Finnland brachte Bruckner zum Funkeln

30.03.2009, 11:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Finnland brachte Bruckner zum Funkeln

<p>Meister mit Taktstock: Sakari Oramo dirigierte das Finnische Radio Symphonie Orchester. privat</p>

Finnland ist nicht nur ein durch Pisa belegtes Land der Denker, die Republik hat sich auch zum Musikland gemausert, die eine großartige Generation junger Dirigenten und spannender Instrumentalisten hervorgebracht hat. Und das Finnische Radio Symphonie Orchester ist einer der besten Klangkörper Europas.

Was die Skandinavier Freitag im Konzerthaus für hohe Qualität boten, ließ staunen. Wie fast alle Konzerte des Orchesters im Ausland wurde auch dieses live im finnischen Radio übertragen. Der vorzüglichen Klang des Orchesters in Bruckners 3. Sinfonie war Verdienst von Sakari Oramo, einem der Aufsteiger der Dirigentenszene seit er Nachfolger von Rattle in Birmingham wurde. "Wagner-Sinfonie" nennen Musikfreunde das bei der Uraufführung umstrittene Werk. "Die Akkurate" könnte es mit Oramo und den Finnen heißen. Die um mehr als 400 Takte gekürzte dritte Fassung dirigierte der 43-Jährige. Bruckner hat die einst mächtige Sinfonie mit den Bearbeitungen geschliffen, Orama brachte sie zum Funkeln.

Kein Taktschläger, ein Gefühlsmensch am Pult ist der Finne. Als ehemaliger Geiger widmete er den Streichern viel Aufmerksamkeit; die Bläser klangen in dem Orchester etwas isolierter. Unermüdlich modulierte Oramo Klänge, führte sein Orchester durch hauchfeine Pianissimowelten, stellte delikat alpenländische Tanzanklänge heraus, und ließ Bruckner spannend und klar, wie einen Beethoven der Romantik klingen.

Schubert, mit Zwischenaktmusiken und Ballettmusik aus "Rosamunde" vertreten, klang ähnlich aufgewühlt - vielleicht für Schubert eine Spur zu rau und hart. Aber es war eine wunderbare Einleitung für Liszts Bearbeitung von Schuberts "Wanderer-Fantasie" mit dem "Jungen Wilden" des Konzerthauses, Antti Siirala. Der 29-jährige Finne zeigte sowohl tiefe, schubertsche Ausdruckskraft als auch die technische Sicherheit, die die Bearbeitung fordert. Liszt hat Schuberts Klavierpart auf Orchester und Tasten aufgeteilt und mit virtuosem Glitzer bestäubt. Siirala war mehr der Seelenwander, während das Orchester mit markanten Rhythmen die kräftigeren Wanderschuhe schnürte. JG

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