Feuerwehrmänner helfen als Standesbeamte aus

Amt überlastet

Brautpaare mussten oft lange auf Termine beim Dortmunder Standesamt warten. Jetzt trauen auch eigens geschulte Ingenieurinnen und Feuerwehrmänner. Warum? Wir erklären die Hintergründe.

DORTMUND

von Von Barbara Merten-Kemper

, 26.01.2016, 01:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Petra Schrader (r.) als Traustandesbeamtin während der Zeremonie für das künftige Ehepaar Katharina und Robin.

Petra Schrader (r.) als Traustandesbeamtin während der Zeremonie für das künftige Ehepaar Katharina und Robin.

Wenn Anne Böning an einem Samstagmorgen festliche Kleidung anzieht, weiß ihr Sohn: Mama geht heut‘ trauen. „Das findet er ganz toll und guckt genau, ob ich schick bin“, sagt die 34-Jährige. Eigentlich kümmert sich Anne Böning für die Stadt Dortmund um Tagesmütter, aber nebenbei eben auch um Hochzeitspaare.

Sie ist eine von mehr als 100 freiwilligen Traustandesbeamten der Stadt, die einspringen, wenn die echten Standesbeamten Feierabend haben. So sorgen sie dafür, dass die meisten Hochzeitspaare nun ihren Wunschtermin bekommen.

Standesamt überlastet

Vorher waren lange Wartezeiten und Limitierungen die Regel, wenn Paare an besonderen Orten oder zu speziellen Zeiten heiraten wollten. Und das wollen immer mehr. Am Stichtag für die Anmeldung kam es stets zu einem Ansturm auf das Standesamt. Wer keinen passenden Termin bekam, wich oft auf Nachbarstädte aus. Das ist nun vorbei in Dortmund. Rund 300 Brautpaare mehr als im Vorjahr freuten sich 2015 über den neuen Service.

Die Feier danach mit Freunden und Verwandten zu organisieren, ist viel leichter geworden. Nicht wenige fahren im weißen Kleid gleich weiter zur kirchlichen Trauung. Die das möglich machen, sind alle Mitarbeiter der Stadt. „Wir haben bei unserer Ausschreibung damit gerechnet, dass sich vielleicht 20 Kollegen melden“, sagt Claudia Hertkens, Leiterin des Standesamtes.

 

Es waren 140. Vom Feuerwehrmann über Zoomitarbeiter, Schulsekretärinnen, Sachbearbeiter bis zum Amtsleiter sagten viele: „Ja, ich will Traustandesbeamter werden.“ Elke Billstein (46) gehörte zu den ersten 50, die geschult wurden. Die Vermessungsingenieurin beim Katasteramt erinnert sich gut an die Umstände ihrer Bewerbung. Sie musste sich im Außendienst mal wieder mit Nachbarschaftsstreitigkeiten beschäftigen. „Da kam die Ausschreibung genau richtig. Ich wollte einfach meine Zeit lieber mit glücklichen Menschen verbringen und dazu beitragen, ihnen einen schönen Tag zu gestalten“, erzählt die Mutter von zwei Kindern.

Die Überwindung war da

Die dienten ihr auch als Versuchs- und Übungsobjekte. „Ich musste mich schon überwinden, eine Rede zu halten“, sagt sie. Aber die positive Resonanz zeigt ihr, dass sie den richtigen Ton trifft für den schönsten Tag im Leben. Für Anne Böning macht gerade das den Reiz aus. „Ich mache das gerne und teste, ob das Paar es eher romantisch, humorvoll oder feierlich möchte.“

Die Traustandesbeamten können auf eine Datenbank für Reden zugreifen, aber erst beim Vorgespräch erfahren sie das Alter des Paares und ob schon Kinder da sind. „Da hilft Spontaneität und Einfühlungsvermögen“, sagt Anne Böning. Den „Papierkram“ müssen Paare weiterhin beim Standesamt erledigen. Dort werden Eheschließungen und Lebenspartnerschaften angemeldet, dort wird die Ehefähigkeit bescheinigt. Erst dann übernehmen Trauhelfer wie Katrin Hocher. Die Erzieherin hat erst fünf Lebensbünde geschlossen. „Mein erstes Brautpaar musste mich beruhigen.“ Vorher hat Hocher einem echten Standesbeamten zugeschaut. Das gehört ebenso zur Schulung wie die Erläuterung der Formalitäten. „Im Notfall hat immer ein Standesbeamter Rufbereitschaft“, erklärt Claudia Hertkens. 

Wenn etwa der Schlüssel zum Trauzimmer fehlt oder ein Dolmetscher ausfällt.„Es ist einfach wunderschön, diesen Tag für Paare unvergesslich zu gestalten“, beschreibt die Pressereferentin Petra Schrader ihre Motivation. Sie traut seit 2014 jeden Monat, auch Freunde haben sie schon gebeten.

"Es ist immer spannend"

Trotz ihrer Erfahrung liegt immer der „Spickzettel“ auf dem Tisch im Trauzimmer des Alten Rathauses: Ringe tauschen, Küssen, Niederschrift verlesen, Urkunde unterschreiben, Glückwunsch. „Jede Trauung oder Lebenspartnerschaft ist anders. Deshalb bleibt es immer spannend“, sagt die 56-Jährige. Die hochschwangere Katharina und ihr Robin genießen diesen Tag und ihre sehr persönliche Ansprache. Sie lächeln glücklich und sagen laut und deutlich „Ja“. Und bedanken sich. Da strahlt Petra Schrader. Fast wie das Brautpaar.

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