Fast 120 Jahre alte Gammel-Häuser nahe der Möllerbrücke werden abgerissen

mlzKlinikviertel

Die Gebäude waren mal sehr schön, sind heute aber heruntergekommen. In bester Wohnlage werden sie nun abgerissen, der Neubau soll viele Familien in Kreuz- und Klinikviertel glücklich machen.

Dortmund

, 15.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den Jahren 1903 und 1904 entstanden drei Häuser in der südlichen Innenstadt Dortmunds, die auch heute noch den Passanten ins Auge fallen. Konzipiert waren sie damals als bürgerliche Einfamilienhäuser. Auch wenn die Fassaden auf den ersten Blick wie eine Einheit wirken, zeigen sich in den Details der Jugendstil-Elemente kleine Unterschiede.

Die fast 120 Jahre, die die Gebäude nun an der Alexanderstraße stehen, sind jedoch nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Bei zweien fehlen inzwischen die markanten Dachhäuschen mit den Giebeln zur Straßenseite, die Fassade ist mit Graffiti bemalt, auf einem Balkon wächst ein kleines Bäumchen und Glasscheiben sind kaputt.

Seit Jahren verfällt dieser eigentlich sehr schöne Gebäudekomplex an der Alexanderstraße.

Seit Jahren verfällt dieser eigentlich sehr schöne Gebäudekomplex an der Alexanderstraße. © Kevin Kindel

Zahlreiche Umbauten im Inneren folgten, als die Gebäude nach 1950 in den Besitz des angrenzenden Städtischen Klinikums übergingen und die ursprüngliche Nutzung als Einfamilienhäuser aufgegeben wurde. Die Gebäude wurden zu einer Einheit zusammengelegt, der ursprüngliche Eingang des mittleren Gebäudes ist zugemauert worden und heute nicht mehr zu erkennen.

Bis 2008 befand sich die alte Blutbank des Klinikums in den zusammengelegten Häusern. „Seither stehen sie leer und sind ohne eine umfangreiche Sanierung nicht weiter nutzbar, da viele Teile schadstoffbelastet sind“, erklärt das Team des Klinikums. Also sollen sie jetzt abgerissen werden.

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Die Gebäude wurden laut Stadt Dortmund durch verschiedene Behörden innen und außen auf ihren Denkmalwert hin überprüft. Dabei sei festgestellt worden, dass die Gebäude nicht mehr den sogenannten „Überlieferungszustand“ besitzen, der für eine Eintragung in die Denkmalliste erforderlich wäre.

Der Versuch, die auffälligen Jugendstilfassaden in einen Neubau zu integrieren, schlug fehl, weil zukünftig ein behindertengerechter Zugang benötigt wird, der über die Eingänge im Hochparterre nicht zu realisieren sei. Auch die Deckenhöhen und die Dachgestaltung stellten sich diesbezüglich als sehr schwierig dar.

Fassadenelemente sollen wiederverwendet werden

„Von daher ist vorgesehen, die Gebäude mitsamt der benachbarten Wohnheimbauten links und rechts, die in den 1950er-Jahren entstanden sind und weitgehend leer stehen, abzubrechen und durch einen größeren Neubau zu ersetzen“, ist jetzt in einer städtischen Pressemitteilung zu lesen.

Die Fassadenelemente der Jugendstilgebäude, die sich konservieren lassen, sollen entfernt und eingelagert werden, um sie an passender Stelle wiederverwenden zu können. Dies gilt auch für Ziergitter und Tür- und Fensterelemente, die sich für eine Verwendung an anderer Stelle eignen.

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Das neue Gebäude wird die vom Klinikum lang ersehnte „Schule für Gesundheitsberufe“, eine Kita und ein Elternhaus, das aus Stiftungsmitteln finanziert wird, sowie die Praxis für Pränatalmedizin aufnehmen.

Durch den Neubau der Schule für Gesundheitsberufe können fünf ausgelagerte Standorte aufgegeben werden, unter anderem in der Petri-Schule an der Beurhausstraße und an der Sckellstraße, die dort bislang nur temporär geduldet sind.

60 neue Kita-Plätze für Kreuz- und Klinikviertel

Mit dem neuen Standort wird die Klinik die Zahl der Ausbildungsplätze um 75 erhöhen können und einen neuen Ausbildungsgang für Anästhesietechnische Assistenten (ATA) gründen. Für die Erhöhung der Ausbildungsplätze gibt es (zeitlich befristet) Fördergeld von 1,5 Millionen Euro vom Land NRW.

So soll der Neubau nach dem Entwurf der Architekten aussehen.

So soll der Neubau nach dem Entwurf der Architekten aussehen. © Weicken Architekten

Durch die Einrichtung einer Kita werden 60 neue Betreuungsplätze für Kreuz- und Klinikviertel geschaffen; das Elternhaus für Eltern chronisch kranker Kinder entsteht mit 18 Appartements in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik.

Das Team des Klinikums bedauert, dass die Altbauten nicht in den Neubau integriert werden können. Das Vorhaben schaffe aber „einen nachhaltigen und sozialen Mehrwert für den Zusammenhalt im Viertel, in der Stadt und für die Region“.

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