Dortmunds Nachbarstadt Hagen wurde vom Unwetter ziemlich heftig getroffen - Dortmund kam glimpflicher davon. Die Stadtzentren sind nur gute 17 Kilometer von einander entfernt. Wie lassen sich diese Unterschiede erklären? © dpa
Unwetter-Chaos in Hagen

Flut-Katastrophe: Warum kam Dortmund glimpflicher davon als die Nachbarstadt?

Das Unwetter hat in Dortmund Schäden angerichtet. Das nur wenige Kilometer entfernte Hagen hat es aber viel härter getroffen. Ein Meteorologe erklärt, wie diese Unterschiede zustande kommen.

Das Tiefdruckgebiet Bernd hat in Nordrhein-Westfalen schwere Schäden angerichtet und Menschenleben gekostet. Doch nicht überall sind die Auswirkungen gleich.

Während Dortmund relativ glimpflich durch das Unwetter gekommen ist, ist die Nachbarstadt Hagen – deren Zentrum nur gute 17 Kilometer vom Dortmunder Zentrum entfernt ist – regelrecht untergegangen. Wie lassen sich diese Unterschiede erklären?

„Die räumlichen Unterschiede kommen durch schauerartige oder gewittrige Einlagerung im Tiefdruckgebiet zustande“, erklärt Daniel Jose-Tüns, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen. Das Tiefdruckgebiet hatte feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum angezapft, weshalb die Luft extrem schwül gewesen sei. „Der Wassergehalt in der Atmosphäre war enorm“, sagt Jose-Tüns.

„Letztlich ist eine Frage von Pech oder Glück“

Weil sich das Tiefdruckgebiet kaum verlagert hat, konnte es letztlich zu einem großen schauerartigen Regengebiet entwickeln. In diesem Regengebiet sei es dann zu gewittrigen und schauerartigen Einlagerungen gekommen. Diese könnten überall in diesem Tiefdruckgebiet auftreten, erklärt Jose-Tüns. „Letztlich ist es eine Frage von Pech oder Glück.“

Daniel Jose-Tüns ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Essen.
Daniel Jose-Tüns ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Essen. © privat © privat

Durch diese Einlagerungen kommt es punktuell zu extremen Regenfällen. In Teilen Dortmunds seien das innerhalb von zwei Stunden 50 Liter pro Quadratmeter gewesen. Von Dienstmorgen (13.7.) um 8 Uhr bis Donnerstagmorgen um 8 Uhr seien in der Messstation bei Dortmund 110 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden.

In Hagen gibt es nicht direkt eine Messstation. An der nächstgelegenen Station in Lüdenscheid wurden 146 Liter pro Quadratmeter im gleichen Zeitraum gemessen.

Auf der Grundlage dieses Wertes und mit Daten aus dem Regenradar haben die Meteorologen berechnet, dass in einem Gebiet von Altena bis in den Süden Hagens in der Spitze 200 Liter Regen auf den Quadratmeter niedergeprasselt sind.

In manchen Teilen NRWs fiel so viel Regen wie sonst im gesamten Juli

„Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Juli liegt in einer Größenordnung von 80 Litern pro Quadratmeter. In manchen Ort sind innerhalb von ein oder zwei Tagen Mengen zusammengekommen, die weit über dem Monatsmittel liegen“, sagt Jose-Tüns.


Der 32-jährige Meteorologe kann sich an ein Unwetter dieses Ausmaßes nicht erinnern, sagt er. „Dass auf so einer großen Fläche so hohe Niederschlagsmengen fallen, habe ich in dieser Art noch nicht erlebt und auch die meisten meiner Kollegen noch nicht.“

Solche Unwetter-Lagen könnten in Zukunft aber häufiger auftreten, vermutet Jose-Tüns. Das hängt mit dem Klimawandel zusammen. „In Deutschland haben wir über die Jahre hinweg einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.“

Eine ein Grad wärmere Atmosphäre könne schon sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen, beschreibt Jose-Tüns das Problem. Das stünde letztlich dann auch als Regenmenge zur Verfügung.

Die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Tropen werden geringer

„Grundsätzlich haben Gewitter in einer wärmeren und feuchteren Atmosphäre auch mehr Energie um Schäden anzurichten – sei es durch Starkregen, Hagel oder Sturmböen“, sagt der 32-Jährige.

Außerdem stelle die deutliche Erwärmung der Arktis ein Problem dar. Die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Tropen werden dadurch geringer.

„Das kann dazu führen, dass der Jet-Stream – das ist das Starkwindband in großer Höhe, das die Tiefs von West nach Ost führt – schwächer wird oder stärker mäandriert.“ Das bedeute, dass sich Hoch und Tiefs nicht mehr so schnell von Ort und Stelle bewegen würden, erklärt Jose-Tüns.

„Das haben wir in den letzten Jahren häufiger gesehen und kann eine Folge des Klimawandels sein. Was man sagen kann: Die Persistenz solcher Wetterlagen – also wie lange sie anhalten – wird größer.“

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Lukas Wittland

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