Die Disco- und Club-Szene in Dortmund will die Wirtschaftsförderung gezielt unterstützen. © dpa
Geringes Angebot

Feiern als lesbische Frau in Dortmund: „Man wird direkt zum Sexobjekt“

Im Gegensatz zu anderen Städten im Ruhrgebiet fehlt es in Dortmund an Kneipen und Clubs für lesbische Frauen. Eine Sozialpsychologin erklärt, warum auch Männer Teil des Problems sind.

Endlich wieder Feiern gehen, endlich wieder spontan jemanden kennenlernen können, Schluss mit den Spazierdates. Die Kneipen in Dortmund haben mittlerweile wieder geöffnet, nicht nur im Außen-, sondern auch im Innenbereich. Für Clubs und Diskotheken gibt es mit dem 1. September immerhin ein Datum, eine Perspektive für die Rückkehr zum Normalbetrieb.

Mit jedem Tag, mit jeder Neu- oder Wiederöffnung strahlt Dortmunds Nachtleben wieder ein Stück heller, in allen Farben des Regenbogens strahlt es allerdings nicht – und das ist schon länger so. „Soweit ich weiß, gab es in Dortmund noch nie einen Club für lesbische Frauen“, sagt Tabea Suhl.

Kein Treff mehr für lesbische Frauen

Auf der Suche nach der großen Liebe hat die 25-jährige Jurastudentin auch an der lesbischen Datingshow „Princess Charming“ teilgenommen.

Wollte sie im Nachtleben jemanden kennenlernen, musste sie aufgrund des fehlenden Angebots in Dortmund bisher auf andere Ruhrgebietsstädte ausweichen, wie sie am Telefon erklärt: „Da gibt es die LesGirl in Bochum-Langendreher und die Les Vegas in Essen.“

Svenja Roß, 42, arbeitet bei LEBEDO, einer psychosozialen Beratungsstelle für LSBTIQ* in Dortmund. Die Diplom-Sozialpsychologin erinnert sich noch an eine Kneipe für lesbische Frauen. „Die Löwengrube, das war ein bekannter Treff.“ Nur gibt es den schon seit einigen Jahren nicht mehr.

Svenja Roß glaubt, dass man als lesbische Frau ein dickes Fell braucht, um im Dortmunder Nachtleben unterwegs zu sein.
Svenja Roß glaubt, dass man als lesbische Frau ein dickes Fell braucht, um im Dortmunder Nachtleben unterwegs zu sein. © privat © privat

Besser Flirtmöglichkeiten

Warum es mittlerweile überhaupt kein „spezifisch lesbisches Angebot“ in Dortmund gibt, keinen Club und keine Kneipe, kann sich Roß auch nicht erklären. Gerade junge lesbische Frauen würden sich zwar oft genug unter die Masse mischen, ein eigener Treffpunkt wäre aber trotzdem wichtig.

„In einer Gruppe Gleichgesinnter unterwegs zu sein, bringt viel mehr Vertrautheit mit sich“, erklärt die Sozialpsychologin. „Und natürlich hat man dann auch besser Möglichkeiten, eine potenzielle Partnerin zu finden oder einfach zu flirten.“

Eine vermeintliche Ausrede

Heterosexuelle Frauen würden es zudem oft als unangenehm empfinden, von anderen Frauen angemacht zu werden. Ohne eigenen Treffpunkt gibt es für lesbische Frauen allerdings noch ein deutlich größeres Problem im Nachtleben: Männer. Denen fehlt es oft an Verständnis und Zurückhaltung.

Einfach zu erklären, dass man auf Frauen stehe oder mit seiner Freundin da sei, reiche selten aus, um Anmachversuche abzuwehren. „Man wird nie ernst genommen“, sagt Tabea. Gerade sie nicht, mit ihren langen blonden Haaren, den blauen Augen und der zierlichen Statur. „Da lachen die Männer und sagen: Ja, ja – das hab‘ ich heute schon fünf Mal gehört.“

Tabea ist es mittlerweile egal, wenn die Leute gucken. Freundinnen und Ex-Partnerinnen von ihr sehen das jedoch anders und fühlen sich durch die Blicke gestört.
Tabea ist es mittlerweile egal, wenn die Leute gucken. Freundinnen und Ex-Partnerinnen von ihr sehen das jedoch anders und fühlen sich durch die Blicke gestört. © privat © privat

Viele Männer starren

Besonders unangenehm sei es, wenn man seine Partnerin mal auf der Tanzfläche küsse. „Hauptsächlich Männer sind dann wahnsinnig am Starren“, berichtet Tabea. Sozialpsychologin Svenja Roß beschreibt die Situation noch drastischer: „Man wird direkt zum Sexobjekt.“

Wenn man als Mann vermeiden möchte, dass sich lesbische Frauen unwohl fühlen, solle man sich ganz normal verhalten, Pärchen im Zweifelsfall besser ignorieren, als anzustarren, rät Roß. Kurz überlegt sie laut, ob es für Männer auch einen offensiven Weg für ein positives Feedback gebe. Doch den Gedanken verwirkt sie schnell wieder. „Das macht ja auch keiner.“

Immerhin ein Programm

Die zweifache Regenbogenmutter verweist noch auf das Programm „Lesbian Take over“, bei dem sich lesbische und bisexuelle Frauen in heteronormativen Kneipen treffen und man sich als Gruppe kennenlernen könne. „Das wird nach Corona in Dortmund sicher auch wieder angeboten.“

Leben und Lieben

LESEN SIE MEHR ÜBER SINGLES UND BEZIEHUNGSTHEMEN

Auf der Übersichtsseite „Leben und Lieben“ unserer Zeitungsportale finden Sie Themen rund um Singles, Beziehungen und Liebe Ruhr Nachrichten / Hellweger Anzeiger

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren in Ulm, aufgewachsen im Allgäu, angekommen im Ruhrgebiet schreibe ich über alles, was die Menschen in Dortmund und Umgebung umtreibt.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.