Flüchtlinge werden nicht untersucht

Erstaufnahme Hacheney

Die Flüchtlingsströme auf der Welt schwellen an, das merkt auch die überbelegte Erstaufnahmestelle in Hacheney deutlich. Daraus hat sich laut Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus ein medizinisches Problem entwickelt.

HACHENEY

, 05.09.2014, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Asylbewerber-Erstaufnahme in Hacheney.

Die Asylbewerber-Erstaufnahme in Hacheney.

Die in Hacheney ankommenden Flüchtlinge werden zwar geröntgt, um eine Tuberkuloseerkrankung ausschließen zu können, eine ärztliche Untersuchung aber gibt es nicht. „Das ist im Moment ein Riesenproblem“, sagt Düsterhaus. Mit großen Menschenmengen bewegten sich auch Infekte, Krankheiten wie Windpocken, Masern und Krätze. Das seien zwar größtenteils unangenehme, aber nicht gefährliche Krankheiten, doch es komme auf die Umstände an. So seien Windpocken für eine Schwangere eine Gefahr – und Windpocken gab es auch zuletzt in der Erstaufnahme in Hacheney. „Diese Infektionskrankheiten sind keine Gefahr für die Bevölkerung, sie sind eine Gefahr für die Bewohner der Erstaufnahmestelle“, sagt Düsterhaus.

Das Problem: Es gibt keine verpflichtende gesetzliche Regelung für die Untersuchung oder Impfung frisch angekommener Menschen, auch ein Blick in das Asylbewerberverfahrensgesetz hilft nicht weiter. Laut dem dort aufgeführten Paragraf 62 sind Ausländer, die sich in einer Aufnahmeeinrichtung befinden, zwar „verpflichtet, eine ärztliche Untersuchung auf übertragbare Krankheiten einschließlich einer Röntgenaufnahme der Atmungsorgane zu dulden“. Doch ob und in welchem Umfang die ärztliche Untersuchung geschieht, ist Landessache. In Hacheney werden die Flüchtlinge von einer Krankenschwester in Augenschein genommen.

Die Erstaufnahmestelle in Hacheney befindet sich laut Bezirksregierungssprecher Christoph Söbbeler in den vergangenen Wochen am Rande ihrer Kapazität: So befanden sich etwa am Dienstag etwas mehr als 400 Menschen in ihr, sie bleiben im Schnitt drei bis fünf Tage. Ausgelegt ist die Einrichtung auf 350 Plätze. Diese Menschen bei ihrer Ankunft ärztlich zu untersuchen, sei logistisch für das Dortmunder Gesundheitsamt nicht leistbar – es müssten zusätzliche Ärzte zur Seite gestellt werden, sagt Düsterhaus. Doch Krätze zum Beispiel sei keine lebensgefährliche Erkrankung, aber wenn ein Erkrankter unerkannt weiter verteilt würde, dürften die Folgekosten, die aus einer solchen Erkrankung und den Ansteckungen entstehen, höher sein, als wenn er direkt in Augenschein genommen würde.

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