Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Dortmund, Uwe Samulewicz, geht Ende Juli in den Ruhestand. Zum Abschied spricht er über den Wandel in der Finanzwelt und gibt Anlagetipps.

Dortmund

, 29.07.2019, 14:46 Uhr / Lesedauer: 5 min

So viel Treue zu einem Unternehmen ist selten geworden. Nach 44 Jahre bei der Sparkasse Dortmund geht Uwe Samulewicz (64) Ende Juli in den Ruhestand, wird als Sparkassen-Chef von Dirk Schaufelberger abgelöst. Uwe Samulewicz war 27 Jahre lang Mitglied des Sparkassen-Vorstands, gut 17 Jahre Vorstandsvorsitzender. Oliver Volmerich sprach zum Abschied mit ihm.

Mein erster Kontakt mit der Sparkasse war die Schulspardose in der Grundschule. Können Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt mit der Sparkasse erinnern?

Das war so ähnlich. Was mir dabei aber besonders in Erinnerung ist, ist das heutige Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Das war ja zu der Zeit, als ich jung war, die Hauptstelle der Sparkasse Dortmund. Und wenn man da hineinging, um die Spardose leeren zu lassen, war es sehr aufregend für mich als Kind in der riesigen Kassenhalle dem Kassierer, den es heute so nicht mehr gibt, zu übergeben und sie leeren zu lassen. Das war immer ein besonderes Erlebnis.

Warum sind Sie dann nach der Schule zur Sparkasse gegangen?

Ich habe 1974 hier in Dortmund Abitur gemacht und schon vorher überlegt, welche Berufe mich interessieren. Da spielte oft auch die Faszination des Mediums Geld eine Rolle. Ich wollte zunächst eine fundierte Berufsausbildung machen und dann weiter sehen. Von der Ausbildung bei der Sparkasse Dortmund war ich so begeistert, dass ich anschließend geblieben bin.

Was macht für Sie das Besondere des Sparkassenwesens aus?

Für mich gilt: Wir sind keine Bänker, wir sind Sparkassler. Das ist für mich ein großer Unterschied. Wir sind tief und fest in der Region verwurzelt und damit auch abhängig davon, wie sich die Region, in der wir arbeiten, entwickelt. Deshalb haben wir ein großes Interesse daran, dass diese Entwicklung eine gute ist. Hier leben und arbeiten wir nicht nur und zahlen Steuern, sondern gestalten auch das gesellschaftliche Leben mit.

Dazu gehört die Übernahme von Verantwortung in Gremien genauso wie Ausschüttungen, Spenden und Sponsoring. Wir berücksichtigen, dass wir möglichst jedem Stadtbezirk Gutes tun wollen, dass wir in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel Soziales, Bildung, Kultur, Umwelt und Sport tätig sein wollen. Wichtig ist uns auch: Wir fördern nicht das eine oder andere Großprojekt ausschließlich. Sondern wir achten bewusst darauf, gerade auch viele kleine Projekte zu fördern. Insgesamt sind das stets einige Hundert Vorhaben pro Jahr.

Ganz naiv gefragt: Wie wird man dann Vorstandsvorsitzender?

Man muss eine ganze Menge selbst einbringen, Liebe zum Beruf, Engagement, Bereitschaft, sich mit neuen Aufgaben zu beschäftigen und Lösungen zu entwickeln. Und man muss es gerne machen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, stets für die Kundinnen und Kunden da zu sein. Denn das sind unsere eigentlichen Arbeitgeber. Dazu muss dann das Glück kommen, auf die richtigen Leute zu treffen und Vorgesetzte zu haben, die einen fordern und fördern. In dieser Hinsicht habe ich eine ganze Menge Glück gehabt. Mit dem Rechenschieber ermitteln kann man so eine Karriere nicht.

Dass jemand vom Anfang bis zum Ende des Berufslebens beim selben Arbeitgeber bleibt, ist eher selten geworden. Hat es Sie nie gereizt, mal etwas anderes oder in einer anderen Stadt zu machen?

Nein, nie wirklich. Ich bin geborener Dortmunder. Ich liebe meine Heimatstadt und die Art und Weise, wie die Menschen hier miteinander umgehen. Gerne bin mal in anderen Gegenden und in anderen Städten oder Ländern. Schließlich gab es hier aber auch immer wieder für mich neue Herausforderungen in verhältnismäßig kurzen Zeitabständen.

Sie haben dann 1975 bei der Sparkasse begonnen. Ich kann mich noch erinnern, dass es in unserer Vorort-Filiale zu der Zeit noch ganz viele Kassenschalter gab. Die Zeiten sind lange vorbei. Wie haben Sie die Veränderung erlebt?

Ich war die ganzen Jahre immer mittendrin in den Veränderungen. Als ich 1975 anfing, hatte ich noch das große Vergnügen, auf sogenannten Buchungsmaschinen Karten einzuführen, auf denen dann gebucht wurde. Die Konten bestanden teilweise noch aus Pappkarten, auf denen die Umsätze dokumentiert wurden. Die flächendeckende Einführung der Datenverarbeitung lief da noch.

Faszination des Mediums Geld: Sparkassen-Chef Uwe Samulewicz geht in den Ruhestand

Uwe Samulewicz: „Der Abschied fällt mir schwer und leicht zu gleich.“ © Schaper



Später kamen für damalige Verhältnisse so innovative Maschinen wie Kontoauszugsdrucker oder Geldausgabe-Automaten hinzu. Wir haben lange überlegt, ob man das den Kundinnen und Kunden zumuten kann. An Internet war da noch gar nicht zu denken. Die Dimension der technologischen Entwicklung, die wir heute kennen, war damals noch nicht abzusehen.

Auch heute sind Entwicklungen wie zum Beispiel Online-Banking erst der Anfang einer technologischen Entwicklung, die unser Leben mehr verändern wird als zuvor die industrielle Revolution. Mir hat es aber immer viel Freude bereitet, diese Entwicklungen zu begleiten. Doch auch Respekt ist wichtig. Denn die Veränderungen sind enorm und einschneidend. Der Bedarf zum Beispiel an großen Gebäuden, in denen über Mensch-zu-Mensch-Kommunikation Bankgeschäfte betrieben werde, wird in vielen Bereichen tendenziell weniger.


In diese Zeit der Veränderungen fielen natürlich auch viele unpopuläre Entscheidungen wie die Schließung von Zweigstellen. Wie waren da die Erfahrungen?

Zunächst ist festzustellen, dass sich das Kundenverhalten erheblich verändert hat. Wir haben inzwischen eine Online-Nutzungs-Quote von über 60 Prozent. Darauf müssen wir uns einstellen. Wir haben im letzten Jahr unsere Online-Filiale aufgebaut als Serviceangebot neben den Filialen vor Ort. Der Kunde entscheidet am Ende, wie er Bankdienstleistungen nutzt. Das hat die Sparkasse allein nicht in der Hand. Wir haben entweder die Chance, uns auf die Lokomotive zu setzen und den Wandel mitzugestalten, oder uns gegen die Lokomotive zu stellen, mit der Aussicht, dass man dann überrollt wird.

Das alles ist natürlich auch betriebswirtschaftlich zu bewerten. Kein Finanzdienstleister kann es sich mehr erlauben, Einheiten aufrechtzuerhalten, die nicht wirtschaftlich betrieben werden können.

2008/2009 war das große Jahr der Bankenkrise. Ist das an der Sparkasse spurlos vorübergegangen?

An keiner Bank in Deutschland geht so eine tief greifende Veränderung vorbei. Es hat aufgrund der Finanzmarkt-Krise eine Vielzahl an regulatorischen Veränderungen gegeben, denen alle Banken und Sparkassen unabhängig von ihrer Größe unterliegen. Fast täglich kommen neue Anforderungen hinzu. Und die Stäbe, die das in erster Linie bewältigen müssen, werden immer größer.
Ansonsten haben wir es immer vermieden, uns mit besonders riskanten Geschäftsmöglichkeiten zu beschäftigen. Deshalb waren wir auf der Anlagenseite von der Krise nicht in großem Umfang betroffen. Aber die bewusst herbeigeführte, extreme Niedrigzins-Phase trifft natürlich nicht nur den Sparer, sondern auch die Sparkasse mit ihren Anlagen. Und bei uns hat auch der Niedergang der Westdeutschen Landesbank Spuren hinterlassen.

Jetzt ist wieder von Stellenstreichungen bei der Deutschen Bank die Rede. Wie sicher sind die Arbeitsplätze bei der Sparkasse?

Sehr sicher. Auch, weil wir die notwendigen Anpassungsmaßnahmen rechtzeitig und sozial verträglich gestalten. Hier ist noch jeder, der es möchte, am Ende seines Berufslebens hoch erhobenen Hauptes in den Ruhestand gegangen. Wir investieren viel in unser Personal. In bestimmten Bereichen, etwa bei der Betreuung von Firmenkunden, dem Auslandsgeschäft oder der Betreuung vermögender Kunden, brauchen wir hoch qualifiziertes Personal, das wir auch selbst ausbilden.
Auf der anderen Seite fallen natürlich durch alles, was standardisierbar und digitalisierbar ist, einfachere Arbeitsplätze weg. Und das, was wegfällt, ist mehr als das, was neu geschaffen wird. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind wir gut beraten, permanent unsere Abläufe zu überprüfen mit dem Ziel, effizienter zu arbeiten.


Gibt es Nachwuchssorgen?

Derzeit noch nicht. Aber wir merken auch, dass das Angebot an jungen Leuten, die sich für eine Berufsausbildung interessieren, geringer wird. Der Kampf um die besten Talente hat schon vor etlichen Jahren eingesetzt.

Die Sparkasse handelt ja nicht im politikfreien Raum, sie ist ja eine Tochter der Stadt. Gab es in der Vergangenheit Versuche, politisch Einfluss auf die Geschäftspolitik zu nehmen?

Ich bin sehr froh darüber, dass wir im Rahmen unserer Zuständigkeit immer freie Hand hatten in der Gestaltung unserer Geschäfte. Und das war und ist auch gut so. Natürlich haben wir Rechenschaft abzulegen. Das Miteinander von Verwaltungsrat, Träger und der Sparkasse Dortmund war und ist hervorragend. Das sehen nicht nur die Organe der Sparkasse so.

Inwieweit kann denn die Sparkasse die Stadtentwicklung unterstützen?

Ich gehe mal zurück in die 80er-Jahre. Wir waren da einer der Gründungsgesellschafter der Technologiezentrum Dortmund GmbH. Das war damals schon etwas Besonderes, Existenzgründungen und den Strukturwandel so zu begleiten. Wir hatten den Mut, den Strukturwandel mit Krediten zu begleiten. Das macht uns schon ein wenig stolz. Ansonsten war damals und ist heute noch die Zusammenarbeit hier in Dortmund zum Beispiel mit der Stadt, dem Land NRW, den Kammern und den beratenden Berufen beispielgebend, wenn es um die Nutzung von Chancen geht.

Wie schwer fällt jetzt der Abschied nach so langer Zeit?

Der Abschied fällt mir schwer und leicht zugleich. Ich habe 44 Jahre ein Berufsleben mit tollen Menschen erlebt, wie ich es jederzeit jedem gerne wünsche.
Es fällt mir aber auch leicht, weil ich weiß, dass wir hier in der Stadt und der Region schon ein gutes Stück beim Wandel vorangekommen sind und dass das Team der Sparkasse alles tun wird, damit die Sparkasse Dortmund weiter ihrer Rolle als größter Finanzdienstleister in der Stadt gerecht werden kann.


Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Ich habe mir nicht vorgenommen, meine Zeit sehr bewusst zu gestalten. Die Familie steht zunächst mal im Vordergrund. Einige Aktivitäten werde ich noch weiter begleiten, wie etwa im Vorstand des Freundeskreises des Instituts für Erzieherische Hilfen oder in der Reinoldigilde.

Richtig Geld anlegen

Drei Finanzanlage-Tipps von Uwe Samulewicz

  • „Lassen Sie sich ausführlich von dem Finanzberater Ihres Vertrauens beraten und Ihre individuelle Situation analysieren. Der Vorschlag für Ihre Geldanlage hängt immer von Ihrer speziellen Situation ab.“
  • „Nie alle Eier in einen Korb legen. Es ist stets sinnvoll, nicht zu 100 Prozent von der Entwicklung einer einzigen Anlageform abhängig zu sein, sondern das Vermögen breiter zu streuen.“
  • „Bitte nicht zu gierig werden. Das heißt, genau hingucken, wenn heute allzu hohe Renditen versprochen werden für Geldanlagen, sondern stets erläutern lassen, welche Risiken damit verbunden sind bzw. verbunden sein könnten.“
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