Frank Goosen im Fletch Bizzel: Erst Papas Schwarzarbeit machte ihn zum Beatles-Fan

mlz„Die Beatles und ich“

Musik regierte immer im Kosmos des Bochumer Autors. Goosens neues Buch kreist um den Soundtrack seiner Jugend und die Beatles - witzig und ironisch, wie im Fletch Bizzel zu hören war.

Dortmund

, 21.02.2020, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Verlag mit der Idee eines Musikbuches auf ihn zukam, gab es nur eine Band, über die er hätte schreiben können, erzählte Frank Goosen am Donnerstag im (ausverkauften, zusätzlich bestuhlten) Fletch Bizzel: „Es mussten die Beatles sein.“

Zu keiner anderen Combo hat er einen besseren Draht. Zu niemandem fallen ihm mehr Anekdoten und Schlaglichter von damals ein, als der kleine Frank auf dem Schulhof den großen Beatles-Versteher gab.

„Gib mir kein Geld, gib mir Platten für meinen Jungen“

Den Schlüsselpunkt seiner musikalischen Prägung verdanke er der Schwarzarbeit seines Vaters, erinnert sich Goosen: Als Elektriker habe der Papa 1979 bei einem HiFi-Händler Strippen verlegt.

„Gib mir kein Geld, gib mir Platten für meinen Jungen“, meinte der alte Goosen. Was dem Junior das rote und das blaue Album bescherte, dazu noch „Abbey Road“ als Picture Disc.

Ein Sesam-öffne-Dich-Erlebnis für den Dreizehnjährigen: Vor ihm, auf dem Plattenteller des „Mister Hit“-Low-Fi-Players, lagen akustische Schätze, die er rauf und runter hörte und mit dem Verstand eines Jungspunds analysierte. Englisch war nicht wirklich das Ding des frischgebackenen Mega-Fans, „aber den Klang der Worte fand ich einfach toll.“

Und so meditiert der selbsternannte Beatles-Experte über Zeilen wie „Lips that long to kiss you“ - Lippen, lang genug, Dich zu küssen. Einfacher schon „She loves you, yeah, yeah, yeah!“

Frank Goosens Humor ist wie ein omnipräsentes Schmunzeln

Der „Sound“ von Goosens Buch und Lesung ist durchzogen von zwinkernder Ironie. Der Mann drischt keine Pointen, sein Humor ist ein omnipräsentes Schmunzeln über einen jungen Eiferer, der „Halbgescheiten und Idioten“ predigt.

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Liverpools fantastische Vier wurden Goosens Evangelium, das ihn bis heute nicht verlassen hat. „Dabei hatte ich das Glück, dass die Geschichte der Band abgeschlossen war, als ich sie entdeckte. Ihr Werk lag ausgebreitet vor mir und konnte in Gänze rückblickend seziert werden.“

2019 war Goosen samt Familie dann selbst in Liverpool. Durch die Stadt gelotst wurde er von Steve, einem Guide mit Taxi, der aus jeder Pore „Beatlemania“ schwitzte, wie Goosen erzählt.

Mit „Lovely Rita“ durch die Penny Lane

Mittlerweile ist der Bochumer Autor im Fletch Bizzel beim freien Plaudern angelangt. Er löst sich vom Buch und reportiert Erlebnisse aus einer Stadt, die gut lebt von der Vermarktung ihrer berühmtesten Söhne.

Goosen imitiert Steves schweren Akzent, er schildert Szenen aus dem Cavern Club und den magischen Moment, wo in Steves Taxi („Lovely Rita“ getauft) „Penny Lane“ erklingt, während Familie Goosen die Penny Lane befährt.

Das wird von Goosen köstlich plastisch erzählt. Leichthändig verwebt er Erlebtes und Aufgeschriebenes zur Hommage an seine Lieblingsband, gleichzeitig ist das Buch (Kiepenheuer und Witsch, 12 Euro) auch Autobiografie und vergnügliche Zeitreise.

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