Fest der Tamilen: Das Unionviertel zeigt sich von seiner buntesten Seite

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Tausende Besucher feiern am Samstag mit den Tamilen ein Straßenfest im Unionviertel. Hier ist ihr bundesweites Zentrum. Kultur – integriert und pur.

Unionviertel

, 04.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kalainitty Shabesan ist ganz klar: „Wir erwarten mehr Publikum, mehr Unterstützung, mehr Freunde“, sagt die Organisatorin des Tamilen-Festes am Samstag (7. September). Sie lacht und schwärmt: „Einmal Heimaterlebnis.“ 3000 Besucher kamen bei der Premiere im vergangenen Jahr. Und das aus allen Ecken der Republik.

Denn das Zentrum der in Deutschland lebenden Tamilen ist im Unionviertel. Genauer gesagt: an der Annen- und der Adlerstraße. Und dort steigt von 11 bis 19 Uhr das Fest: mit Meeresfrüchtesuppe, der Reispfanne Appam, Linsenpfannkuchen mit Kartoffelcurry. Liebhabern exotischer Küche dürfte schon im Vorfeld das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Unionviertel ist die deutsche Hauptstadt der Tamilen

Das, was jeden Tag an der Rheinischen zwischen Möllerstraße und Dorstfelder Brücke Alltag ist, kumuliert in den Stunden am Samstag.

Die „deutsche Hauptstadt“ der Tamilen feiert ihre Kultur. Dabei ist das Unionviertel an jedem Samstag ein Hotspot für Tamilen zwischen Stuttgart und Hamburg. Kinder lernen im Haus der Vielfalt die tamilische Sprache, während ihre Eltern bummeln und in den tamilischen Läden zwischen Möllerstraße und Dorstfelder Brücke shoppen.

Fest der Tamilen: Das Unionviertel zeigt sich von seiner buntesten Seite

Kalainitty Shabesan (hinten, 3.v.l.) leitet Tanz- und Yoga-Kurse im „Haus der Vielfalt“ an der Beuthstraße und organisiert das Fest der Tamilen. © Uwe von Schirp

Lebensmittel, Kleidung, Stoffe, Kunsthandwerk, Restaurants: Die Konzentration im Unionviertel ist eher Zufall. Als sich der Tamilische Kulturverein in den 1990er-Jahren gründete, suchte er Räume und fand sie – genau dort. Heute hat der Verein 500 Meter weiter im Haus der Vielfalt in der Beuthstraße sein Domizil.

Die Zukunft der jungen Generation ist hier

Kalainitty Shabesan, die Organisatorin des Festes, gibt im Haus der Kulturen Tanz- und Yoga-Kurse. Tamilische Kultur – wie auch der Sprachunterricht in Tamil. Es sind die Eltern und Großeltern, die vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka flohen und denen die Pflege der Kultur ihrer Heimat am Herzen liegt.

Jeyakumaran Kumarasamy ist Vorsitzender des Kulturvereins. Er, den alle im Haus der Kulturen nur „Herrn Kumar“ nennen, kam 1981 über Berlin nach Dortmund. Als der heute 59-Jährige mit anderen Flüchtlingen 1992 den Kulturverein gründete, wollte seine Generation noch nach Kriegsende in die Heimat zurückzukehren.

Doch der Bürgerkrieg ging bis 2009 – lange. „Die neue Generation hat das Zukunftsleben hier begonnen“, sagt Jeyakumaran Kumarasamy.

Kinder und Jugendliche leben in zwei Welten

Darum sei die Pflege der Kultur heute schwer. Die Kehrseite einer gelungenen Integration. Saruba ist in der jüngeren Generation eine immer seltenere Ausnahme.

„Als kleines Kind hat man mit zwei oder drei Jahren angefangen, die Muttersprache zu sprechen“, sagt die 23-Jährige. „Ich wollte das zu Ende bringen.“ Heute unterrichtet sie Tamil. „Aber wenn ich mit den Kindern tamilisch rede, verstehen sie mich nicht“, erklärt sie. „Wirklich lernen wollen die Kinder die Sprache nicht.“

Fest der Tamilen: Das Unionviertel zeigt sich von seiner buntesten Seite

Jeyakumaran Kumarasamy, kurz „Herr Kumar“, ist Vorsitzender des Tamilischen Kulturvereins Dortmund. © Uwe von Schirp

Tamilische Kinder und Jugendliche leben, wenn man so will, in zwei Welten – die Kultur der Heimat ihrer Eltern und Großeltern ist dabei die kleinere. „Von Montag bis Freitag gehen sie in den Kindergarten, die Schule oder zur Uni“, sagt Jeyakumaran Kumarasamy. „Samstags kommen sie dann in eine andere Welt. Den Sonntag verbringen sie wieder mit Freunden.“

Die junge Generation habe sich schnell an das Leben in Deutschland angepasst. „Die Kinder denken, Sri Lanka ist das Land von meiner Mama und meinem Papa. Mein Land ist das hier“, sagt Jeyakumaran Kumarasamy. Einer der Gründe für die gelungene Integration.

Das Fest der Tamilen steigt am Samstag (7. September) von 11 bis 19 Uhr im Unionviertel. Highlights sind das tamilische Essen und die Tänze.
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