Hunderte Passagiere lassen sich jeden Tag am Flughafen Dortmund auf das Coronavirus testen. © Kevin Kindel (Archiv)
Corona-Testzentrum am Airport

Flughafen Dortmund: Viele Risiko-Passagiere lassen sich nicht testen

Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss einen Corona-Test machen - eigentlich. Am Flughafen Dortmund ignorieren aber viele Passagiere das dortige Testzentrum. Wir haben vor Ort gefragt, warum.

Bei der Analyse der Corona-Fallzahlen sind besonders die Reiserückkehrer im Fokus. Relativ viele von ihnen bringen das Virus im Gepäck von ihren Auslandsreisen mit. Wer in einem Risikogebiet war, muss sich testen lassen oder in häusliche Quarantäne begeben.

Am Flughafen Dortmund und am Klinikum Nord sind in der vergangenen Woche 5.633 Reiserückkehrer getestet worden. Von ihnen hatten 185 ein positives Testergebnis, das sind 3,3 Prozent. In der ersten Woche des neuen Testzentrums lag die Quote am Flughafen Anfang August noch bei 1,4 Prozent. Deutschlandweit sind seit Beginn der Pandemie 2,6 Prozent aller Tests laut Robert-Koch-Institut positiv.

Wer am Airport Dortmund durch die Schiebetür aus dem Sicherheitsbereich kommt, hat die freie Wahl. Wenige Meter entfernt kann man sich sofort auf das Coronavirus testen lassen. Oder man kann den Flughafen auf direktem Wege verlassen, ohne von irgendjemandem aufgehalten zu werden.

Die Testpflicht setzt auf Vernunft und Freiwilligkeit, stichprobenartig soll überprüft werden, ob sich die Menschen daran halten. 1217 Personen sind am Dienstag (18.8.) aus Risikogebieten in Dortmund gelandet. 782 von ihnen haben sich am selben Tag am Flughafen testen lassen – also etwas weniger als zwei Drittel.

Paar will sich auf der Durchreise nicht testen lassen

Dieser Wert deckt sich mit den Beobachtungen unseres Reporters am Donnerstag. Innerhalb einer Stunde kommen Flüge aus der Ukraine, aus Rumänien und Spanien an – allesamt gelten zumindest teilweise als Risikogebiete. Wer sich testen lassen will, muss Ausweis und Krankenversicherungskarte vorzeigen, dann wird innerhalb von Minuten der Abstrich gemacht. Viele gehen aber auch einfach raus.

Von denen, die das Testzentrum ignorieren, hört unser Reporter verschiedene Aussagen. Ein Paar aus der Ukraine sagt, es sei nur in Dortmund gelandet, fahre direkt mit dem Bus zum Hauptbahnhof und von dort mit dem Zug in die Niederlande. Dafür, meinen sie, müssten sie die deutsche Testpflicht nicht einhalten.

Andere Passagiere drücken sich offensichtlicher. Nach der Begrüßung unseres Reporters bleiben sie erst kurz stehen, haben es dann aber eilig, als das Testzentrum angesprochen wird. Manche sehen auch gar kein Problem, sie wissen offenbar nicht, dass sie sich testen lassen sollten.

Doch es gibt auch gute Argumente: Ein junger Mann aus Rumänien sagt auf Englisch, er sei ganz kurz vor der Reise erst in der Heimat negativ getestet worden. Eine junge Mutter sagt, sie lasse sich in einem Krankenhaus in Münster, nahe ihres Wohnortes, testen – dort gehe alles schneller. Bis dahin will sie sich in Quarantäne begeben.

Die Positiv-Quote der Reiserückkehrer beträgt in Dortmund 2,99 Prozent.
Die Positiv-Quote der Reiserückkehrer beträgt in Dortmund 2,99 Prozent. Doch nicht alle getesteten Personen am Flughafen in Wickede, wohnen zwingend auch in Dortmund. © Kevin Kindel (Archiv) © Kevin Kindel (Archiv)

Tatsächlich bildet sich am Donnerstagnachmittag lange kaum eine Schlange, die Passagiere werden zügig abgearbeitet. Nur beim Flug aus Palma de Mallorca wird es voll. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes lassen sich vorweg Papiere zeigen und achten darauf, dass alle die Abstände zueinander einhalten. Wer das Prozedere mitgemacht hat, zeigt sich sehr zufrieden.

Eine junge Frau aus der Ukraine sagt auf Englisch: „Natürlich lasse ich mich sofort testen. Man muss das ja machen, sonst kann man nicht raus.“ Benedict Rüther aus Osnabrück saß mit ihr im selben Flugzeug und sagt: „Die Leute, die um mich herum saßen, haben sich alle testen lassen.“ Der kostenlose Test sei schnell erledigt – organisatorisch laufe alles gut ab.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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