Trotz guter Nachrichten - Grüne fordern „geordneten Rückbau“ des Flughafens

mlzDortmunder Flughafen

Der Flughafen vor schwarzen Zahlen? Die Reaktionen auf die jüngsten Nachrichten vom Airport sind gemischt. 2020 stehen Entscheidungen an, von denen für den Airport eine ganze Menge abhängt.

Dortmund

, 21.12.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manfred Sauer, CDU-Mitglied im Flughafen-Aufsichtsrat, bescheinigt dem Airport „eine gute Entwicklung.“ Man habe lange darauf hingearbeitet, die roten Zahlen aus dem Betriebsergebnis wegzubekommen. Für 2019 wird ein Minus von rund 1,5 Millionen Euro erwartet. 2020 soll das Betriebsergebnis ausgeglichen sein - drei Jahre vor Ablauf der EU-Frist.

Möglich wird das auch, weil der Bund einspringt: Ab 2020 übernimmt er die Kosten der Flugsicherung, die den Airport mit 1,6 Millionen Euro belasten.

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Positive Auswirkungen habe der „überraschend deutliche“ Anstieg der Passagierzahlen von 2,28 auf 2,7 Millionen, so Sauer. Er gehe davon aus, dass der Verkehr und die Zahl der Fluggäste weiter wachsen. „Daran wird eine höhere Luftverkehrssteuer nichts ändern."

„Keine Notwendigkeit“ für Ausbau

Dennoch sehe er für einen Ausbau der Startbahn über die jetzige Länge von 2000 Metern hinaus „keine Notwendigkeit“. „Es wäre ein kapitaler Fehler, sich mit einer Startbahnverlängerung erneut ins finanzielle Unglück zu stürzen.“

Wichtig sei, die Landebahn so herzurichten, dass sie von größeren Maschinen genutzt werden könne. Zurzeit stehen 1700 Meter zur Verfügung. „Wenn wir 300 Meter dazugewinnen, reicht die Landebahn für Flugzeugtypen wie den Airbus 320Neo mit bis zu 230 Passagieren vollkommen aus“, sagt Sauer.

"Ausbau der Start- und Landebahn erstmal kein Thema"

Eine Verlängerung über 2000 Meter hinaus ist auch für Aufsichtsratsmitglied Hendrik Berndsen (SPD) „erstmal kein Thema.“ Einen Ausbau „werde ich während meiner politischen Karriere nicht erleben."

Der Antrag zur Verlegung der „Landeschwellen“ um 300 Meter in Richtung Unna hingegen sei „absolut notwendig“.

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Die geplante Übernahme der Kosten der Flugsicherung durch den Bund verschaffe dem Airport zwar wirtschaftliche Vorteile, sagt Grünen-Fraktionssprecherin Ingrid Reuter. Dennoch verursache er weiter jährlich Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Gesamtverlust ist 2019 auf knapp unter minus 12 Millionen gesunken - doch auch, wenn der Bund die Flugsicherung trägt und das Betriebsergebnis wohl gut aussieht, bleibt voraussichtlich 2020 noch ein Gesamtverlust von über zehn Millionen Euro.

Vier Euro Subvention pro Passagier

Während die Stadtwerke für jeden Fahrgast in Bus und Bahn rund 40 Cent drauflegen müssten, würden Passagiere am Airport mit mindestens je vier Euro subventioniert. "Der Flughafen bleibt ein dicker Geldfresser", kritisiert Reuter. Seit dem Ausbau im Jahre 2000 hätten die Stadtwerke mehr als 300 Millionen Euro Verlustausgleich hineingepumpt.

Kritisch sehen die Grünen auch den Passagierzuwachs. Mehr Flüge führten zu mehr Luft- und Lärmbelastungen. Das sei ökologisch und wirtschaftlich nicht vertretbar. Ihr Vorschlag: Statt in den Flughafen zu investieren, sollte das Geld "in den geordneten Rückbau und für eine kreative Nachnutzung des Geländes" verwendet werden.

„Mich überrascht das Betriebsergebnis nicht“, kommentiert Mario Krüger, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Fluglärm. Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager habe in den vergangenen Jahren "alles unternommen, Kosten zu verschieben" - und Einnahmen etwa aus einem neuen Mietvertrag mit der Feuerwehr so zu verbuchen, dass sie das Betriebsergebnis verbesserten.

Fluggast- und Gepäckabfertigung wird ausgeschrieben

Für den Bürger sei die Rechnung "linke Tasche, rechte Tasche" aber völlig unerheblich. Das voraussichtliche Gesamtergebnis weise nach Verluste aus - und müsse weiter von der „Flughafen-Mutter“ Dortmunder Stadtwerke und deren Töchtern geschultert werden. „Statt den Flughafen zu subventionieren, sollte der Öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden“, sagt Krüger.

Flughafenchef Mager hält dagegen: Es würden keine Kosten verschoben. Im Gegenteil, der Flughafen stelle "vollständige Kostentransparenz bei hoheitlichen Aufgaben" her und erfüllte damit die Vorgaben der EU-Flughafenleitlinien. Das habe auch zur Genehmigung des Zukunftskonzeptes durch die EU-Kommission im Juli 2019 geführt.

Zu sehr abhängig von Wizz Air?

Bedenken, der Airport mache sich zu sehr von Wizz Air abhängig, hegt Utz Kowalewski, Fraktionschef Linke/Piraten. So lange Wizz Air bleibe, werde die schwarze Null im Betriebsergebnis wohl zu schaffen sein. „Sollte Wizz Air aber den Rückzug antreten, sieht es böse aus.“ Zudem müsse berücksichtigt werden, dass der Airport aus Spargründen „Investitionen in die Infrastruktur deutlich zurückgefahren" habe. Die seien nun nachzuholen.

2020 stünden wichtige Weichenstellungen an, sagt Kowalewski. Niemand wisse, welche Folgen die Ausschreibung der Bodenverkehrsdienste (Fluggast- und Gepäckabfertigung) habe. Ein Feld, auf dem auch rund 100 Festangestellte tätig sind. Kommt ein Privatanbieter? Flughafenchef Mager sieht der Ausschreibung gelassen entgegen: „Wir sind konkurrenzfähig.“

Entscheidung über Spätflüge noch 2020

Einen weiteren Knackpunkt sieht Kowalewski in den Flugzeiten. Das Ringen um die Betriebszeiten geht in die dritte Runde. Eine erste Genehmigung der Münsteraner Bezirksregierung hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) 2015 einkassiert.

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Mitte 2018 hatte Münster dem Airport eine zweite und weniger weitgehende Genehmigung für Spätflüge erteilt. Auch die landete vor dem OVG, die Stadt Unna und vier Private hatte geklagt.

Nun rückt die Entscheidung des OVG näher: Sie wird in der zweiten Hälfte 2020 erwartet. „Davon hängt für das weitere Verkehrsaufkommen eine Menge ab“, sagt Kowalewski.

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