desto größer wurde die Sorge, wo sie nach der Reise hin sollten. In Dortmund hatten sie alles verkauft. Eigentlich wollten sie noch weiter nach Hawaii und Los Angeles reisen. Einen Monat hatten sie noch Zeit. „Aber wir fühlten uns ein bisschen satt von der Welt“, sagt Thor Braarvig. „Wir hatten genug erlebt.“

Im Mai, nach elf Monaten unterwegs, entschieden sie, zurück nach Norwegen zu fliegen. „Ohne es zu wissen, hatten wir eine Sehnsucht nach etwas Vertrautem“, sagt der 34-Jährige. Die Suche nach einem neuen Haus begann. Sie wollten eigentlich zurück nach Dortmund, träumten von einem Haus auf dem Bauernhof, fanden hier aber keins.

Dafür aber im Südosten Norwegens, etwa eine Stunde von Oslo und 15 Minuten vom Meer entfernt. Die kleine Wohnung in einem Holzhaus sei perfekt. Mitten in der Natur, in einem Dorf mit einer kleinen Schule, aber nicht weit weg von der Stadt. „Die Kinder waren begeistert. Es passt zu der Vorstellung von dem, wie wir leben wollen“, sagt Thor Braarvig, der als Übersetzer arbeitet und zudem an dem Blog „Sechs Paar Schuhe“ über die Weltreise. Seine Frau hat sich als Videografin selbstständig gemacht.

Zweite Weltreise?

Vielleicht, sagt er, wollen sie irgendwann wieder zurück nach Dortmund. Vielleicht gehen sie auch noch mal auf Weltreise. „Meine Frau und Amy, die Älteste, vermissen das Reisen“, sagt er. Erst einmal aber seien sie angekommen. Ihre Reise wollen sie für immer in einem Film festhalten. Auf Bali haben sie eine andere Familie kennengelernt, die mit ihrem Sohn auf Weltreise war. Gemeinsam wollen sie erzählen, was sie gelernt und erlebt haben. Der Film soll im März oder April erscheinen.

Er habe so viel mitgenommen, sagt Thor Braarvig. „Wenn man monatelang in anderen Kulturen unterwegs ist, hinterfragt man vieles, es wir einem klarer, was man will.“ Er habe nie nach Norwegen zurückkehren wollen. „Aber jetzt haben wir diesen Ort gefunden“, sagt er. Sein Lächeln ist durch das Telefon zu hören.

Auf dem Blog Sechs Paar Schuhe hat Thor Braarvig ausführlich über die Weltreise berichtet: www.sechspaarschuhe.de Über die Crowdfunding Plattform Startnext finanzieren sie den Weltreise-Film.

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