FDP-OB-Kandidat Michael Kauch: „In Dortmund geht vieles zu langsam“

mlzKommunalwahl 2020

Auch die Dortmunder FDP-Spitze hat ihren Oberbürgermeister-Kandidaten nominiert. Und der denkt groß. Sein Maßstab ist nicht Gelsenkirchen oder Altena, sondern das Silicon Valley.

Dortmund

, 14.01.2020, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ergebnis der Dortmunder FDP bei der letzten Kommunalwahl 2014 war mit 2,8 Prozent nicht das schlechteste überhaupt, aber desaströs. Doch die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl (rund 11 Prozent) und der Europawahl (knapp 6 Prozent), mit denen die Dortmunder Liberalen über dem Bundesdurchschnitt lagen, sowie die schwächelnden Volksparteien geben neuen Aufwind.

Die FDP will mit einem eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten antreten. Der Kreisvorstand hat einstimmig Michael Kauch nominiert. Der 52-jährige Diplom-Volkswirt ist in der Dortmunder Politik kein Unbekannter, auch wenn er bislang nie Mitglied des Stadtrates war. Seit 1998 ist Kauch FDP-Kreisvorsitzender und war 10 Jahre lang bis 2013 Bundestagsabgeordneter.

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Die endgültige Entscheidung treffen die FDP-Mitglieder bei einer Kreisversammlung am Freitag (17.1.), bei der weitere Kandidaturen möglich sind.

Als Plus sieht Kauch unter anderem für sich, dass er im Gegensatz zu den OB-Kandidaten von SPD (Thomas Westphal), CDU (Dr. Andreas Hollstein) und Grünen (Daniela Schneckenburger) in Dortmund geboren und „ein Kind der Stadt“ ist und als heutiger selbstständiger Berater von Unternehmen der Medizintechnik nicht im öffentlichen Dienst arbeitet.

„Okay reicht uns nicht“

Kauch: „Ich kenne Politik in Regierungsverantwortung ebenso wie die Herausforderungen von Selbstständigkeit, neuen Technologien und globalen Märkten.“ Das sei eine gute Grundlage für Kommunalpolitik, „die über den Tellerrand hinausschaut“.

„Wir wollen uns nicht am Standard von Gelsenkirchen und Altena messen lassen“, so der FDP-Kandidat. „Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass Dortmund besser dasteht als manch andere Stadt im Ruhrgebiet. Wir setzen den Maßstab an die Lebensfreude von Köln, den Wohlstand von München und die Technologieführerschaft von Silicon Valley. Okay reicht uns nicht. Denken wir groß!“

Kauch will ein „Klima-OB“ sein

Kauch will nach eigenen Worten „Klima-OB“ sein und ein „OB der sozialen Chancen“. Vieles gehe in Dortmund in die richtige Richtung, „aber viel zu langsam“, etwa bei der Verkehrswende, dem kommunalen Klimaschutz und der Infrastruktur für neue Mobilität.

Trotz 70 Jahren mit SPD-Oberbürgermeistern seien ganze Stadtteile sozial abgehängt, gebe es eine verfestigte Hartz-IV-Arbeitslosigkeit, und Bildungserfolg hänge immer noch stark vom Elternhaus ab, so Kauch.

Der liberale OB-Kandidat sieht für sich nur eine „Außenseiterchance“, doch seine Partei wolle ein „alternatives Angebot machen mit inhaltlichem Profil“. Der 52-Jährige ist als Kind einer Arbeiterfamilie in Brechten aufgewachsen, in der Nordstadt zur Schule gegangen und hat an der Universität in Dortmund studiert.

Wahlprogramm wird im April verabschiedet

Kauch steht auf Platz 2 der Ratsliste. Spitzenkandidat der FDP für den Rat ist Philip Schmidtke-Mönkediek. Der 28-jährige Rechtsreferendar ist derzeit sachkundiger Bürger im Bauausschuss des Rates und Mitglied der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe – dort mit Erfahrung bei Jugendhilfe und Kultur. Auch Schmidtke-Mönkediek will die Außenwirkung Dortmunds stärken: „Dortmund wird unter Wert verkauft.“

Komplettiert wird das Spitzenteam auf den ersten vier Plätzen von der Berufskolleglehrerin Antje Joest (50), auch sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Bürgerdienste, und dem Job- und Karriere-Coach Susanne Bartholomé (66).

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Joest will die Stadt „noch besser und chancenreicher machen“ unter anderem mit Hilfe der Digitalisierung, und Bartholomé, aktuell Vize-Kreisvorsitzende, will im Rat mit dafür sorgen, „dass alle Menschen Chancen bekommen, mit eigener Leistung im Leben voranzukommen“.

Die beiden bisherigen Ratsmandatsträger der FDP, Lars Rettstadt und Heinz Dingerdissen, treten nicht ein weiteres Mal an. Das Wahlprogramm soll am 30. April auf einem Programmparteitag verabschiedet werden.

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