Fitnessstudios wieder geöffnet: „Auch wir sind systemrelevant“

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Seit dem 11. Mai läuft das Geschäft in den Dortmunder Fitnessstudios wieder an: Gab es am ersten Wochenende einen Run auf die Sport-Tempel? Ein Besuch vor Ort.

Dortmund

, 17.05.2020, 20:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Timo Ribnikar steht am Eingang des Injoy Fitnesspark in der Nähe des Westfalendamms und begrüßt seine Kunden. Diejenigen, die sich für die Treppen entschieden haben - der Fitnesspark ist im vierten Stock - haben ihre erste Fitnesseinheit bereits hinter sich. Alle von ihnen tragen bereits ihre Sportkleidung. Die Umkleiden und Duschen sind geschlossen.

Wirft man einen ersten Blick in die Räume, sieht alles nach einem ganz normalen Fitnessstudio aus. Es ist 10 Uhr am Sonntagmorgen (17.5.), über die Lautsprecher läuft ein neuer Song von Adel Tawil und die ersten motivierten Sportler laufen sich auf dem Laufband warm, heben Gewichte oder trainieren an den Geräten. Von einem Ansturm auf den Fitnesspark kann man nicht sprechen. Doch leer ist das Studio auch nicht - die Trainer haben gut zu tun.

Maskenpflicht für Mitarbeiter

Und wenn man die anguckt, schwindet die Illusion der alten Normalität.

Ribnikar trägt eine Maske, auf dem Tisch neben ihm liegen weitere Schutzmasken, die Kunden sich nehmen können. Eine Maskenpflicht beim Training gibt es aber nicht, nur wenige der anwesenden Kunden nehmen das Angebot wahr. Neben den Schutzmasken steht eine volle Flasche Desinfektionsmittel.

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„Bei uns ist alles kontaktlos“, sagt Ribnikar. Zusammen mit seinem Bruder ist er der Inhaber der zwei Injoy-Stationen in Dortmund. Alle Mitglieder haben einen Chip, mit dem sie sich am Empfang anmelden. Mit dem Einchecken bestätigen sie, nicht am Coronavirus erkrankt zu sein und auch sonst keine Krankheitssymptome zu haben.

Im Fitnesspark Injoy ist jedes zweite Rad abgesperrt.

Im Fitnesspark Injoy ist jedes zweite Rad abgesperrt. © Lena Heising

Um einige Geräte haben die Mitarbeiter Flatterband geknotet, damit die Kunden etwas mehr Abstand halten können. Schilder und Fernsehspots ermahnen die Sportler, sich an die Hygieneregeln zu halten. Das Personal selber macht alle 30 bis 40 Minuten Rundgänge, um die Griffe aller Geräte zu desinfizieren. Sportkurse finden noch nicht statt, auch den Saunabereich durfte niemand einweihen.

Infektionsketten leicht nachvollziehbar

Angst vor einer Infektion in seinem Fitnessstudio, sagt Ribnikar, habe er nicht. Der Kundenkontakt sei sehr gering. Außerdem könne er durch die Chips „Infektionsketten besser nachvollziehen als in jedem Supermarkt“, sagt er.

Die Corona-Pandemie hat Ribnikar zu einem ungünstigen Zeitpunkt getroffen. Als im März alle Fitnessstudios schließen mussten, stand der Fitnesspark eine Woche vor der Eröffnung. Als sie am Montag (11. Mai) wieder Kunden empfangen durften, öffneten Ribnikar und seine Mitarbeiter die Tür ohne eine „Tag der offenen Tür“-Feier und hofften, dass trotzdem Kunden kommen.

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Denn „in unseren Augen sind wir systemrelevant“, sagt der 32-Jährige. „Gerade ältere Leute müssen gezieltes Muskeltraining machen, um ihr Immunsystem zu stärken.“

Oliver Kraus war bereits am Tag der Wiedereröffnung zurück im Fitnessstudio. Seit Neujahr trainiert er dort regelmäßig. „Wir waren gerade so richtig im Training, als sie dann schließen mussten“, sagt er.

Wir, das sind Kraus und seine beiden erwachsenen Töchter. Zusammen sei der Ansporn zu trainieren einfach größer.

Oliver Kraus trainiert meist zusammen mit seinen beiden Töchtern.

Oliver Kraus trainiert meist zusammen mit seinen beiden Töchtern. © Lena Heising

Mindestens drei bis vier Mal die Woche sei er hier oder in dem anderen Studio des Unternehmens, je für eineinhalb Stunden. Das ist nicht alles: Jeden Morgen um 6.30 Uhr klingelt sein Wecker, damit er vor der Arbeit noch eine Runde joggen gehen kann.

„In den acht Wochen, in denen hier zu war, habe ich das Laufpensum erhöht“, sagt Kraus. Vier Mal die Woche fünf Kilometer, zwei Mal die Woche 10 Kilometer. Trotzdem habe er das fehlende Krafttraining sehr gemerkt. „Nach acht Wochen sind die Geräte deutlich schwerer.“

Kunden müssen Formular ausfüllen

Im Fitnessstudio Evactive/SuS Phoenix läuft das Geschäft ohne digitale Chips wieder an. „Schon die Hände desinfiziert? Dann darfst du hier an den Tisch das Formular ausfüllen“, begrüßt eine Mitarbeiterin eine Kundin.

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In dem reinen Frauenfitnessstudio hängt bereits an der gläsernen Eingangstür ein Zettel, der darauf hinweist, dass nur Frauen mit Maske das Gebäude betreten dürfen. Direkt hinter dem Eingang steht eine Desinfektionsflasche auf dem Tisch.

Auf dem Formular müssen die Kundinnen Fragen zu ihrem Gesundheitsstand beantworten. Anschließend setzen sie sich auf eine der zwei Bänke hinter der Rezeption, wechseln ihre Schuhe und waschen erneut die Hände. Erst dann dürfen sie ihre Maske absetzen und können mit dem Training beginnen.

„Wir haben von Sonntag auf Montag alles umgebaut“

An diesem Sonntagmittag sind die Räume relativ leer - nur drei Frauen trainieren. Doch zu dem regulären Fitnessangebot fände bereits wieder Yoga und Pilates statt, erzählt Inhaber Jürgen Gabriel. Der Wellnessbereich bleibe aber auch hier geschlossen.

Auch das Fitnessstudio Evactive musste einige Geräte absperren.

Auch das Fitnessstudio Evactive musste einige Geräte absperren. © Lena Heising

Die Nachricht, dass die Fitnessstudios nach dem verlustreichen April wieder öffnen können, sei kurzfristig gekommen. „Wir haben von Sonntag auf Montag alles umgebaut“, sagt Gabriel.

Die Kunden würden sich laut Gabriel vorbildlich an die Maßnahmen halten. „So ein gewisses Maß muss einfach sein, um die anderen zu schützen. Das ist für mich vollkommen in Ordnung“, sagt Daniela Guerrine. Sie trägt eine selbstgenähte BVB-Maske, die sie zum Trainieren abnimmt.

Daniela Guerrine trainiert in einem Frauenfitnessstudio am Westfalendamm.

Daniela Guerrine trainiert in einem Frauenfitnessstudio am Westfalendamm. © Lena Heising

Vor der Corona-Pandemie habe sie es lange nicht geschafft, wieder im Fitnessstudio zu trainieren. Als sie die Zeit dafür hatte, waren alle Studios schon geschlossen. Die 52-Jährige freut sich sehr, dass sie nun wieder zum Sport kommt. „Spazieren und Fahrradfahren geben einem nicht wirklich das Gefühl, sich auszupowern“, sagt sie.

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