Querflieger, Blindgänger oder illegale Feuerwerkskörper. Sylvester und die Böller-Tradition sorgen jährlich für viele Unfälle und eine hohe Auslastung im Dortmunder Klinikum (Archivbild) © Oliver Schaper
Silvesternacht 2020

Feuerwerk trotz Corona: Dortmunder Unfallchirurg besorgt um Betten-Kapazität

Verbotszonen soll es zwar geben, grundsätzlich bleibt privates Feuerwerk auch zum Corona-Silvester aber erlaubt. Ein Dortmunder Unfallchirurg blickt dem mit Sorgen entgegen.

Lange schwebte die Debatte schon im Raum, seit letzter Woche steht nun fest: ein vollständiges Verbot von privaten Feuerwerken wird es in Dortmund auch in diesem Jahr nicht geben.

Andere Länder – zum Beispiel die Niederlande – verbieten den Verkauf sowie das Zünden von Raketen, Böllern oder anderen Krachern in diesem Jahr ganz. Damit soll einer zusätzlichen Auslastung des Gesundheitswesens während der aktuellen Corona-Pandemie vorgebeugt werden.

Denn „Silvester ist eine der Hoch-Zeiten für die Unfallchirurgie“, erklärt auch Dr. Thorsten Strohmann vom Klinikum Dortmund.

Corona reizt die Betten-Kapazitäten im Klinikum aus

Verlust der Hand, des Augenlichts, Verletzungen im Gesichtsbereich oder Verbrennungen an sämtlichen anderen Körperstellen. Die Liste der üblichen Unfallfolgen in der Silvesternacht ist lang.

Dr. Thorsten Strohmann ist an der Dortmunder Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie tätig. Er spricht sich für striktere Kontrollen aber nicht für ein absolutes Verbot von Feuerwerken an Sylvester aus. © Klinikum Dortmund © Klinikum Dortmund

Im letzten Jahr wurden innerhalb von 24 Stunden um den Jahreswechsel herum im Klinikum Dortmund 81 Fälle von Silvesterverletzungen behandelt, davon mussten 23 betroffene Personen stationär aufgenommen werden, sechs von ihnen auf der Intensivstation.

„Die Krankenhäuser füllen sich zusehends“

Und genau dort könnte es in besagter Nacht eng werden, schließlich benötigt auch eine erhebliche Anzahl von Corona-Patienten Betten auf der Intensivstation. Genauso wirke sich jedoch die Auslastung aufgrund der Corona-Pandemie auf die vorhandenen Kapazitäten auf den anderen Stationen aus.

„Die Krankenhäuser füllen sich zusehends“, sagt Strohmann, die Betten werden von Corona-Patienten benötigt, die Kapazitäten auf anderen Stationen müssen dementsprechend gedrosselt werden. Besonders zu Silvester könne das zu einer Herausforderung werden, meint er: „Man kann ja nicht jemanden mit einer Feuerwerksverletzung neben jemanden legen, der mit dem Coronavirus infiziert ist.“

Feuerwerk unter bestimmten Bedingungen eine gute Sache

Trotzdem spricht sich Strohmann nicht pauschal für das Verbot aus. Es sei schwierig, in Bezug auf das Thema eine einheitliche Linie zu fahren und tendenziell halte er Feuerwerke für keine schlechte Sache – allerdings „in Maßen und gut organisiert“.

Daher sei er statt für das Verbot eher für striktere Kontrollen oder Feuerwerke, die zentral organisiert und für alle sichtbar sind, anstatt dass jede Person privat böllert. „So kann man das Brauchtum pflegen und etwas für das Auge haben – ohne dass man sich das durch Corona nehmen lässt“, sagt er.

Strohmann sieht bei strikten Verboten auch Nachteile

Strikte Verbote bringen demnach nämlich auch gewisse Risiken mit sich. Denn damit würden deutlich mehr illegale Feuerwerkskörper in Umlauf geraten, als in vorherigen Jahren ohnehin schon. „Die Leute, die unbedingt knallen wollen, werden sich das nicht nehmen lassen“, vermutet Strohmann. „Die werden andere Wege finden“ und das wären im Falle eines Verkaufsverbots illegale Märkte.

„Das hätte noch stärkere Konsequenzen für die Krankenhäuser“, sagt Strohmann voraus. Denn illegale Feuerwerkskörper sind aus verschiedenen Gründen deutlich gefährlicher: Einerseits bergen sie allgemein ein höheres Verletzungsrisiko, da sie nicht den geprüften Standards entsprechen. Außerdem fallen die Verletzungen meist erheblich stärker aus, da durch die Böller eine deutlich größere Explosion ausgelöst wird.

„Kein Verbotsfreund“

„Ich bin kein Verbotsfreund“, sagt er, weist aber auf darauf hin, man müsse sich der Risiken bewusst sein. So betont er zum Beispiel, dass Feuerwerkskörper nicht in die Hände von Kindern gehören, denn auch hier sei die Verletzungsgefahr besonders groß.

Dr. Thorsten Strohmann hält ein zentral organisiertes Feuerwerk für die beste Lösung. „Damit würde man beiden Seiten entgegenkommen.“

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1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte

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