Folgenschwere Rocker-Prügelei: „Bandido“ aus der Nordstadt kassiert Haftstrafe

mlzLandgericht Bochum

Ein Mitglied der „Bandidos“ aus der Nordstadt fällt mit drei Freunden an einer Ampel brutal über drei Motorradrocker her. Ein Opfer ist jetzt ein Pflegefall. Nun sind die Urteile gefallen.

Dortmund

, 30.10.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 15 Monate nach einer folgenschweren Prügelei in Herne ist ein Bandidos-Rocker aus der Dortmunder Nordstadt am Mittwoch zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Der 27-Jährige war mit drei weiteren „Bandidos“ auf offener Straße über drei Motorradrocker aus Wuppertal hergefallen – eines der Opfer ist für immer ein Pflegefall.

Die höchste Haftstrafe kassierte mit sechs Jahren und acht Monaten ein 27-jähriger Bandidos-Rocker aus Herne, die niedrigste mit fünf Jahren und zehn Monaten ein 32-Jähriger aus Essen. Die Unterschiede erklären sich allein nach Anzahl der Vorstrafen und teils laufenden Bewährungen. Alle vier Urteile lauten einheitlich auf schwere und gefährliche Körperverletzung sowie Nötigung.

Richterin Susanne Schön-Winkler hob in der Urteilsbegründung die Wichtigkeit der Geständnisse, insbesondere für die Findung einer Strafe mit Perspektive, hervor. „Angesichts der Schwere der Folgen war die Höchststrafe hier zum Greifen nah“, sagte die Vorsitzende Richterin. Die hätte bei jeweils zehn Jahren Haft gelegen.

„Er ist in Siechtum verfallen“

Zwar habe die Kammer bei keinem der vier Angeklagten sicher feststellen können, dass er den folgenschweren Schlag auf den am schwersten verletzten Motorradrocker gesetzt habe. „Sie alle müssen sich aber die erheblichen Folgen für die Opfer entgegenhalten lassen“, hieß es beim Urteil.

Eines der Opfer (55) war damals ungebremst mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, hatte schwerste Schädelhirnverletzungen erlitten und wird zeitlebens ein Pflegefall bleiben. „Der Mann ist zu einer selbstständigen Lebensführung gänzlich außerstande. Er ist in Siechtum verfallen und das ist das Schlimmste, was passieren kann, bevor das Leben erlischt“, sagte Richterin Susanne Schön-Winkler.

Motorradrocker hatten sich nur verfahren

Die drei Mitglieder der „The Living Dead Nomads“ hatten sich am 11. August 2018 verfahren und waren nur versehentlich in Herne gelandet. Sie standen mit ihren Motorrädern an einer roten Ampel am Herner Kulturzentrum, als die Bandidos in einem schwarzen Audi anhielten und die Herausgabe der Kutten verlangten.

Im Prozess hatte keiner der vier Angeklagten eingeräumt, das so dramatisch mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagene Opfer attackiert zu haben. „Dass keiner mitbekommen haben will, wer den Mann geschlagen und wer ihm die Kutte ausgezogen hat, glauben wir ihnen aber nicht“, sagte Richterin Susanne Schön-Winkler.

Das Verfahren gegen den ursprünglich gemeinsam mit dem Quartett angeklagten Präsidenten des neu gegründeten Chapters „Bandidos MC Bochum City/Ruhrpott“ wird weiterverhandelt. Der Angeklagte (35) aus Herne ist darüber hinaus noch wegen einer Bluttat in Bochum angeklagt.

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