Feiger Überfall auf Nordstadt-Institution "Oma Bonke"

Perücken-Klau und Auto-Plünderung

Bis 2012 war sie für viele Kinder und Jugendliche in der Nordstadt eine Institution. Liebevoll nannten sie die heute 82-Jährige einfach "Oma Bonke". Jetzt ist die Seniorin Opfer eines feigen Überfalls geworden. Ihr Auto wurde geplündert - während sie noch im Wagen saß. Die einst so starke Rentnerin fühlt sich allein gelassen. Denn es war nicht der erste Vorfall.

DORTMUND

, 17.06.2014, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ilse-Margarete Bonke mit einer Unterschriftenliste: Kinder und Jugendliche forderten sie 2012 als Spielplatzpatin zurück.

Ilse-Margarete Bonke mit einer Unterschriftenliste: Kinder und Jugendliche forderten sie 2012 als Spielplatzpatin zurück.

"Das ist mir noch nie passiert", stellt die rüstige Rentnerin 48 Stunden später fest. Sie, die so gutmütige "Oma Bonke", die Kindern, Jugendlichen und Familien hilft, wo sie nur kann, ist bei einer hinterhältigen Tat bestohlen worden. Bisher hielt sie immer ihre Hände schützend über andere, damit sie in einem intakten Umfeld aufwachsen. Für die Kinder und Jugendlichen im Schleswiger Viertel, wo Oma Bonke seit über 60 Jahren wohnt, war die engagierte Nordstädterin eine zuverlässige Ansprechpartnerin und ohne jede Einschränkung zu respektierende Persönlichkeit.

"Oma Bonke - wann mal was ist: Dann ruf uns", sagten die meist türkischen Jugendlichen immer wieder. Nach dem Diebstahl am Sonntag konnte Ilse-Margarete Bonke nicht laut um Hilfe rufen. Die Tat hatte der sonst so redseligen Frau die Sprache verschlagen. Was auch das Ergebnis eines seit Monaten andauernden Leidensprozeses ist. "Hau ab, Alte!", pöbeln Jugendliche, wenn die couragierte Rentnerin im Schleswiger Viertel, ihrer Heimat,  dazu auffordert, den Müll nicht fallen zu lassen. "Sie spucken mich auch an" - aber Oma Bonke ruft nicht mehr um Hilfe. Denn die Jugendlichen, die ihr einst die Treue geschworen haben, sind keine Spielplatzkinder mehr gehen jetzt einer geregelten Arbeit nach.

Was die 82-Jährige zurzeit durchmachen und mit großer Geduld ertragen muss, trägt sie zunächst mit fester Stimme vor: "Nach dem Krieg habe ich ab 1945 unter eine schweren Krankheit gelitten und mir sind die Haare ausgefallen. Deshalb trage ich eine Perücke." Ilse-Margarete Bonke hält kurz inne. Dann bricht es aus ihr heraus und die Tränen fließen: "Die Jugendliche haben mir jetzt schon viermal die Perücke gestohlen. Es ist jedesmal eine Demütigung. Vor allem, weil ich so alt bin und die so jung sind." Jedesmal musste die Krankenkasse den Schaden ersetzen. Pro Perücke 400 Euro.

Der Diebstahl im Auto, als sie umzingelt und angeschnallt war und hilflos ansehen musste, wie flinke Hände ihr Eigentum entwendeten, und die Perücken-Diebstähle sind "ein Einschnitt in meinem Leben". Oma Bonke glaubt die Nationalität der jungen Täter zu kennen und spricht von Rumänen. "Aber es sind nicht alle so", schiebt die Seniorin hinterher. Sie ist nicht ausländerfeindlich. Einmal pro Woche fährt sie mit einer türkischen Mutter von sechs Kindern zur Dortmunder Tafel, damit die Familie nicht hungern muss. Über Jahre engagierte sie sich für die überwiegend türkischen Kinder und Jugendlichen im Schleswiger Viertel. "Jede Nationalität bringt gute und schlechte Menschen hervor", sagt sie. Zu den schlechten Menschen zählt sie, damals wie heute, auch Nazis. Sie bedauert, dass kürzlich eine gut integrierte marokkanische Familie das Viertel verlassen hat.

Oma Bonke wirkt im Gespräch verunsichert und erschüttert. Auf die letzte Frage antwortet die 82-Jährige wieder mit fester Stimme: "Frau Bonke, denken Sie daran, die Nordstadt zu verlassen?" - "Nö. Hier leben doch auch so viele gute Menschen."

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